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Artikel | K-Geld 04/2007

Versicherungen rechnen falsch

Es lohnt sich häufiger als von vielen Versicherungen behauptet, die Reparatur nach einem Autounfall selbst zu bezahlen und auf die Versicherungsdeckung zu verzichten.

Nach einem Autounfall stellt sich oft die Frage: Soll man den Schaden selbst bezahlen oder die Versicherungsdeckung beanspruchen?
Die Antwort ist unter anderem abhängig von der Bonusstufe der entsprechenden Police. Die Bonusstufe sinkt mit jedem Jahr, in dem man keine Versicherungsleistung beansprucht, um einen bestimmten Prozentsatz. Je tiefer die Bonusstufe ist, desto tiefer sind die Prämien.
Kommt die Versicherung für einen Schaden auf, steigt die Bonusstufe um vier bis fünf Stufen. Das führt in den Folgejahren zu höheren Prämien.
Nach einem Unfall informiert sich die Versicherung über die Höhe der Reparaturkosten. Sie zieht davon den Selbstbehalt ab, den der Autobesitzer in jedem Fall selbst zahlen muss.
Danach vergleicht sie den noch offenen Betrag mit dem Total der Mehrprämien, die der Kunde in den Folgejahren durch die höhere Bonusstufe bezahlen müsste.
Ist der offene Betrag grösser als das Total dieser Mehrprämien, empfehlen viele Versicherungen ihren Kunden, die Versicherungsleistung zu beanspruchen. Nur: Die Gesellschaften rechnen zu ihren Gunsten.
Ein Beispiel: Die Prämien für die Police sind auf Bonusstufe 50 Prozent angelangt. Der Wagenhalter zahlt also 50 Prozent der Grundprämie. Nach dem Unfall erhöht die Gesellschaft die Prämie um vier Stufen auf 70 Prozent, sofern sie für den Schaden aufkommt.
Die Versicherungen berechnen nun das Total der Mehrprämien, bis die Police wieder die Bonusstufe 50 Prozent erreicht hat.
Diese Rechnung ist aber oft falsch: Beansprucht der Fahrer nämlich keine Versicherungsdeckung, sinkt seine Bonusstufe in den folgenden Jahren unter die Bonusstufe 50 Prozent.
Die jährlichen Mehrprämien dürfen sich deshalb nicht auf die Bonusstufe vor dem Unfall beziehen. Vielmehr müssen sie bis zu jener Stufe berechnet werden, die der Wagenbesitzer im entsprechenden Zeitraum unfallfrei erreichen würde. Das ist in obigem Beispiel die Bonusstufe 30 Prozent.
K-Geld hat die finanziellen Folgen berechnet (siehe Tabelle). Das Total der Mehrprämien beträgt gemäss Angaben der Versicherung im vorliegenden Beispiel 572 Franken. Es würde sich für den Kunden also lohnen, einen Schaden von 800 Franken – nach Abzug des Selbstbehalts – durch die Versicherung bezahlen zu lassen.
Bei korrekter Rechnung beträgt das Total der Mehrprämien aber 1144 Franken. Der Autobesitzer spart also 344 Franken, wenn er den Schaden selbst begleicht, statt der Versicherung höhere Prämien zu bezahlen.
Der Grund für diese falschen Rechnungen durch die Versicherungen liegt auf der Hand: Sie erhalten mehr Prämiengeld.
Die Rechnung der Versicherungsgesellschaften ist lediglich in jenen Fällen richtig, in denen die Bonusstufe vor dem Unfall schon auf dem tiefsten Wert angelangt war. In allen anderen Fällen sollte der Autobesitzer von seiner Versicherung eine korrekte Rechnung verlangen.
Das ist beispielsweise bei der Baloise durchaus möglich. «Auf Wunsch erstellen  wir dem Kunden eine solche Rechnung gerne», sagt Baloise-Sprecher Dominik Marbet. Und er fügt an: «Wer es sich leisten kann, sollte den Schaden im geschilderten Beispiel tatsächlich selbst bezahlen.»
Korrekt rechnet übrigens die Axa Winterthur. Sie berücksichtigt als einzige der von K-Geld angefragten Versicherungen, dass der Bonus in den Folgejahren weiter sinkt.

31. August 2007 | Philipp Lütscher


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