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Artikel | K-Geld 2/2007

Schöne Performance für weniger Geld

Indexaktien sind so einfach zu handeln wie Aktien und so breit diversifiziert wie Fonds. Aber viel günstiger.

Für Professor Manuel Ammann von der Universität St. Gallen ist die Sache klar: «Indexaktien sind für Privatanleger ideal.» Nicht nur, weil sie tiefe Gebühren haben. Sie bewahren auch vor Fehlentscheiden.

«Privatanleger wissen in der Regel nicht, wie sie den besten aktiv gemanagten Fonds innerhalb eines bestimmten Anlagethemas finden», sagt der unabhängige Finanzmarkt-Experte. Wer auf Indexaktien setzt, umgeht das Risiko, unter Dutzenden ähnlicher Fonds den falschen zu wählen.
Bankberater nehmen ihren Kunden diese Qual der Wahl in der Regel zwar ab. Sie raten zu hauseigenen Fonds - und verschweigen dabei, dass der Kunde oft einen nur durchschnittlich erfolgreichen, aber teuren Fonds seiner Bank erhält, einen Spesenfresser. Er garantiert der Bank mehr Einnahmen und bringt Anlegern eine mittelmässige Rendite.

Nicht so Indexaktien, im Fachjargon Exchange Traded Funds oder kurz ETF genannt. Sie entwickeln sich so gut und so schlecht wie der Index, den sie im Namen tragen.
Das erreichen sie, indem sie auf alle Extras verzichten: auf die teure Meinung von Profis und all deren Tricks und Kniffs, den Vergleichsindex schlagen zu wollen. ETFs kopieren, was der Index vorgibt: Sie legen passiv an. Und es gibt sie heute für alle Märkte und wichtigen Themen.

Das war vor ein paar Jahren noch anders. 1999 gab es weltweit nur 33 ETFs, mittlerweile sind es bereits über 800. An der Schweizer Börse werden 72 ETFs gehandelt. Bis Ende Jahr, schätzt Clemens Reuter von der Schweizer Börse, sollen es über 100 sein.

ETFs decken unterdessen auch ausgefallene Anlagethemen ab. So gibt es ETFs für Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien, Korea und Taiwan, für unterschiedliche Staatsobligationen, für Immobilien, für Wachstums- und Value-Aktien, für Börsenschwergewichte und für Nebenwerte.

Die Zürcher Kantonalbank hat sogar einen Gold-ETF aufgelegt. Er entspricht dem Wert von einem Kilo Gold. Axa und BNP Paribas schliesslich bieten einen Islam-ETF an, der nur in Unternehmen investiert, die den religiösen Grundsätzen des Islam entsprechen.


Neue Anbieter verraten das Konzept

Wem das noch nicht reicht, der greift im Ausland zu: etwa an der deutschen Börse in Frankfurt, wo das Angebot dreimal so gross ist wie in Zürich, oder in New York, wo Hunderte unterschiedlicher ETFs zur Auswahl stehen.

Mehr Produkte und mehr Vielfalt sind gut, weil Konkurrenz den Druck auf die Gebühren erhöht. Doch der Wildwuchs schafft auch Probleme. Neue Anbieter wie Wisdom Tree, Clamore oder Powershares bringen ETFs auf den Markt, die sich vom Ursprungskonzept immer weiter entfernen.

Sie bilden nicht einfach einen Index nach, sondern orientieren sich an Kriterien wie Unternehmensgewinn, Dividenden oder Cashflow. Es gibt auch Turbo-ETFs. Sie überzeichnen die Entwicklung des zugehörigen Index: Geht er 2 Prozent nach oben, steigt ihr Wert um 4 Prozent - und umgekehrt.

Das geht Fachleuten zu weit. «Hier wird die Grenze zum aktiven Management überschritten», sagt Finanzmarktexperte Ammann. Und John Bogle, einer der Pioniere des Index-Gedankens und Gründer des Indexfonds-Hauses Vanguard, bemängelt: «Solche ETFs sind keine Langfristanlagen, sondern Spekulationsobjekte. Sie eignen sich zum schnellen Kaufen und Verkaufen.» Vor allem aber sind sie deutlich teurer als herkömmliche Indexaktien.

Damit wiederholt sich bei ETFs, was man bei aktiv gemanagten Fonds und strukturierten Produkten schon lange beobachten kann: der Trend zu Produkten mit höheren Gebühren.

Diese Anlagen würden die zentrale Idee der ETFs verraten, sagt Ammann: «Passive Anlagen leiten ihre Berechtigung alleine aus der Tatsache ab, dass sie günstig sind. Kosten sind das A und O des passiven Anlegens.» (Siehe Kasten: «So ?ndet man den besten ETF».)


