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Artikel | Gesundheits-Tipp 11/2006

«Ich dachte, ich könne einfach nur eine Zigarette rauchen»

Rauchstopp mit dem Gesundheitstipp: Barbara Oesch ist die sechste, die rückfällig geworden ist.

Während ihrer Sommerferien griff Barbara Oesch wieder zur Zigarette. «Ich dachte, ich könne einfach nur eine Zigarette rauchen. Aber dann wurden es immer mehr», erinnert sie sich. Zwar legte sie die Glimmstängel nach den Sommerferien wieder weg. «Aber in den Herbstferien ?ng ich erneut an, und seither rauche ich wieder täglich», sagt die 36-jährige Bernerin. Schade, denn sie war schon fast über den Berg: «Eigentlich ?el mir der Verzicht auf Zigaretten in der letzten Zeit leichter als zu Beginn des Jahres», erinnert sie sich. «Aber in den Ferien war die Versuchung einfach zu gross. Genussvolle Momente kann ich mir schwer ohne Zigi vorstellen.»

Barbara Oesch ist eine von zehn Gesundheitstipp-Lesern und -Leserinnen, die seit Anfang Jahr verschiedene Rauchstoppmethoden testen. Die Bernerin wählte Akupunktur, kombiniert mit Gesprächstherapie in einer Kleingruppe. Trotz ihres Rückfalls ist Oesch überzeugt von der Methode: «Das Aufhören ?el mir diesmal leichter als bei früheren Versuchen.»


«Die Rezeptoren wurden wach und schrien nach Nikotin»

Umso enttäuschter ist sie, dass es wieder nicht geklappt hat. Im kommenden Winter will sie den nächsten Versuch starten. «Zu Hause rauche ich auf dem Balkon», erklärt Barbara Oesch. «Im Winter hilft mir die unangenehme Kälte vielleicht, wieder aufzuhören.»

Die Berner Tabakpräventions-Expertin Christine Gafner begleitet die Aktion Rauchstopp des Gesundheitstipp seit Januar. Sie macht Barbara Oesch Mut: Sie habe gute Chancen, trotz des erlittenen Rückfalls bald dauerhaft rauchfrei zu leben. «In der letzten Zeit ?el ihr der Tabakverzicht leichter. Das zeigt, dass sie nahe am Ziel ist», sagt Gafner. «Und sie sucht nach Mitteln, die ihren Willen zum Aufhören stärken. Auch das ist ein gutes Zeichen.»

Die eine Zigarette, die Barbara Oesch in den Sommerferien rauchte, habe in ihrem Hirn wieder Rezeptoren aktiviert, die auf Nikotin ansprechen, erklärt Christine Gafner: «Die Rezeptoren wurden sofort hellwach und schrien nach mehr Nikotin.» Bei der grossen Mehrheit der Raucher führe dies dazu, dass sie wieder nikotinabhängig werden, auch wenn sie nur wenige Zigaretten rauchen.
Dieser Effekt kann das ganze Leben lang anhalten. «Deshalb gehören zu einer professionellen Entwöhnungsberatung unbedingt Infos, wie man kritische Situationen meistern kann», so Gafner. Ob die Akupunktur tatsächlich beim Tabakentzug hilft, ist für sie nicht klar: «Es ist wissenschaftlich nicht belegt.»


Vier von zehn leben nach wie vor ohne Zigaretten

Zurzeit sind noch vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion Rauchstopp nikotinfrei: Isabel Berger, Nadir Ferrari, Beatrix Isler und Christian Santschi. Ihnen bereitet der Tabakverzicht keine Probleme. Isler, die den Ausstieg mit Hilfe von Hypnose-Sitzungen geschafft hat, sagt: «Ich habe überhaupt keine Lust mehr zu rauchen. Es stört mich immer mehr, wenn andere Leute in meiner Gegenwart rauchen.»

Christine Gafner rät den erfolgreichen Rauchstöpplern: «Sie können Momente der Rückfallgefahr überbrücken, wenn sie immer wieder daran denken, wie sehr sie ihre zurückgewonnene Unabhängigkeit und Fitness geniessen.»



RAUCHSTOPP

Seit letztem Januar testen zehn Raucherinnen und Raucher unterschiedliche Hilfsmittel, um mit dem Rauchen aufzuhören. Der Gesundheitstipp berichtet regelmässig über Erfolg und Misserfolg. Vier Teilnehmende der Aktion Rauchstopp konnten den Entzug bis heute durchhalten, sechs wurden rückfällig.

08. November 2006 | Andreas Gossweiler


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