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Eine saldo-Stichprobe zeigt: Viele Autoinserate verstossen gegen die Werbebestimmungen. Diese sind ohnehin zu lasch.
Mit neuen schadstoffarmen Vorzeigemodellen präsentieren sich die Hersteller etwa auf dem Genfer Autosalon gerne umweltbewusst. Tatsache ist jedoch: Sie verkaufen in der Schweiz nach wie vor besonders viele Autos, die erheblich mehr Sprit verbrauchen und CO2 ausstossen, als die Branche mit dem Bundesamt für Energie vereinbart hat.
Nicht nur das: In Anzeigen, in denen mit der Leistung oder dem Verbrauch eines Wagens geworben wird, müssten die Hersteller laut Energieverordnung weitere Angaben zur Energieeffizienz-Kategorie des Autos, zu CO2-Emissionen und dem mittleren CO2-Wert aller angebotenen Neuwagen (aktuell: 204 Gramm pro Kilometer) machen.
Doch diese Angaben werden oft unterschlagen: In einer Stichprobe analysierte saldo im März die Autoinserate von 34 Ausgaben der NZZ, des «Tages-Anzeigers» und des «Blicks».
Ergebnis: 8 Anzeigen verstossen gegen diese Regelung. Saab betont zum Beispiel unter dem Titel «Die Differenz heisst Schubkraft» die «sagenhaften 180 PS» des Modells 9-3 TTiD. Es fehlt jedoch die vorgeschriebene Angabe der mittleren CO2-Emissionen aller angebotenen Fahrzeuge. Bei zwei weiteren Inseraten fehlt zusätzlich die Angabe zur Effizienzkategorie: Ford streicht den 4-Liter-Verbrauch seines Focus Econetic heraus. Peugeot betont mit den Titeln «Natürlich effizient» und «Von Natur aus kraftvoll» Verbrauch und Leistung seines 308.
Autohersteller schweigen über den CO2-Ausstoss
saldo hat die Hersteller mit den Mängeln konfrontiert: Peugeot verteidigt sein Inserat: Leistung stehe nicht im Zentrum. Saab und Ford räumen Fehler ein und versprechen, ihre Anzeigen künftig entsprechend zu korrigieren.
Verstösse von Autoherstellern gegen Werbebestimmungen sind kein Novum. Im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) überprüfte der Touring Club Schweiz (TCS) im Mai 2007 insgesamt 252 Autoinserate in Schweizer Zeitungen und Zeitschriften. Ergebnis: In gerade mal 16 Inseraten hoben die Hersteller Leistung oder Verbrauch hervor. In 13 von diesen fehlte eine oder mehrere vorschriftsmässige Angaben. Nur 3 waren korrekt.
Die saldo-Stichprobe zeigt auch: 24 der 45 Autoinserate informieren auch auf freiwilliger Ebene nicht über die Verbrauchswerte und CO2-Emissionen der beworbenen Modelle. 6 Inserate machen die Angaben nicht für alle gezeigten Autos. Immerhin: Bei 5 Inseraten sind alle umweltrelevanten Daten vorhanden.
Das Schweigen der Werber machen die Gesetze möglich. Selbst in einem Inserat für einen PS-starken Offroader muss der Hersteller keine CO2-Werte angeben, vorausgesetzt, er hebt Leistung oder Verbrauch des Autos nicht extra hervor.
Das Resultat der saldo-Stichprobe hält Kurt Egli vom Verkehrsclub Schweiz (VCS) für «einen Skandal». Egli: «Es zeigt sich, dass sich die Autobranche trotz grüner Bekenntnisse oft um den Klimaschutz foutiert.» Der VCS-Autoexperte macht dafür auch die «zu lasche» Energieverordnung verantwortlich, die den Autokonzernen legale Schlupflöcher biete, die Umweltdaten ihrer Autos zu verschweigen. Auch werde die Einhaltung der Richtlinien zu wenig überwacht.
Tatsächlich: Der mit der Kontrolle beauftragte TCS wird in diesem Jahr laut eigenen Angaben keine Inserate mehr überprüfen. Der Verband plant stattdessen Stichproben bei Auto-Werbeprospekten und Preislisten. Für mehr reichten die Mittel nicht.
Wird ein Autohersteller ertappt, hat er zudem wenig zu befürchten. Beim BFE laufen derzeit zehn Verfahren wegen Verstosses gegen die Werberichtlinien der Energieverordnung. Namen will das BFE keine nennen. Pro Verstoss droht dem Autohersteller eine Busse von maximal 40 000 Franken. «Das ist läppisch», sagt Experte Egli. BFE-Sprecherin Marianne Zünd hält dagegen, dass «die Sanktionen auf Dauer Verhaltensänderungen bewirken».
Konsument hat ein Recht auf Infos über Umweltdaten
VCS und Greenpeace Schweiz fordern striktere Regeln für Autoinserate: Ähnlich wie die Zigarettenindustrie Nikotin- und Teerwerte angeben muss, müssten die Autohersteller verpflichtet sein, in jedem Inserat gut leserlich die Abgas- und Verbrauchswerte ihrer Modelle zu deklarieren. «Der Konsument hat ein Recht darauf zu erfahren, welchen CO2-Ausstoss die Autos haben, die die Hersteller ihm verkaufen wollen», sagt Greenpeace-Autoexperte Cyrill Studer. Eine Verschärfung lehnt Andreas Burgener vom Verband der Autoimporteure Auto Schweiz kategorisch ab: «Der Kunde hat schon genug Informationsmöglichkeiten, nicht zuletzt direkt beim Händler.»
Auto-Umweltdaten: Hier kann man sich informieren
Über die Umweltdaten von Autos kann sich der Konsument leicht im Internet informieren.
13. April 2008 | Eric Breitinger
