|
(0) |
In England wurde kürzlich ein Mann vor Gericht der Vergewaltigung freigesprochen: Er wusste von seinen schlafwandlerischen Sex-Attacken auf seine Partnerin nichts mehr. Experten beginnen, das Phänomen Sexsomnie langsam ernst zu nehmen.
Es kommt zwei- bis dreimal pro Woche vor», schildert der verheiratete David *. «Ich versuche im Schlaf, mit meiner Frau Sex zu haben. Wecken kann sie mich nicht. Und am nächsten Tag erinnere ich mich an nichts.»
Was David nachts erlebt, bezeichnen Fachleute als Sexsomnie. Fälle von Sex im Schlaf kommen kaum an die Öffentlichkeit. Doch die englische Fachzeitschrift «New Scientist» vermutet eine hohe Dunkelziffer.
So sprach vor gut einem Jahr ein englisches Gericht einen 22-jährigen Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Er hatte glaubhaft machen können, dass er während der Tat schlief und deshalb unzurechnungsfähig war.
In der Schweiz ist Sexsomnie unter Fachleuten noch weitgehend unbekannt. Dies bestätigt Ulf-Dietrich Reips vom Psychologischen Institut der Uni Zürich. Er hat zusammen mit dem US-Psychologen Michael Mangan eine Studie im Internet über Sexsomnie gemacht. Es meldeten sich 114 männliche und 41 weibliche Betroffene - darunter auch David. Aus der Studie lässt sich allerdings nicht ableiten, wie häu?g Sexsomnie vorkommt. Denn Sex im Schlaf sei eindeutig ein Tabuthema. Betroffene würden es in der Regel auch bei Arztbesuchen nicht erwähnen. Doch Reips ist überzeugt davon, dass es sich nicht nur um skurrile Einzelfälle handelt. Dies zeigten wissenschaftliche Untersuchungen.
Sexsomnie kann für eine Beziehung zur ernsten Belastung werden. Reips: «Manche Betroffene leiden stark unter ihren Attacken.» Auch für David und seine Frau sind die nächtlichen Vorfälle ein grosses Problem: «Meine Frau sagt, ich sei jeweils sehr aggressiv. Deshalb schläft sie aus Angst meistens in einem anderen Zimmer.»
Bis anhin gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten
Reips und seine Kollegen halten Sex im Schlaf für eine Variante des Schlafwandelns. Denn es gibt Gemeinsamkeiten: In beiden Fällen be?nden sich die Betroffenen weder ganz im Schlaf- noch im Wachzustand. Ebenfalls typisch: Die Betroffenen können sich an das Vorgefallene am nächsten Tag nicht erinnern.
Behandlungsmöglichkeiten gibt es bis heute nicht. Betroffene können aber vorbeugen, denn Stress, Schlafmangel und Alkohol gelten als Auslösefaktoren für den Schlafsex. Für Betroffene gibt es auf der Website www.sleepsex.org Informationen (nur englisch).
* Name geändert
Sind Sie oder Ihr Partner von Schlafsex betroffen?
Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen:
Redaktion Gesundheitstipp, «Schlafsex», Postfach 277, 8024 Zürich oder
redaktion@gesundheitstipp.ch
13. Juni 2007 | Esther Diener Morscher
