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Viele Frauen holen sich immer wieder schmerzhafte Blasenentzündungen. Jetzt sagen Fachleute, wie Frauen der Krankheit vorbeugen können.
Nach dem Baden sofort raus aus den nassen Kleidern! Auch Maya Heer (47) kannte diesen Rat und befolgte ihn brav. Aber dennoch: Es brannte und schmerzte sie beim Wasserlassen immer wieder, ständig hatte sie Harndrang und es zog im Unterleib – Blasenentzündung.
Vor acht Jahren erkrankte sie nach dem Baden zum ersten Mal. Fortan wurde Maya Heer immer empfindlicher. Wieder und wieder nahm sie Antibiotika: «Ich bekam sogar Blasenentzündungen, wenn ich nur etwas leicht angezogen war.»
Doch ein gesunder Körper sollte dann keine Probleme haben, ist Blasen-Beraterin Marlies von Siebenthal überzeugt: «Intakte Schleimhäute in der Scheide und der Harnröhre verhindern, dass Bakterien in die Blase gelangen und dort zu Entzündungen führen.» Als Inkontinenz-Fachfrau behandelt sie an der Frauenklinik im Kantonsspital Frauenfeld viele Patientinnen, die oft seit Jahren immer wieder an Blasenentzündungen erkranken.
Verursacher sind Bakterien, Viren oder Pilze, die durch die Harnröhre aufsteigen und sich in der Schleimhaut der Blase einnisten. Dort vermehren sie sich und führen zu Entzündungen. Die Erreger stammen zu 70 bis 90 Prozent aus dem Darm. Bei Frauen haben sie leichtes Spiel: Die Harnröhre ist kurz und liegt nah am Darmausgang. Schnell sind die Krankmacher hinübergewandert. Männer haben ein weitaus geringeres Risiko, an Blasenentzündung zu erkranken.
Die meisten bekommen die Entzündung im Bett
Nicht auf dem kalten Stein, sondern im Bett holen sich die meisten Frauen die Entzündung. Beim Geschlechtsverkehr können Darm-bakterien der Frau über die Scheide in die Harnröhre gelangen.
Doch geplagte Frauen müssen deswegen nicht auf Sex verzichten. Doch sie sollten danch auf die Toilette gehen, um die Bakterien auszuspülen. Manchmal verschreiben Ärzte sogar ein Antibiotikum, das empfindliche Frauen nach dem Verkehr vorbeugend schlucken.
Blasen-Fachfrau Marlies von Siebenthal sieht ein weiteres Problem: «Frauen trinken oft zu wenig. Zwei bis drei Liter am Tag müssen es sein.» Das regelmässige Wasserlösen verhindert, dass sich Krankheitserreger einnisten.
Sie betont ausserdem, wie wichtig eine gesunde Schleimhaut der Scheide ist. Denn sie schützt die Harnröhre. Entscheidend ist die Hygiene. Nach dem Stuhlgang gilt es, stets von vorn nach hinten zu wischen – ohne feuchte Tüchlein, wie Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser betont: «Sie fördern resistente Keime.»
Einmal am Tag sollten Frauen die Genitalregion waschen. Am besten mit lauwarmem Wasser bis 35 Grad und ohne parfümierte Duschgels. Bei Beschwerden wie Jucken, Trockenheitsgefühl und Brennen sind spezielle saure Waschlotionen gut, da auch reines Wasser austrocknet. Fettcremen pflegen und schützen die Haut. Auf Intimdeos, parfümierte Slipeinlagen und Ähnliches sollten Frauen verzichten.
Wenn die Schleimhäute dünn, trocken oder infektanfällig sind, helfen hormonhaltige Cremen und Scheidenzäpfchen. Das betrifft oft Frauen, die hormonell verhüten oder in den Wechseljahren sind. Mit Hilfe der Hormoncreme bauen sich die Schleimhäute wieder auf. Allerdings sollten Frauen bedenken, dass auch lokal angewandte östrogenhaltige Cremen Krebs an Brust und Gebärmutterhals fördern können. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser sagt: «Gut für die Schleimhaut ist, täglich eigenen Speichel in die Scheide zu streichen.»
Dank Cranberrysaft nisten sich die Bakterien nicht ein
Ausserdem gibt es eine «Impfung» gegen Blasenentzündungen mit den Tabletten Uro-Vaxom. David Scheiner, Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie in Zürich, berichtet von mehreren Studien, bei denen Frauen sich «impfen» liessen, dass ein Drittel weniger Blasenentzündungen bekamen. Andere Ärzte zweifeln an der Wirksamkeit. Auch Akupunktur kann vorbeugen. Gemäss einer weiteren Studie hatten 85 Prozent der leidgeprüften Patientinnen nach der Akupunktur-Behandlung keine Beschwerden mehr.
Der Betroffenen Maya Heer half schliesslich ein anerkanntes Hausmittel: Cranberrysaft. Beim kleinsten Ziehen trank sie davon und konnte die Schmerzen so vertreiben – ohne Antibiotika. «Der Saft verhindert, dass sich die Bakterien in der Blasenschleimhaut festsetzen. Durch viel Flüssigkeit werden sie dann ausgeschwemmt», erklärt von Siebenthal. Wie Cranberrysaft kann auch Preiselbeersaft vorbeugen.
Maya Heer trinkt heute mindestens zwei Liter Wasser oder Tee am Tag: «Ich habe überhaupt keine Probleme mehr mit Blasenentzündungen.»
Merkblatt «Blasenentzündung»
Gratis unter www.gesundheitstipp. ch oder gegen ein frankiertes C5-Antwortcouvert bei Gesundheitstipp, «Blasenentzündung», Postfach 277, 8024 Zürich.
Blasenentzündungen: So beugen Sie vor
12. September 2007 | Ines Vogel
