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Artikel | K-Geld 2/2007

Vermögende Kunden: Die Goldesel der Banken

Banken verlangen hohe Gebühren für die Vermögensverwaltung. Und die Kunden können kaum überprüfen, ob ihr Vermögensverwalter gut arbeitet.

Vermögende Kunden: Die Goldesel der Banken

Ein Vermögensverwaltungskunde ist aus Sicht der Banken ein guter Kunde. Er ist reich, diskret und hat meist weder Zeit noch Lust noch das nötige Wissen, sich mit seinem Vermögen zu befassen.

Der Vermögensverwaltungskunde gibt seiner Bank eine Vollmacht, sein Vermögen innerhalb bestimmter Grenzen in unterschiedliche Anlagen zu investieren und so im Idealfall kräftig zu vermehren.

Die Bank kann fast nach Belieben Finanzprodukte kaufen und verkaufen. Das ermöglicht ihr, im grossen Stil Gebühren zu kassieren - bei geringem Aufwand.

Die UBS beispielsweise bietet Schweizer Kunden verschiedene Vermögensverwaltungsprogramme an, etwa das Mandat UBS Absolute Return. Es ist gemäss UBS-Werbung «für private Anleger bestimmt, die unabhängig von den Marktbedingungen stabile Erträge erzielen wollen».



K-Geld liegt ein Anlagevorschlag für ein Mandat UBS Absolute Return über einen Anlagebetrag von 700 000 Franken vor. Die Gebühren für die Vermögensverwaltung betragen gemäss Preisliste vom Sommer 2005 jährlich 1,6 Prozent.

Viele Kunden halten diese 1,6 Prozent für eine scheinbar individuelle Vermögensverwaltung gerechtfertigt. Tatsache ist aber,

- dass darin längst nicht alle Gebühren enthalten sind,

- dass vor allem kleinere Vermögensverwaltungskunden keineswegs von einer individuellen Betreuung ihres Portfolios pro?tieren. Ihre Portfolios gleichen sich wie ein Ei dem anderen.

«Die Vermögensverwaltung bei der UBS ist viel zu standardisiert», sagt ein enttäuschter Kunde gegenüber K-Geld. «Die Kunden sollten viel mehr Richtlinien für den Anlagestil vorgeben können. Vermögensverwalter wie die UBS möchten ihre Kunden bevormunden.»


Gebühren werde- erst nach dem Kauf ausgewiesen

Und tatsächlich, ein Blick in den Anlagevorschlag für das Mandat UBS Absolute Return zeigt: Das Depot ist voll mit UBS-Produkten. Das Anlagevermögen von 700 000 Franken ist in rund zwei Dutzend UBS-Fonds und strukturierte Produkte der UBS aufgeteilt. Anlageprodukte von Dritten finden sich fast keine.

«Die UBS ist kein Supermarkt für Fonds», sagt dazu Mediensprecherin Sabine Wössner. «Wir prüfen Angebote von Dritten sorgfältig und wählen nur jene aus, die den hohen Qualitätsansprüchen des UBS Investment Research gerecht werden.»

Viele Produkte in den Depots von Vermögensverwaltungskunden sind nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Sie stehen ausschliesslich Vermögensverwaltungskunden zur Verfügung. Die Bank darf den Kunden vor der effektiven Investition deshalb keine Unterlagen wie etwa ein Factsheet des betreffenden Fonds abgeben. Das kommt der Bank entgegen, denn auf den Factsheets sind die Gebühren ersichtlich.

K-Geld liegen mehrere solche Factsheets von Fonds für Vermögensverwaltungskunden der Credit Suisse vor. Interessant ist beispielsweise der Dachfonds Pluris Alternative Investment Strategies. Ein Dachfonds ist ein Fonds, der seinerseits aus mehreren Fonds besteht.

Die Credit Suisse hat ihn einzig zum Zweck aufgelegt, eine Anlagerichtlinie der Bankiervereinigung zu erfüllen. Die Richtlinie besagt, dass alternative Anlagen aus mehr als nur einem Produkt bestehen müssen, also beispielsweise aus mehreren Fonds, die unter einem Dach vereint sind.

Ein K-Geld vorliegendes Factsheet des genannten Dachfonds Pluris Alternative Investment Strategies vom August 2004 zeigt, dass er aus zwei damals ebenfalls von der Credit Suisse geführten Hedge-Fonds bestand.

Ein Kunde, dem die CS diesen Dachfonds ins Depot legte, zahlte der CS also gleich dreimal Gebühren.

- Der Kunde zahlte für den Dachfonds jährliche Gebühren von 1,5 Prozent plus eine Ausgabekommission von 0,65 Prozent.

- Der Kunde zahlte für die beiden Hedge-Fonds, aus denen der Dachfonds bestand, jährliche Gebühren in ähnlicher Grössenordnung. Die CS gibt die Höhe der Gebühren dieser beiden Fonds gegenüber K-Geld nicht bekannt.

- Und der Kunde zahlt für ein Vermögensverwaltungsmandat je nach Mandat und Anlagevolumen rund 1,5 Prozent pro Jahr.


Ist der Verwalter des Vermögens sein Geld wert?

Insgesamt zahlt ein Vermögensverwaltungskunde einer Grossbank leicht Gebühren von 3 Prozent oder mehr pro Jahr. Bei einem Vermögen von einer Million sind das 30 000 Franken - unabhängig von der Performance.

Besonders ärgerlich ist für die Kunden, dass sie fast nicht beurteilen können, wie gut ihr Vermögensverwalter arbeitet. Sie erhalten zwar regelmässige Anlageberichte mit vielen Zahlen, Diagrammen und Kurven. Diese Depotauszüge enthalten in der Regel aber keine Hinweise auf die relative Performance: Ist die Performance des Depots durchschnittlich, über- oder unterdurchschnittlich? Mit anderen Worten: Ist der Vermögensverwalter seine Kosten wert? Die Antwort bleibt offen.


Gips und Grips ergeben Überblick

Die Global Investment Performance Standards (Gips) sind ein weltweit einheitlicher Standard zur Messung der Performance von Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Die Gips erhöhen für den Anleger die Vergleichbarkeit der Performance-Angaben der Banken, da die Performance im Wesentlichen nach der gleichen Methode berechnet und offengelegt werden muss. Auch Gips erlauben aber Varianten, die Auszüge sind deshalb nur bedingt vergleichbar.

Die UBS hat Gips für potenzielle Kunden von Vermögensverwaltungsmandaten im Jahr 2000 eingeführt. Sie stellt sie aber nur auf Anfrage zur Verfügung. Die Credit Suisse erfüllt den internationalen Standard noch nicht.

04. April 2007 | Philipp Lütscher


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