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Artikel | saldo 06/2008

13 Mal Lektüre für die Katz

saldo hat sich durch acht Hunde- und fünf Katzenzeitschriften gelesen. Fazit: Ein Glück, dass unsere Haustiere nicht lesen können.

Rund 1,2 Millionen Katzen und 490 000 Hunde leben in der Schweiz. Doch trotz zahlenmässiger Übermacht sind die Katzen medial massiv unterversorgt. Im grössten Zeitschriftenkiosk Zürichs fanden sich acht Hundezeitschriften, aber nur fünf Katzen-Hefte. Ein kolossal unfairer Zustand aus der Sicht der Katze – möchte man sich zunächst empören. Und beglückwünscht nach der Lektüre die Katzen, dass ihre Herrschaft wenigstens quantitativ mit weniger Mist gefüttert wird als die Hundebesitzer.

Allen 13 Publikationen ist gemein: Jungtiere sind optisch stark übervertreten. Was dem Modeheft das hochbeinige, mandeläugige Lolita-Model, ist der Haustierpostille der tapsige Welpe mit dem devoten Blick, das sechswöchige Angora-Büsi mit den grünen Kulleraugen. Und was dem Sex-Anzeiger die scharfen Rammeladressen, sind den Tierheften die vielen Kuppelanzeigen: Herziges Tigerli sucht liebes Zuhause, süsser Labrador-Welpe sucht freundliches Herrchen. Sie und die Dutzenden von eingeschickten Jöö-Fotos machen die Seele eines jeden Hund-&-Katzen-Blattes aus.


Gesundheitsthemen nehmen einen wichtigen Platz ein


Und was wird sonst noch geboten? Dasselbe wie in der boomenden Gesundheitsratgeber-Presse, ausser dass die potenziellen Kunden keine Menschen, sondern Viecher sind: Abhandlungen über Blasenentzündung («Geliebte Katze»), Zahnschmerzen («Das deutsche Hundemagazin»), Nabelhernie («Schweizer Hundemagazin»), Physiotherapie («Hundewelt»), Psychologie («Wuff»).

Die Esoterik macht auch vor wehrlosen Tieren nicht Halt: Ätherische Öle für das Katzenwohlbefinden («Katzenmagazin»), Homöopathie zur Vorbereitung der Katze auf die Trächtigkeit («Cats»). Das Pendant zu Mike Shiva ist Heidegund Leithe: «Als ich mich mit Munzel telepathisch verband, spürte ich eine starke Traurigkeit» («Cats»).


Grosse Unterschiede in Sachen Sprache und Substanz

Schwer abgekupfert haben die Macher auch bei den People-Magazinen: ‹Galerie des Katzenadels›, ‹Trend in England: zimtfarbene Katzen› («Katzenextra»), ‹Das Who is Who der Katzenszene› («Cats»), ‹Das Who is Who der Hundeszene›, ‹Schmerzhafte Trennung von Frauchen›, ‹Choco eroberte mein Herz im Sturm›, ‹Spike ist mein allergrösster Schatz› («Hundewelt»), ‹Durch Rico hat sich mein Leben verändert› («Wuff»), ‹Welche Katze wohnt am schönsten?› («Katzenmagazin»), ‹Welche Katze passt zu welcher Persönlichkeit?› («Geliebte Katze»).

Bezüglich Aufmachung, Sprache, Tiefgang und Eleganz der Magazine sind die Unterschiede so gross wie zwischen dem «New Yorker» und dem «Affoltermer Anzeiger»: Von «Geliebte Katze», die sich in Ton und Machart von «Frau mit Herz» inspirieren liess, bis zum Edelblatt «Dogs», einem Hochglanzprodukt mit aufwendiger Fotografie und ehrgeizigen Reportagen (Lebensretterhunde, Street Dogs, Hunde auf dem Jakobsweg).

