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Der europäische Badeatlas zeigt, wo Schwimmen krank macht. Leider sind die Daten nicht vollständig. Grund: Die Länder liefern lieber keine als schlechte Resultate nach Brüssel.
Jedes Jahr publiziert die Europäische Union den Badeatlas: Dieser gibt Auskunft über die Wasserqualität von über 20 000 Stränden der EU-Mitgliedsstaaten. Der Atlas hilft bei der Auswahl von Ferienzielen und zeigt Touristen, welche Küstenabschnitte ihrer Destination zu meiden sind.
Italien: An jedem zwanzigsten Strand ein Badeverbot
Aus dem aktuellen Bericht geht hervor, dass man in vielen Mittelmeerländern unbeschwert baden kann. In Griechenland schneiden 97 Prozent der 2047 Küstenstrände sehr gut ab. An der spanischen Küste wird nur einer auf hundert Meeresstrände bemängelt. Und an einem einzigen Strand Zyperns, an dem des Hotels Almyra in der Region Pafos, war 2006 die Wasserqualität schlecht.
Weniger gut kommen Italien, Frankreich und Portugal weg. An jedem zwanzigsten Strand Italiens war das Baden letzten Sommer verboten. Auch in Portugal wurden vier Strände geschlossen, weitere sechs schneiden schlecht ab. In Frankreich fand sich zwar kein einziges Badeverbot. Dennoch werden fast 70 Strände schlecht eingestuft.
Die Daten für diese Bewertungen erheben die Länder selbst. Sie müssen kurz vor und während der Badesaison alle 14 Tage Gewässerproben nehmen. Diese werden auf mikrobiologische Verunreinigungen, beispielsweise durch Kolibakterien, untersucht. Solche Erreger können bei den Badegästen zu Durchfall und Erbrechen führen. Besondere Risiken bestehen dabei für Kinder, ältere Menschen und Personen, deren Immunsystem beeinträchtigt ist.
Doch aufgepasst, der Badeatlas ist nicht vollständig. Viele EU-Staaten liefern nämlich nur unvollständige Daten.
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas bemängelt, dass mehrere Mitglieder jene Strände, die schlecht abschneiden, von der Liste streichen - um so die Statistik zu schönen. Bereits im vergangenen Jahr hat Dimas deshalb gegen elf Länder ein Verfahren eingeleitet. Dieses ist aber noch immer hängig.
Wer es genau wissen will, soll sich direkt am Ferienort erkundigen
Als einer der betroffenen Staaten weist Deutschland die Anschuldigung durch die EU vehement zurück: «Die Unterstellung der Kommission entbehrt jeder Grundlage», rechtfertigt sich Thomas Hagbeck, Sprecher des deutschen Umweltamtes. Doch die aktuelle Statistik zeigt, dass Deutschland innerhalb des letzten Jahres erneut rund 13 Prozent weniger Küstenstrände ausweist.
Und woran kann sich der Tourist halten? Auf den EU-Websites sind auch die Ergebnisse der Vorjahre abrufbar. Erscheint ein Strand, der in den Vorjahren schlecht abschnitt, plötzlich nicht mehr in der aktuellen Liste, könnte etwas faul sein. Das EU-Umweltkommissariat rät, sich in einem solchen Fall telefonisch bei den Behörden im Ferienort zu erkundigen.
Kroatien: Probleme nur an einem Küstenabschnitt
Die Nicht-EU-Mitglieder Kroatien und Türkei fehlen als beliebte Ferienziele im Badeatlas. Wie aber sieht es dort aus? Auch Kroatien entnimmt im Zwei-Wochen-Rhythmus an 863 Stränden Proben. Die Ergebnisse stellt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ADAC seinen Mitgliedern zur Verfügung. An 97 Prozent der Badestrände an Kroatiens Küste ist die Wasserqualität sehr gut. Für einen Strand gilt jedoch ein permanentes Badeverbot: Erholungszentrum Hotel Park in Rijeka. Laut ADAC bestehen ausser an diesem Küstenabschnitt nirgendwo Probleme. Die Türkei hingegen sperrt sich: Die Regierung weist Anfragen zur Wasserqualität zurück.
So finden Sie einen sauberen Strand
Sie haben Ihre Ferien an der Côte d’Azur, der Ostsee oder der italienischen Riviera gebucht? Und wollen wissen, wie gut das Wasser an Ihrem Küstenabschnitt ist? Informationen zu über 20 000 europäischen Stränden findet man im Internet unter dem Link http://ec.europa.eu/water/cgi-bin/bw.pl.
Dort sind die einzelnen EU-Staaten und ihre Meer- und Seestrände aufgeführt. Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Strand zu suchen:
- In der Tabelle ist neben den Ländernamen jeweils angegeben, wie viele Strände welche Bewertung erhalten haben - von geschlossenen Stränden bis zu überdurchschnittlich sauberen Badeplätzen. Klickt man auf die entsprechende Kategorie, werden alle Strände nach Ortschaften aufgeführt. So finden Sie die saubersten Strände im ganzen Land.
- Hält man sich in einer bestimmten Region auf und will dort einen sauberen Strand finden, empfiehlt sich ein anderer Weg: Man klickt das entsprechende Land an, wählt die gewünschte Region und gelangt so zu den einzelnen Orten. Hier sind die Strände und deren Wasserqualität auf einer Karte markiert.
- Ebenfalls ein Zeichen für herausragende Wasserqualität ist die «Blaue Flagge». Doch um diese an einem Strand hissen zu können, müssen auch andere Kriterien wie strenge Sicherheits- und Umweltstandards, Sauberkeit sowie Serviceleistungen erfüllt sein. Eine Liste mit den international aktuell ausgezeichneten Stränden findet man unter www.blueflag.org/blueflag.
27. Juni 2007 | Pascal Tischhauser, Sabine Rindlisbacher
