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Schweizer Konsumenten zahlen pro Jahr 9,3 Millionen Franken zu viel fürs Batterie-Recycling.
Das Recycling von alten Batterien kostet Schweizer Konsumenten siebenmal mehr als Konsumenten im nahen EU-Ausland. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Uni St. Gallen. Die Autoren machen auch den Schuldigen aus: das Bundesamt für Umwelt (Bafu). «Die Behörden schützen ein Monopol», sagt Christian Thöni, einer der Autoren der Studie.
Heute zahlt jeder Käufer von Batterien im Laden «vorgezogene Entsorgungsgebühren» von Fr. 3.20 pro Kilogramm. Die Höhe der Abgabe bestimmt allein das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Die Einnahmen verwaltet die Interessenorganisation Batterie-Entsorgung Inobat. Das Recycling besorgt eine einzige Firma, die Batrec AG in Wimmis BE. Im Jahr 2005 bekam diese pro Tonne 4800 Franken. Heute sind es 4400 Franken.
Viel zu viel, sagen die Studienautoren Christian Thöni und Franz Jäger. EU-Konkurrenten entsorgten die Tonne für 660 Franken. «Ein marktüblicher Preis», sagt Günter Lührsen vom deutschen Gemeinsamen Rücknahmesystem Batterien GRS. Daraus folgern die Autoren: Hätte Batrec die 2005 gesammelten 2300 Tonnen unsortierter Batterien zu Marktpreisen rezykliert, hätte sie nur 1,5 Millionen statt 10,8 Millionen Franken verrechnen können. «Der Konsument hätte 9,3 Millionen Franken gespart», sagt Thöni. Nachteile für die Umwelt befürchten die Autoren keine: Die Umweltstandards des Batterie-Recyclings in der Schweiz und der EU halten sie für vergleichbar.
Dass der Markt nicht spielt, lasten sie dem Bafu an. Statt die Recycling-Aufträge auszuschreiben, legten Bafu-Beamte mit Batrec-Managern Preise für die Entsorgung fest. Zudem beschütze das Bafu die Batrec AG vor Konkurrenz, indem sie Altbatterie-Exporte ablehne. Damit erweise die Behörde dem Monopolisten einen Bärendienst.
Konkurrenzfirmen: Hoher Standard, günstigere Preise
«Die Batrec AG wäre im offenen Markt vermutlich nicht konkurrenzfähig», sagt Thöni. Sie konnte bislang keine grossen Aufträge aus dem Ausland gewinnen. Der Ökonom vermutet, dass «sich Bafu-Beamte offenbar der Batrec AG verpflichtet fühlen». Das Bafu begründete die Recycling-Firma Ende der Achtzigerjahre mit. Heute gehört sie jedoch zum französischen Konzern Veolia. Die Gewinne fliessen nach Frankreich.
Hans-Peter Fahrni, Leiter der Abfallabteilung des Bafu, rechtfertigt die hohen Preise der Batrec AG mit ihrer besonderen Leistung für den Umweltschutz: «Ich kenne keine gleichwertige Verwertungsanlage im Ausland.» Die Batrec AG gewinne zum hohen Mass alle Stoffe aus den Batterien zurück, darunter auch heikles Quecksilber. Zudem erfülle sie die strengen Schweizer Umweltvorschriften, etwa die, Abfälle im Inland zu entsorgen. Auch Batrec-Chef Andreas Krebs sagt: «Was wir können, kann kein anderer.» Als Beleg dient ihm ein Auftrag der schwedischen Behörden. So liefert Schweden 2000 Tonnen Batteriegemisch in die Schweiz, damit Batrec das Quecksilber herausfiltert.
Dennoch ist die Batrec AG zunehmend umstritten. «Sie war einer der ersten führenden Recycler in Europa. Heute existieren mehrere Firmen, die hochwertige Verwertungsverfahren für Batterien anbieten», sagt GRS-Vorstand Lührsen. «Natürlich kann man alle Stoffe verwerten, nur treibt das die Kosten in fantastische Höhen», sagt der Karlsruher Ökonomieprofessor Otto Rentz, der Ökobilanzen für gängige Batterieverwertungsverfahren erstellt hat. Sein Fazit: Effizienter ist es, heikle Stoffe von Spezialfirmen verwerten zu lassen.
Gemäss Insidern drängen Migros und Coop auch in der Inobat auf ein Ende des Batterie-Sonderwegs: «Um die Kosten für den Kunden zu senken, sollten Exporte von Altbatterien ins nahe EU-Ausland möglich sein», sagt Coop-Sprecherin Susanne Erdös. Allerdings müssten dabei hohe Umweltstandards gewährleistet sein. Ähnlich argumentiert ein Migros-Sprecher.
02. Mai 2007 | Eric Breitinger
