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Die Kampagne «5 am Tag» soll die Schweizer dazuanimieren, mehr Obst und Gemüse zu essen. Doch jetzt verkauft sie ihr Label auch für industriell hergestellte Produkte.
Die Absicht der nationalen Kampagne «5 am Tag» ist gut gemeint: Seit 2001 will sie die Schweizer Bevölkerung dazu bringen, mehr Obst und Gemüse zu essen. Das heisst fünf Portionen pro Tag, insgesamt rund 600 Gramm. Das schützt vor vielen Krankheiten wie Bluthochdruck, Schlaganfall und einigen Krebsarten.
Doch beim Kampf für mehr Gesundheit im Volk greifen die Organisatoren der Kampagne immer häufiger zu fragwürdigen Mitteln: Sie verkaufen ihr Label «5 am Tag» an Hersteller von Industrieprodukten wie Gemüsepulver, Rüebli-Chips und gezuckerten Früchten.
So soll man zum Beispiel statt einer saftigen Frucht auch einfach eine Tüte Apfel-Chips des Online-Händlers Healthy & Snacky knabbern können oder kandierte Ananas von Exo-Frucht. Und genauso gut wie 120 Gramm frisches Gemüse seien gerade mal 6 Gramm Tomatenpulver von der Firma Obipektin, das zum Beispiel in Fertigsuppen landet. Diese Industrieprodukte bekamen das Portionenlogo von «5 am Tag». Eine Packung soll also einer der fünf empfohlenen Portionen Obst und Gemüse entsprechen.
Ernährungsexperten halten davon wenig. David Fäh, Präventionsmediziner an der Universität Zürich: «Dem Verbraucher wird suggeriert, dass solche verarbeiteten Produkte den gleichen gesundheitlichen Nutzen haben wie frische Früchte und Gemüse.» Dies sei aber falsch. «Beim Verarbeiten und Haltbarmachen verlieren sie meist Vitamine», sagt Fäh. Der Kaloriengehalt der Produkte steige jedoch, wenn die Hersteller Zucker beifügen oder den Wassergehalt senken, etwa bei kandierten Früchten oder GemüseChips. «Damit geht einer der wesentlichen Vorteile von Früchten und Gemüse verloren», sagt Fäh.
Auch die deutsche Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder kritisiert, dass «5 am Tag» solche Produkte empfiehlt. «Dafür müsste man erst beweisen, dass sie denselben Nutzen haben wie ein frischer Obstsalat oder eine selbstgemachte Gemüsesuppe», sagt sie. Zudem seien die fünf Portionen bloss eine Faustregel – ob vier, fünf oder sechs mache wahrscheinlich keinen grossen Unterschied.
«Bei der Verarbeitung werden Vitamine zerstört»
Ursula Zybach von der «5 am Tag»-Kampagne räumt ein, dass «bei der industriellen Verarbeitung Mineralstoffe und Vitamine zerstört» würden. Dies passiere aber auch im Privathaushalt beim Lagern und Kochen. Die Kampagne wolle zudem auch diejenigen Menschen erreichen, die am liebsten Fertig-Food essen. Die Gemüse-Chips dürfe man deshalb nicht bloss mit frischem Gemüse vergleichen, sondern auch mit normalen Snacks wie Pommes Chips. Diesbezüglich «stehen die durch unsere Lizenz unterstützten Produkte besser da», sagt Zybach.
Präventionsmediziner David Fäh rät, Gemüse und Obst möglichst erntefrisch zu geniessen – oder auf Tiefgefrorenes auszuweichen. Diese Produkte würden meist gleich nach der Ernte gekühlt, so Fäh. Dabei blieben die Vitamine erhalten.
Einige gesunde Stoffe wie Karotinoide müsse man aber erhitzen, damit der Körper sie nutzen kann. Fachmann Fäh empfiehlt zum Beispiel «gekochte Rüebli und Tomatensauce als wertvolle Ergänzung zu Frischem». Zudem gilt: Möglichst verschiedene Sorten und Saisonales aus der Region wählen. So ist man optimal mit allen gesunden Pflanzenstoffen versorgt.
18. Februar 2008 | Sonja Marti
