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Mehrere hundert Leserinnen und Leser nutzten das Beratungstelefon des Gesundheitstipp. Fazit: Implantate werfen viele Fragen auf. Hier die wichtigsten Antworten.
Sind Implantate an den Frontzähnen möglich?
Beim Eishockey habe ich mir die beiden Frontzähne ausgeschlagen. Kann man sie durch Implantate ersetzen?
In der Regel ja. Allerdings sind Implantate im Frontbereich meist komplizierter einzusetzen als auf der Seite. Zum einen müssen sie optisch perfekt sein, zum anderen wird bei einem Unfall meist auch der Kieferknochen in Mitleidenschaft gezogen.
Deshalb muss der Zahnarzt bei Frontzahn-Implantaten fast immer zusätzlich den Kiefer aufbauen. Dazu verwendet er entweder Knochen aus einer anderen Region im Kiefer oder Ersatzmaterial. Dies kann speziell behandelter Kälberknochen oder auch synthetisches Material sein.
Was kostet ein Implantat?
Ich überlege mir, ein Implantat setzen zu lassen. Wie viel kostet die ganze Behandlung?
Ein einfaches Backenzahn-Implantat kostet zwischen 3500 und 4500 Franken. Teurer wird es bei einem Frontzahn: Hier muss der Zahnarzt oft mehrere Provisorien anfertigen lassen, bis das Resultat optisch
überzeugt. Deshalb kann ein Frontzahn-Implantat bis zu 6000 Franken kosten.
Falls es nötig ist, den Kieferknochen aufzubauen, wird es noch teurer: Die Mehrkosten können ein paar hundert bis mehrere tausend Franken betragen – je nachdem, ob für den Knochenaufbau künstliches Material, Eigenknochen oder beides verwendet werden muss.
Verlangen Sie deshalb vor jeder grossen Behandlung einen Kostenvoranschlag.
Soll ich die Zahnlücke mit einem Implantat füllen?
Ich habe eine Zahnlücke, die mich aber nicht stört. Soll ich aus
gesundheitlichen Gründen ein Implantat setzen lassen?
Nein. Wenn Sie mit Ihrer Zahnlücke gut leben können, gibt es
keinen Grund für ein Implantat.
Links und rechts gleichzeitig?
Ich brauche links und rechts ein Implantat. Ist es sinnvoll, beide gleichzeitig setzen zu lassen?
Nein. Besser ist es, der Zahnarzt wartet nach dem ersten Implantat drei bis vier Wochen. So ist das Risiko geringer: Sollte sich die operierte Stelle entzünden, können Sie wenigstens auf der anderen Seite essen.
Im Unterkiefer ist es zudem wegen der örtlichen Betäubung nicht ratsam, beide Seiten gleichzeitig zu operieren. So würde man nämlich sämtliche Muskeln lähmen, die die Zunge versorgen.
Ist ein Implantat besser als Zähne nochmals flicken?
An einem Zahn oben links hatte ich Karies. Der Zahnarzt machte eine Füllung. Nun schmerzt der Zahn erneut. Wäre es besser, en Zahn zu ziehen und durch ein Implantat zu ersetzen?
Nein. Ihr Zahnarzt soll den Zahn wieder behandeln und wenn nötig eine Wurzelbehandlung machen. Ein eigener Zahn ist immer besser als ein Implantat – auch wenn er geflickt ist. Ein Implantat kommt nur in Frage, wenn man einen Zahn nicht mehr retten kann.
Wie finde ich einen guten Zahnarzt?
Ich möchte den Zahnarzt wechseln. Wie finde ich einen neuen?
Es gibt verschiedene Wege. Am besten erkundigen Sie sich im Freundeskreis, wer mit seinem Zahnarzt gute Erfahrungen gemacht hat.
Sie können auch die nächstgelegene zahnärztliche Universitätsklinik fragen (Zürich, Bern, Basel oder Genf). Dort kennt man meist die Zahnärzte im Einzugsgebiet.
Listen mit Fachzahnärzten finden Sie unter www.sso.ch, der Homepage der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO. Dort erhalten Sie auch telefonisch Infos unter 031 311 76 28. Allerdings darf die SSO keine Zahnärzte empfehlen. Sie gibt lediglich Auskunft, wer welchen Facharzttitel besitzt.
Für Implantat-Spezialisten gibt es bis jetzt keinen anerkannten Titel. Deshalb sollten Sie den neuen Zahnarzt fragen, welche Ausbildung und wie viel Erfahrung er mit Implantaten hat.
Brauche ich drei Implantate?
Mir fehlen drei Zähne nebeneinander. Ich überlege mir, sie durch Implantate ersetzen zu lassen. Brauche ich für jeden verlorenen Zahn ein Implantat?
Nein. In der Regel kann ein Zahnarzt bei einer Dreier-Zahnlücke zwei Implantat-Stifte setzen. Auf diesen verankert er eine Brücke, die alle drei Zähne ersetzt.
Voraussetzung ist allerdings ein gut erhaltener Kieferknochen. Denn um eine Brücke zuverlässig zu setzen, sollte der Zahnarzt genügend kräftige Implantat-Stifte verwenden, die gut im Kiefer verankert werden können.
Wie gross ist das Infektionsrisiko?
Mein Zahnarzt will mir ein Implantat setzen. Wie gross ist das Risiko einer Infektion?
Wenn Sie gesund sind und sich an die Anweisungen Ihres Zahnarztes halten, ist das Risiko einer Infek-tion sehr gering. Starke Raucher sowie Menschen mit einer schlechten Mundhygiene sind allerdings deutlich anfälliger für eine Infektion.
Dies zeigt sich auch in Langzeitstudien: Die meisten Implantat-Misserfolge finden sich bei diesen beiden Patientengruppen.
Kann man 15-Jährigen ein Implantat setzen?
Unser 15-jähriger Sohn hat bei einem Unfall einen Frontzahn verloren. Kann man den jetzt durch ein Implantat ersetzen?
Nein, für Kinder und Jugendliche sind Implantate nicht geeignet. Denn an der Stelle, wo das Implantat verankert ist, wächst der Kieferknochen nicht mehr weiter. Deshalb sollte man erst Implantate setzen, wenn der Kiefer voll ausgewachsen ist.
Brücke oder Implantat?
Nach einer Wurzelbehandlung ist mir ein Zahn auseinandergebrochen. Die Zähne daneben sind einwandfrei. Wie soll ich die Zahnlücke schliessen lassen: mit einem Implantat oder einer Brücke, die an den Nachbarzähnen befestigt ist?
Sofern genügend Kieferknochen vorhanden ist, ist ein Implantat wahrscheinlich vorteilhafter.
Zwar kommt man bei einer Brücke ohne eine Operation aus, und die Behandlung ist kürzer – es braucht meist nur zwei bis drei Sitzungen. Wenn die beiden Zähne vor und hinter der Lücke, wie bei Ihnen, gesund sind, hat die Brücke aber einen grossen Nachteil. Der Zahnarzt muss ein Stück der Nachbarzähne abschleifen, um die Brücke verankern zu können. Das ist schade um die gesunden Zähne.
Zudem: Sollten später Probleme auftauchen, sind bei einer Brücke die Nachbarzähne mitbetroffen. Bei einem Implantat nicht. Ein Implantat ohne Knochenaufbau kostet etwa gleich viel wie eine Brücke.
Am Telefon beraten haben:
Dr. Christian Frei
Fachzahnarzt für orale Chirurgie, Zürich
Dr. Horst Kelkel
Zahnarzt mit Fachausbildung in Prothetik, Zürich
10. Oktober 2007 | Aufgezeichnet: Christian Egg
