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Artikel | K-Tipp 20/2006

Verträge gefälscht

Ein Tele2-Verkäufer fälschte Unterschriften, ein anderer erschlich sich einen Vertrag mit einer Lüge.

Am 25. September erhielt Sonja Greier aus Basel vier eingeschriebene Briefe. Sie enthielten je eine SIM-Karte für insgesamt vier verschiedene Handynummern. Und natürlich eine Rechnung. Absender war die Telekommunikations?rma Tele2.

Doch Greier hatte nichts bestellt und reklamierte telefonisch. Ihr Fazit nach unzähligen Gesprächen mit diversen Angestellten von Tele2: «Arrogantes Personal und katastrophaler Service.»

Ein eingeschriebener Brief an Tele2 wurde nicht beantwortet. Darin betonte Greier, die Verträge seien gefälscht.

Erst als sich der K-Tipp einschaltete, reagierte Tele2 unverzüglich: «Leider stimmt es, dass ein Agent die Verträge gefälscht hat; wir bedauern dies aufs Äusserste», heisst es in der Stellungnahme der Firma. Und: «Leider sind auch Tele2-intern Fehler passiert, für die wir uns entschuldigen.»

Als Entschuldigung für den Ärger erhält Greier von Tele2 eine Entschädigung - lumpige 20 Franken.

Inzwischen hat sich eine Bekannte der Familie Greier beim K-Tipp gemeldet. Bei Käthi Fischer tauchten zwei andere Tele2-Verkäufer auf. Weil Fischer nichts bestellen wollte, forderten die Agenten von ihr dennoch eine Unterschrift. Dabei behaupteten sie wahrheitswidrig: «Bitte unterschreiben Sie wenigstens, dass wir hier waren, sonst erhalten wir kein Geld von unserem Arbeitgeber.» Doch damit unterschrieb Fischer ungewollt einen Telefonvertrag.


«Lügen, überrumpeln, Druck machen»

Auch in diesem Fall muss Tele2 zugeben: «Wir kennen den Fall. Der Agent wurde bereits im Oktober 2006 wegen Verdachts auf Urkundenfälschung entlassen, und es wurde Anzeige eingereicht.»

Tele2 arbeitet bei der Kundengewinnung mit Partner?rmen zusammen. Deren Namen will das Telekommunikationsunternehmen nicht nennen.

Ein Blick ins Archiv zeigt: Die Telefongesellschaften haben allen Grund, konsequent durchzugreifen. Denn Fälschung ist keine Seltenheit, und aggressives Verhalten der Agenten mit unwahren Angaben ist ebenfalls gang und gäbe - vor allem, weil sie mehrheitlich mit Verkaufsprovisionen entlöhnt werden:
- Im Oktober 2001 berichtete der Kassensturz über einen Verkäufer von Portable Shop, der gleich 69 Sunrise-Verträge gefälscht hatte.
- Auch die Magazine «Saldo» und «Beobachter» haben 2005 bzw. 2006 über ähnliche Vorfälle berichtet. Betroffen waren Tele2- und Econophone-Verträge.
- Der K-Tipp hat schon öfter über dreiste und aufdringliche Verkäufer berichtet. Ein ehemaliger Sunrise-Verkäufer beschrieb 2005 die Vorgehensweise mit «Lügen, überrumpeln und Druck machen».

Der Tipp ist klar: Lassen Sie sich von aufdringlichen Verkäufern, die überraschend an der Haustüre auftauchen, nichts aufschwatzen. Falls Sie trotzdem unterschrieben haben, können Sie solche Verträge innert sieben Tagen mit eingeschriebenem Brief widerrufen.

29. November 2006 | Ernst Meierhofer - ernst.meierhofer@ktipp.ch


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