Auch das «Schweizer Hundemagazin» bietet mehr Substanz als der Grossteil der Konkurrenz: Es kommentiert Gerichtsfälle, informiert über den neusten Stand bei Tierversuchen. Ein annähernd ebenbürtiger Standard ist auf dem Katzenmedienmarkt nicht zu finden: Die Katzen ziehen also auch qualitativ den Kürzeren.


saldo-Rangliste: Das bieten die 13 Zeitschriften über Katzen und Hunde


1. Rang: «Dogs»
Fr. 7.60, Verlag Gruhner und Jahr, Deutschland, zweimonatlich.
Kommentar: Dick und funkelnd, für Hundebesitzer, die einen Strassenköter von einem Weimaraner unterscheiden können.

2. Rang: «Schweizer Hundemagazin»
Fr. 7.70, Roro-Press, Schweiz, 9-mal jährlich.
Kommentar: Praktische Tipps (Ferienplätze in Tierheimen), seriöse Berichte (Rollstuhlfahrer und Hunde), ist nicht auf Jöö-Effekte aus.

3. Rang: «Wuff»
Fr. 6.90, Petmedia Verlagsgesellschaft, Deutschland, monatlich.
Kommentar: Einzige Zeitschrift mit fünf im Impressum aufgeführten Auslandkorrespondenten. Breites Spektrum: von der «Kulturgeschichte der Liebe zum Hund» bis zu «Ein normales Mopsleben».

4. Rang: «Hunde»
Fr. 7.–, Schweiz. Kynologische Gesellschaft, Schweiz, 18-mal jährlich.
Kommentar: Besteht vor allem aus Vereinsnachrichten und Hinweisen auf Veranstaltungen. Historischer Touch: «Hunde in den Schlachten der Weltgeschichte».

5. Rang: «Das deutsche Hundemagazin»
Fr. 4.90, Gong Verlag, Deutschland, monatlich.
Kommentar: Wirres Layout. Originelle Themen (zwei Labradore, die Raubkopierer jagen und falsche DVDs erschnüffeln) neben belanglosen Erziehungstricks.

6. Rang: «Katzenmagazin»
Fr. 7.70, Roro-Press, Schweiz, zweimonatlich.
Kommentar: Ein paar Anleitungen (Notfälle und Erste Hilfe), aber zu viele Erlebnisgeschichten im Stil von «Ich und mein Büsi». Bemüht sprachoriginell: Katzen werden «Samtpfoten» genannt.

7. Rang: «Katzen Extra»
Fr. 6.90, Gong Verlag, Deutschland, monatlich.
Kommentar: Dürftige Abhandlung über Geschlechterrollen. Aromatherapie gegen Trauer: Iris-Öl helfe, wenn Büsi «den Tod eines geliebten Wesens nicht verkraftet».

8. Rang: «Hundewelt»
Fr. 4.90, Minerva Verlag, Deutschland, monatlich.
Kommentar: Niedliche Hundelifotos trösten nicht über düstere Prognosen hinweg: «Der Zweithund kann zum Alptraum werden», «Schwarzer Kot, es droht ein Magengeschwür».

9. Rang: «Geliebte Katze» und «Partner Hund»
Je Fr. 4.90, Gong Verlag, Deutschland, monatlich.
Kommentar: Beide Magazine sind sehr personalisiert – Einzelschicksale und austauschbare Geschichtchen. Erkenntnisgrad unterirdisch: «Kleine Hunde haben besondere Bedürfnisse.»

11. Rang: «Cats»
Fr. 4.70, Minerva Verlag, Deutschland, monatlich.
Kommentar: Eigentlich ein Organ für Züchter, kaschiert dies aber mit ein paar katzenpopulistischen Einschüben à la: «Hilfe, unser Kater pinkelt ins Haus!»

12. Rang: Sonderhefte «Katzen», «Hunde & Hündchen»
Je Fr. 8.–, OZ Verlag, Deutschland.
Kommentar: Viermal jährlich wird ein Tier abgehandelt. Keine Struktur, ein einziger Text. Wild daruntergemischt: entsetzlich kitschige Fotos, viele mit Blau- oder Rosastich.

31. März 2008 | Marianne Fehr


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