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Seit Mai sind die ersten parallel importierten Medikamente zugelassen. Sie sind günstiger als herkömmliche Präparate.
Eine Stichprobe zeigt jedoch: Keine Apotheke hatte sie an Lager.
Die meisten Medikamente sind in der Schweiz teurer als im Ausland. Für Antibabypillen beispielsweise zahlen Schweizerinnen in den gängigen Packungsgrössen durchschnittlich 40 Prozent mehr als Frauen in Deutschland (siehe Gesundheitstipp vom Juni).
Seit Mai sind nun die ersten neun Medikamente aus Parallelimporten auf dem Markt. Sie sind identisch mit den Originalpräparaten. Der Vertreiber, die Zuger Firma APS, führt sie aber günstig aus dem Ausland in die Schweiz ein und kann sie daher auch günstiger weiterverkaufen als die herkömmlichen Originalpräparate. Zum Beispiel die Antibabypille Microgynon 30. Die parallel importierte Monatspackung kostet Fr. 15.15. Sie ist somit Fr. 1.65 günstiger als die andere.
Keine einzige Apotheke hatte die Pille an Lager
Doch eine Stichprobe des Gesundheitstipp zeigt: In den Apotheken ist die günstigere Variante kaum erhältlich. Keine der zehn Apotheken in Basel, Bern und Zürich hatte Microgynon 30 aus Parallelimporten an Lager. In vier der zehn Apotheken sagte das Verkaufspersonal, es könne diese auch nicht bestellen (siehe Tabelle) - was nicht stimmt.
In den Apotheken Amavita und Coop Vitality in Basel behaupteten die Verkäuferinnen gar, es gäbe noch gar keine parallel importierten Medikamente in der Schweiz. Bei Dr. Noyer in Bern und in der Schifflände-Apotheke in Basel hiess es, der Lieferant führe keine solchen Präparate.
«Grossisten haben das Lager innert dreier Tage leergekauft»
Die Apotheker schieben die Schuld ihrem Verband und der Import?rma APS in die Schuhe. «Wir hatten keine Informationen», erklärt der Berner Apotheker Jean-Maurice Noyer nach der Stichprobe. Die Apotheker seien nicht orientiert worden, wo sie die Präparate beziehen könnten. Noyer: «Darum glaubten wir, sie seien noch gar nicht erlaubt.»
Die Firma APS hat zwar eine grosse Medienkampagne durchgeführt, aber die Apotheker in der Tat nicht direkt informiert. Firmensprecher Peter Hunziker begründet dies mit der grossen Nachfrage: «Die Grossisten haben unser Lager mit den ersten 40 000 Präparaten in nur drei Tagen leergekauft. Daher verzichteten wir auf ein Rundschreiben.» In diesen Tagen erhält die APS die nächste Lieferung. Dann will Hunziker alle Apotheker anschreiben und sie darauf hinweisen, wo sie die Präparate beziehen können.
Am Logo zu erkennen
- Medikamente aus Parallelimporten unterscheiden sich nur durch ihre Verpackung vom Original.
- Sie sind am Logo der Importfirma auf der Medikamentenschachtel zu erkennen.
- Eine Liste der Präparate gibt es unter www.aps-schweiz.ch.
04. Juli 2007 | Claudia Benetti