Indexaktien: Im Schnitt 0,42 Prozent Gebühren

Das Erfolgsgeheimnis der ETFs liegt denn auch in ihren tiefen Gebühren. Aktienfonds verlangen im Durchschnitt 1,91 Prozent Gebühren pro Jahr, ETFs nur 0,42 Prozent, hat die britische Fondsresearch-Firma Fitzrovia errechnet.
Wie bei Fonds gibt es aber auch bei ETFs grosse Unterschiede: Die günstigsten in der Schweiz gehandelten ETFs kosten 0,08 Prozent Kommission (die beiden XMTCH on Swiss Bond Index Domestic Government), der teuerste 0,85 Prozent (Lyxor ETF MSCI India).

Der Anleger spart mit ETFs im Schnitt also rund 1,5 Prozent Gebühren pro Jahr. Alles halb so wild? Mitnichten, der kleine Unterschied hat wegen der Wucht des Zinseszins-Effekts grosse Folgen.

Wer 50 000 Franken während zehn Jahren und bei einer Jahresrendite von 8 statt nur 6,5 Prozent anlegt, erzielt 14 089 Franken mehr Rendite. Bei 12 statt 10,5 Prozent wächst der Unterschied auf 20 412 Franken. Das zeigt: Das Argument, bei hohen Renditen seien Gebühren Nebensache, ist ein teurer Trugschluss.

Hinzu kommt ein weiterer Preisvorteil. Weil ETFs wie Aktien gehandelt werden können, zahlt man beim Kauf und Verkauf nur die bei Wertschriften übliche Courtage. Das ist deutlich weniger als der Ausgabeaufschlag von mindestens 2 Prozent, den Banken üblicherweise verlangen. Nur bei Onlinebrokern sind die Handelsgebühren für Fonds ähnlich tief wie für ETFs.

Hohe Gebühren drücken die Rendite. Das ist keine graue Finanzmarkt-Theorie, sondern Realität. Die US-Bank Morgan Stanley hat in einer Studie herausgefunden, dass nur 15 Prozent der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex schlagen.

Verantwortlich dafür ist einerseits die verfehlte Anlagepolitik des Fondsmanagements, andererseits sind es die Gebühren.


Berater verkaufen ETFs meist nur auf Verlangen

Entgegen der oft gehörten Behauptung schlagen aktiv gemanagte Fonds die Indexanlagen auch in exotischen Märkten nicht. «Es stimmt nicht, dass in Schwellenländern aktiv verwaltete Fonds besser abschneiden als passive Anlagen», sagt Manuel Ammann. Das sei ein Mythos. Die Banken würden ihn zwar ständig wiederholen, das mache ihn aber nicht wahrer.

Eine bittere Bilanz. Die grosse Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds rechtfertigt ihre höheren Gebühren nicht. «Auf längere Sicht sind passive Anlagen meist besser als aktive», fasst Experte Ammann zusammen.

Bisher profitieren vor allem Profis von den Vorteilen der ETFs. In Deutschland stammen nur 5 bis 10 Prozent der Anlagen in ETFs von Privatanlegern. In der Schweiz dürfte ihr Anteil noch kleiner sein.

Es scheint fast, als hätten die Bankberater das Erfolgsrezept der ETFs für sich entdeckt: Auch sie bleiben passiv - und verkaufen diese Anlagen nur, wenn der Kunde sie verlangt.



So findet man den besten ETF

Das Erfolgsrezept von ETFs sind ihre tiefen Gebühren. Diesen Vorteil sollte man nicht leichtfertig verspielen. Deshalb
- kauft (und verkauft) man ETFs möglichst bei einem Onlinehändler, der keine Depotgebühr und maximal halb so hohe Kaufgebühren verlangt wie traditionelle Banken.
- nimmt man jenen ETF, der die tiefsten Managementgebühren verlangt (auf www.swx.ch unter «Exchange Traded Funds» finden sich Informationen zu allen in der Schweiz gehandelten ETFs).
- wählt man jenen ETF, der höhere Umsätze hat, weil bei ihm die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs in der Regel kleiner ist. Im Gegensatz zu Fonds, deren Kurs nur einmal am Tag aufgrund des Nettoinventarwerts berechnet wird, richtet sich der Preis eines ETF zwar nach dem zugehörigen Index, ändert aber je nach Angebot und Nachfrage.
- behandelt man ETFs als Langfristanlage. Denn Handeln kostet und drückt auf die Rendite.

Über ETFs informieren kann man sich am einfachsten online auf den Seiten der Börsenplätze, an denen sie gehandelt werden, also unter www.swx.ch (für die Schweiz), www.deutsche-boerse.com (für Deutschland) oder www.nyse.com (für Wallstreet, unter «Products»). Informativ sind auch die Seiten der grossen Anbieter: www.ishares.net, www.lyxoretf.ch, www.xmtch.ch, etf.ubs.com.

04. April 2007 | Martin Vetterli


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