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Artikel | saldo 13/2007

Umweltfreundliche Autos: Mehr Schein als Sein

Autohersteller werben immer öfter mit der vermeintlichen Umweltfreundlichkeit ihrer Neuwagen. Dabei verschweigen sie unliebsame Details. Drei Beispiele.

1. Opel Schweiz: Umsteigaktion ohne Umweltnutzen

Opel verspricht: Umsteigen auf schadstoffärmere Autos lohnt sich. Darum bietet der deutsche Autohersteller jedem, der ein neues, verbrauchsgünstiges und umweltfreundliches Opel-Modell kauft, einen sogenannten Ecoflex-Eintauschbonus. Auch bisher bekamen Käufer eines neuen Opels für ihren alten eine Prämie vom Händler. Nun kriegen sie, falls sie auf einen umweltfreundlichen Opel umsteigen, «noch 500 bis 2500 Franken mehr», sagt Opel-Schweiz-Sprecher Christoph Bleile.

Ob Opels Umtauschaktion «unserer Umwelt entgegen- kommt», wie die grün grundierte Reklame des Autokonzerns behauptet, ist jedoch fraglich. Rein theoretisch tut sie es: So sondert beispielsweise der neue Opel Astra 1.3 CDTI (CO2-Ausstoss: 130 g/km) ein Drittel weniger CO2 ab als ein zehn Jahre altes Modell. «Entscheidend ist jedoch, ob die eingetauschte, alte Dreckschleuder auch aus dem Verkehr genommen und verschrottet wird», sagt Kurt Egli, Autoexperte des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS).

Und hier hapert es: Wie viele eingetauschte Wagen verschrottet wurden, kann Opel Schweiz nicht beziffern. «Was mit denen passiert, entscheidet der Händler», sagt Opel-Sprecher Bleile.


2. Smart: Ein CO2-Champion mit Makel

Mit Unbescheidenheit glänzt die neue Smart-Werbung: Gut sichtbar prangt dort der Schriftzug «CO2-Champion» auf der Karosserie eines Smarts. Gelogen ist das nicht. Das Dieselmodell Smart CDI 33 kw ist mit einem CO2-Ausstoss von 88 g/km derzeit tatsächlich das Auto auf dem Markt mit den geringsten Emissionen. Das betont denn auch der Reklametext. Was die Smart-Werber lieber nicht so deutlich sagen: Ihre beiden Benziner-Modelle sind mit 112 und 116 g/km CO2-Ausstoss keineswegs Spitze. Sie stossen als Zweisitzer ähnlich viel CO2 aus wie viele 4- und 5-Plätzer der Konkurrenz.

Und auch der CO2-Champion von Smart hat einen ökologischen Pferdefuss. Der CDI ist nämlich eine Feinstaub-Dreckschleuder. Einen geregelten Partikelfilter hat er keinen, auch wenn vergleichbare Kleinwagen wie der Fiat Panda bereits einen haben. Der Einbau eines geregelten Partikelfilters hätte jedoch einen Aufpreis von knapp 1000 Franken bedeutet, sagt Smart-Sprecher Hubert Kogel. Und womöglich so manchen Kunden vom Kauf abgehalten: «Zunächst konzentrierten wir uns daher auf den CO2-Ausstoss.»

saldo rät: Wer kann, soll zuwarten. Smart hat für Mitte 2008 ein CDI-Modell mit geregeltem Partikelfilter angekündigt.


3. Renault Millionen-Versprechen mit unklarem Effekt

«Alle reden über Umweltschutz. Renault handelt», behauptet der französische Autohersteller von sich. Dies soll Renaults selbst geschaffenes Umweltsiegel Eco2 beweisen. «Dieses neue Label klingt nach Umweltbewusstsein und Fortschrittlichkeit», sagt Greenpeace-Autoexperte Cyrill Studer: «In Wahrheit ist jedoch höchst intransparent, ob Renault zusätzlich etwas für die Umwelt unternimmt.»

Die Renault-Reklame gibt hier nicht klar Auskunft. Sie erwähnt lediglich «drei strenge Umweltschutzkriterien», deren Bedeutung der Laie nicht einschätzen kann. Auch Renault Schweiz kann auf Anfrage keine entsprechenden Zahlen vorlegen. Passend dazu lässt Renault sein grünes Siegel nicht durch neutrale Prüfer zertifizieren.

Unklar sind auch die ökologischen Auswirkungen von Renaults Versprechen, künftig im Jahr eine Million Autos mit einer CO2-Emission unter 140 g/km verkaufen zu wollen. Selbst wenn Renault das gelänge, nutzt es nicht unbedingt der Umwelt. Entscheidend ist nämlich, ob die Renault-Händler nicht gleichzeitig mehr schwerere, umweltschädlichere Modelle verkaufen. Genau dies taten sie jedoch im vergangenen Jahr: Renault setzte 2006 in der Schweiz rund 15 000 Neuwagen ab, im Schnitt hatten diese einen CO2-Ausstoss von 181 g/km – 2,72 Prozent mehr als im Vorjahr.

Kein Wunder für den VCS-Autoexperten Egli: «Die Händler verkaufen grundsätzlich lieber grössere Autos als kleine, weil sie dann höhere Margen haben.» Ob die Umweltbemühungen eines Konzerns letztlich etwas bringen, hängt laut Egli davon ab, ob sich diese im ganzen Unternehmen durchziehen. Renault Schweiz gab bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme ab.

05. September 2007 | Eric Breitinger


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