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Artikel | saldo 14/2007

Sehkorrekturen per Laser: Keine harmlose Angelegenheit

Um die Brille loszuwerden, entscheiden sich viele für eine Augenlaser-Operation. Doch der Eingriff birgt Risiken. Auch wenn die Werbung davon kein Wort sagt.

Das Geschäft mit Augenlaser-Operationen boomt. Jährlich lassen sich rund 4000 Schweizer mit Laser behandeln. Die Branche wirbt intensiv für den Traum, nie mehr eine lästige Brille oder Kontaktlinsen tragen zu müssen: «Ein Leben ohne Brille – die Lasertechnik machts möglich», verspricht das Augenlaserzentrum Zentralschweiz. Und die Augenlaserzentren von Vedis helfen gleich noch bei der Finanzierung: «Exklusiv bietet Vedis die Möglichkeit der zinsfreien Ratenzahlung an.»

Die Zentren führen regelmässig Informationsveranstaltungen mit Gratisaperos durch, um neue Kundschaft zu gewinnen. Zudem werben viele ausländische Augenzentren für «supergünstige» Laseroperationsreisen. Besonders aktiv sind türkische Anbieter.
Die Werbeoffensive der Zentren, die ihre 1,5 Millionen Franken teuren Geräte amortisieren wollen, stösst auf Kritik. «Uns ist vor allem die Verharmlosung des Eingriffs ein Dorn im Auge», sagt Peter Marbet vom Krankenkassenverband Santésuisse. «Die langfristigen möglichen Nebenwirkungen sowie deren Kosten sind bislang überhaupt nicht geklärt.»

 
Nachbehandlung wird häufig vernachlässigt

Die Operationen sind tatsächlich mehr als ein kleiner kosmetischer Eingriff, wie die Werbung suggeriert. Bei Angeboten aus dem Ausland ist besondere Vorsicht geboten, wenn die Vorabklärungen nicht seriös durchgeführt werden und die Nachsorge nicht garantiert ist.

Dann können die Folgen dramatisch sein. Wie bei Marcel Fritschi (Name geändert): Er liess sich beide Augen im Ausland lasern. Ein Jahr nach der Operation trübte sich sein Augenlicht. An der Augenklinik des Unispitals Zürich dann die niederschmetternde Diagnose: grüner Star. Auch eine sofortige Behandlung verhinderte nicht mehr, dass der 30-jährige Mann sein Augenlicht verlor.

Laut Jens Funk, leitendem Arzt der Augenklinik, kommen solch gravierende Folgen von Lasereingriffen zwar selten vor. Doch immer wieder gebe es Komplikationen wie Unter- oder Überkorrektur, gestörtes Nachtsehen, trockene Augen oder Infektionen. Wenn man die Komplikationen frühzeitig erkennt, kann man sie laut Funk meistens medikamentös gut behandeln. Unter Umständen wird aber auch ein erneuter Eingriff notwendig.
Um die Risiken zu minimieren, ist zudem eine gründliche Voruntersuchung nötig. Denn nicht jedes Auge eignet sich für eine Laseroperation.

Augenarzt Thomas Hoppeler vom Vedis-Augenlaserzentrum in Zürich nennt als Ausschlussgründe:

  • zu dünne Hornhaut
  • zu hohe Kurzsichtigkeit (über 8 Dioptrien)
  • unregelmässige Hornhautverkrümmungen
  • Herpesnarben auf dem Auge
  • altersbedingte Sehschwäche (ab 45 Jahren).

Christina Strässle von der Schweizerischen Patientenorganisation (SPO) kritisiert, dass in manchen Kliniken nur ungenügend über die möglichen Risiken einer Laseroperation informiert würde. Ausserdem dürfe jeder Augenarzt ohne Zusatzausbildung solche Behandlungen vornehmen.

Der Eingriff ist eine teure Angelegenheit: In der Schweiz kostet er im Schnitt 8000 Franken für beide Augen. Dabei ist die Nachbehandlung eingeschlossen. Da es sich um keine Pflichtleistung handelt, kommen nur die Zusatzversicherungen der grösseren Krankenkassen für einen Teil der Kosten auf.


Nützliche Adressen und Informationen

  • Die Augenklinik des Universitätsspitals Zürich bietet eine spezifische Sprechstunde an. Adresse: Frauenklinikstrasse 24, 8091 Zürich, Tel. 044 255 49 13.
  • Ab spätestens Anfang 2008 bietet das Beratungszentrum für plastische und ästhetische Chirurgie Acredis Beratungen im Bereich Augenlaser an. Adresse: Splügenstrasse 10, 8002 Zürich, Tel. 044 283 20 40.
  • Adressen von anerkannten Augenärzten gibt es auf der Homepage der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft: www.sog-sso.ch.�

12. September 2007 | Stefan Müller


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