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Artikel | K-Tipp 7/2007

Motorradfahrer heulen auf

In Fachkreisen ist man überzeugt: Bei der Flotte der 2-Takt-Töffs könnte der Schadstoffausstoss um 30 bis 50 Prozent reduziert werden - allein durch Abgastests.

Was für Autos schon seit 1986 Vorschrift ist, soll bald auch für Motorräder und Motorfahrräder gelten: regelmässige Abgaskontrollen. Damit wird überprüft, ob die Schadstoffgrenzwerte, denen Motorfahrzeuge für die Zulassung zum Verkauf zu genügen haben, auch später noch eingehalten werden. Der Ständerat hat diesem Vorhaben bereits zugestimmt, ebenso die vorberatende Kommission des Nationalrats. Dessen Entscheid dürfte im Sommer fallen.

Doch die in der IG Motorrad organisierte Töfffahrer-Lobby möchte den Lenker noch herumreissen. Mit einer Petition und viel Propagada macht sie inbrünstig gegen Abgastests mobil.

Ihre Hauptargumente: Töffmotoren seien «grundsätzlich so ausgelegt», dass sie die ursprünglichen Abgaswerte über die ganze Lebensdauer beibehielten. Zumindest für die ersten 30 000 Kilometer müssten das die Hersteller aufgrund neuer EU-Regeln wohl bald schon garantieren. Und Motorentuning - also das «Frisieren» der Töffs - komme kaum mehr vor.

Für die IG steht deshalb fest: Abgastests sind «Alibiübungen, die keinen Beitrag zum Umweltschutz leisten können». Das zeige sich im übrigen auch bei den Auto-Abgaskontrollen, in denen kaum je ein Fahrzeug hängen bleibe.

Logisch, kontert man beim Bundesamt für Strassen (Astra). Es sei gar nicht möglich, nicht zu bestehen. Denn bei der obligatorischen Abgaskontrolle würden ja die abgasrelevanten Teile zuerst geprüft, eingestellt und wenn nötig repariert oder ersetzt. Erst dann messe man die Abgaswerte.


Mit Abgastests die Emissionen senken

Das Astra unterstreicht denn auch: «Ziel der obligatorischen Abgaswartung ist es, die Fahrzeuge im Verkehr emissionsmässig auf dem Stand zu halten, dem sie als Neufahrzeuge entsprochen haben.» Oder anders gesagt: Man will verhindern, dass Motorfahrzeuge mit zunehmendem Alter immer mehr zu Dreckschleudern werden.

Und das macht auch bei Motorrädern Sinn. Laut Professor Jan Czerwinski von der Abgasprüfstelle der Hochschule für Technik und Informatik in Biel ist insbesondere bei kleineren 2-Takt-Motorrädern der Schadstoffausstoss über die Lebensdauer unkonstant. Diese Töffs würden auch häufig manipuliert. Czerwinski ist deshalb sicher, dass man hier «durch richtiges Controlling die Emissionen um 30 bis 50 Prozent senken könnte».

Und bei den grossen Maschinen? Hier macht die seit 2006 geltende Euro-3-Norm für alle Modelle geregelte Katalysatorsysteme erforderlich, wie die Empa Dübendorf festhält. Für die älteren Töffs waren die Abgasvorschriften noch derart locker, dass sie laut Empa selbst mit Technologien erfüllt werden konnten, die bei Autos seit fast 20 Jahren nicht mehr zugelassen sind.

Doch auch Motoren mit geregelten Katalysatoren weisen nur dann niedrige Emissionen auf, wenn die richtigen Bauteile verwendet werden und keine Defekte vorliegen. «Deshalb sind regelmässige Abgaskontrollen für Euro-3-Motorräder angebracht und sinnvoll», macht die Empa klar. Zumal es, wie Jan Czerwinski sagt, «auch Tuning von grösseren Motorrädern gibt».


«Gleichstellung mit Personenwagen»

Die Verkehrsclubs VCS und TCS finden das Vorhaben, Töffs künftig zur Abgaskontrolle aufzubieten, ebenfalls vernünftig. Und selbst die Vereinigung der Schweizer Motorrad- und Roller-Importeure Motosuisse erklärt, dass solche Tests (ausser für die kaum noch gefragten Mofas) «im Sinne einer Gleichstellung mit den Personenwagen und als positiver Beitrag zur Schonung der Umwelt» zu begrüssen seien.

Doch die IG Motorrad beindruckt das nicht, im Gegenteil. Säbelrasselnd kündigt sie im Hinblick auf den Nationalratsentscheid an: «Sollte das Parlament über unsere Anliegen einfach hinweggehen, werden wir weitere Schritte einleiten.»

11. April 2007 | Gery Schwager


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