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Artikel | Gesundheits-Tipp 7+8/2007

Auto-Tour im Tiefschlaf

Essattacken und Auto fahren im Schlaf: Das kann passieren, wenn man Schlafmittel schluckt. Jetzt wollen die Behörden handeln.

Es war Mittwoch, kurz vor Mitternacht. Der US-Abgeordnete Patrick Kennedy schluckte eine Schlaftablette und legte sich ins Bett. Drei Stunden später knallte der 39-Jährige mit seinem Auto in eine Abschrankung. Die Polizei wunderte sich über das seltsame Verhalten des Verunfallten. Der Alkoholtest war negativ. Als Kennedy am Morgen aufwachte, konnte er sich an nichts erinnern.
Brenda Pobre aus Kalifornien fand jeden Morgen Schokoriegel-Verpackungen und Essensreste neben Bett und Kühlschrank. Erst verdächtigte die 54-Jährige ihre Söhne. Doch eines Morgens erwachte sie in der Küche - inmitten der Überreste ihrer nächtlichen Essorgie.
Beide hatten zuvor ein Schlafmittel mit dem Wirkstoff Zolpidem geschluckt. Doch es sind keine Einzelfälle. Deshalb verlangt die US-Arzneimittelbehörde FDA jetzt für dreizehn Schlafmittel einen Warnhinweis auf solch «komplexe schlafbedingte Störungen». Dazu gehören Schlafwandeln, Halluzinationen, Essen und Autofahren im Schlaf.

Warnhinweise: Swissmedic überprüft Schlafmittel
Auch in der Schweiz verschreiben Ärzte häufig Schlafmittel mit dem Wirkstoff Zolpidem - zum Beispiel Stilnox, Dorlotil oder Sedovalin. Jürg Schwander, Medizinischer Leiter der Klinik für Schlafmedizin in Zurzach AG: «Wir haben eine ganze Reihe Patienten, bei denen Zolpidem zu Schlafwandeln und Essen im Schlaf geführt hat.» In einzelnen Fällen waren andere Schlafmittel dafür verantwortlich.
Das hat auch die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic erkannt: «Wir passen zurzeit den Beipackzettel von Zolpidem an und überprüfen, ob dies für weitere Schlafmittel nötig ist», sagt die Sprecherin Monique Helfer. Stilnox-Herstellerin Sanofi-Aventis verweist auf Swissmedic: «Solche Fälle sind nicht ausgeschlossen, treten jedoch selten auf», heisst es lapidar.
Betablocker und Antibiotika zum Beispiel können ebenfalls Schlafwandeln verursachen (siehe Tabelle). Betroffene sollten sich mit dem Arzt besprechen. In vielen Fällen kann er ein anderes Medikament verschreiben.

04. Juli 2007 | Sonja Marti


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