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Riskante Geschäfte mit dem Klima: Kleinanleger wollen den Planeten retten und bringen ihr Erspartes in Gefahr.
Banken empfehlen ihren Kunden immer öfter Geldanlagen mit den Prädikaten «öko», «nachhaltig», «grün» oder «klimafreundlich». Der Grund ist klar: Die Käufer möchten mit gutem Gewissen Geld verdienen.
saldo hat jene zehn «grünen» Fonds herausgesucht, die im Schnitt der letzten drei Jahre die beste Rendite abgeworfen haben (siehe Tabelle). In diesem vergangenen Zeitraum haben all diese Anlagen die bereits gute Performance des Weltaktienindex (13,55 Prozent) um Längen geschlagen.
Die Betonung liegt auf «vergangenen Zeitraum». Ob das so bleibt, ist fraglich. Der aktuelle Boom sollte nachdenklich stimmen. Beispiel Swisscanto: Die Fondsgesellschaft der Kantonalbanken bietet seit Ende Februar einen neuen Klimafonds an und bewirbt ihn mit Zeitungsinseraten. In nur zwei Wochen sind der Anlage über 110 Millionen Franken zugeflossen. «Es läuft bestens», sagt Swisscanto-Sprecher Roman Kappeler. Doch mittlerweile sind warnende Stimmen nicht mehr zu überhören: «Diese Euphorie erinnert an die Auswüchse des zusammengebrochenen Neuen Marktes», sagt Volker Pietsch, Leiter des Deutschen Instituts für Anlegerschutz in Berlin.
Experten sehen Kurseinbrüche voraus
Zur Vorsicht mahnt auch Rolf Biland, Anlagechef des Vermögenszentrums VZ in Zürich: «Das viele Geld der Investoren fliesst nur wenigen Unternehmen zu und treibt deren Aktienkurse an.» Eine dieser Firmen ist die deutsche Solarworld. Ihr Slogan: die Welt mit «sauberer (Sonnen-)Energie ein Stückchen besser machen». Die Anleger springen in Scharen auf. «Dieses eigentlich begrüssenswerte Umweltbewusstsein könnte den Investoren zum Verhängnis werden», sagt Anlegerschützer Pietsch. Kurseinbrüche seien fast unausweichlich. Zeichen für einen überhitzten Markt sieht auch VZ-Anlagespezialist Biland: «Der Aktienkurs von Solarworld ist seit 2004 um das 30fache gestiegen.»
Etliche «grüne Fonds» brächten Anleger ins Grübeln, wenn sie wüssten, welche Unternehmen auch berücksichtigt werden. Der Raiffeisen Futura Swiss Stock beispielsweise hält Aktien der Medikamentengrossistin Galenica, des Pharmagiganten Roche und des Rückversicherers Swiss Re. Der Sarasin Oeko Sar Equity-Fonds investiert in den Autobauer Toyota. Der Equitiy Fund Green Invest der Swisscanto hält Titel des Pharmakonzerns Johnson & Johnson, des Konsumgütermultis Procter & Gamble sowie der Bank of America.
Breit abgestützt investieren birgt weniger Risiken
«Themen-Investment» nennt Manuel Ammann, Professor an der Universität St. Gallen, den aktuellen Boom «grüner» Anlagen. «Auf Modeerscheinungen zu setzen, ist riskanter, als breit abgestützt zu investieren», sagt Amman. Deshalb eignen sich Klimafonds nur als Ergänzung des eigenen Portfolios. VZ-Anlagechef Biland rät: «Nicht mehr als 10 Prozent der Aktien, die jemand besitzt, sollten ökologisch ausgerichtet sein.» Wer stärker engagiert ist, macht nichts verkehrt, wenn er einen Teil der Titel veräussert und sich die Gewinne sichert.
16. Mai 2007 | Franco Tonozzi
