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Artikel | Haus & Garten 4/2006

Wildsträucher für grosse und kleine Gärten

Eine Hecke aus einheimischen Büschen nützt Mensch und Tier und passt in fast jeden Garten. Auch im Winterhalbjahr lassen sich Sträucher gut pflanzen.

Hecken mit Wildsträuchern sind optisch attraktiv - auch im eigenen Garten. Sie können zudem nützliche Funktionen übernehmen, zum Beispiel den Garten gliedern, Schatten spenden, Staub und Lärm von der Strasse filtern. Sie bieten aber auch Geborgenheit und schützen als Grenzgehölz vor neugierigen Blicken des Nachbarn. Sogar in kleinen Gärten finden Wildbüsche Platz, wenn man sich auf die feinwüchsigeren Arten beschränkt oder eine Formhecke anlegt.

- Tierfreundliche Hecken
Für die Tierwelt ist eine Hecke aus einheimischen Büschen ein grosser Gewinn. Die Raupen zahlreicher Schmetterlinge verschmähen das Blattwerk von exotischen Büschen wie der Forsythie und ernähren sich ausschliesslich von heimischem Grün. Oft sind sie auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert. Dasselbe gilt für Wildbienen, Käfer, Schwebefliegen usw. Eine Hecke ist für die Tierwelt umso wertvoller, je breiter das Spektrum an Buscharten ist.

Wo viele Insekten gedeihen, finden auch Vögel genügend Futter für ihre Jungen. Dichtes Gehölz, vor allem Dornbüsche, bietet besonders guten Schutz. Deshalb bauen Vögel dort gerne ihre Nester. Die diversen Beeren sind willkommenes Futter für Zugvögel, während Hagebutten im Winter Amseln und andere Vögel nähren. Nachts nutzen Igel das deckungsreiche Gehölz auf ihrer Nahrungssuche oder zum Ruhen.

- «Leichte Büsche»
In Containern gezogene Gehölzpflanzen lassen sich fast jederzeit setzen. Sie eignen sich aber nur für Einzelpflanzungen oder lockere Platzierung. Wer eine dichte Hecke will, wählt besser kleinere Sträucher.

Pro Quadratmeter benötigt man drei bis vier Pflanzen. Baumschulen bieten diese jüngere Ware unter der Bezeichnung «leichte Büsche» während des Winterhalbjahres (Oktober bis April) an. Da sie direkt aus der Erde kommen, sind sie wurzelnackt, das heisst: ohne Erdballen, und müssen sofort gesetzt werden.

- Herbst oder Frühling?
Welche Jahreszeit sich besser fürs Einpflanzen eignet, darüber sind sich Fachleute uneins.

Für den Herbst spricht, dass die Erde sich bis zum Wachstumsbeginn gut um die Wurzeln geschlossen hat und sich Giessen meist erübrigt. Andererseits drohen Frostschäden. Im Frühling gesetzte Pflanzen können sofort anwurzeln, gedeihen jedoch nur bei genügender Wasserzufuhr problemlos. Auf jeden Fall ist der Herbst die richtige Zeit, um Art und Zusammensetzung des neuen Gehölzstreifens zu planen.

- Sonnen- und Schattenpflanzen
Die meisten Heckensträucher gedeihen im Halbschatten gut, sind also dem wechselnden Schattenwurf durch Nachbarbüsche angepasst. Wo aber eine Hecke kaum besonnt wird, sind Schattenspezialisten wie Eibe, Seidelbast und Alpen-Heckenkirsche gefragt. Immer auf der Sonnenseite stehen sollten Schwarzdorn, Sanddorn, Liguster und diverse Wildrosenarten.

An sonnigen Hängen mit trockenem Boden sind die erwähnten Dornenbüsche sowie Felsenmispel und Kornelkirsche die richtige Wahl. Eher feuchten Boden bevorzugen Traubenkirsche, Schwarzer Holunder und diverse Weidenarten.

- Mehrere gleiche Büsche Auch wenn eine grosse Artenvielfalt erstrebenswert ist, sollte man von den kleineren Straucharten jeweils mehrere Exemplare nebeneinander pflanzen. Leider ist es nicht ganz einfach, Wildsträucher zu beschaffen. Nur bei einzelnen Baumschulen ist ein breites Sortiment leichter Büsche erhältlich, bei denen es sich garantiert um einheimische Arten handelt. Sie können sich auch beim Förster nach einer Forstbaumschule in der Nähe erkundigen.

- Richtiges Pflanzen
Achten Sie darauf, dass die Wurzeln beim Pflanzen nie austrocknen. Trübes Wetter ist von Vorteil. Die Büsche warten entweder in einem Eimer mit Wasser aufs Pflanzen oder erhalten - am Boden liegend - als Schutz ein nasses Vlies.

Wenn das Pflanzloch fertig ist, kürzt eine Person die Wurzeln um etwa ein Drittel, entfernt verletzte Teile und hält den Strauch ins Pflanzloch, während eine andere Person die Erde einfüllt. Mit dem Schuhabsatz wird die Erde um den Setzling etwas angedrückt, dann gegossen. Bei Trockenheit braucht es auch in der Folgezeit ab und zu einen Wasserguss. Damit der Strauch sich gut verzweigt, erhält er beim Pflanzen einen kräftigen Rückschnitt. Auch in den zwei, drei Folgejahren wird aus diesem Grund etwa die Hälfte des Zuwachses abgeschnitten. Gras und Kräuter im Bereich der Pflanzscheibe entfernen. Um keine Ruten zu verletzen, ist es besser, die Konkurrenz auszurupfen statt sie wegzuschneiden oder zu mähen.



Baumartige büsche: Schön bei viel Platz

In einem grossen Garten mit durchschnittlichen Bodenverhältnissen lässt sich im Prinzip die ganze Palette von Wildsträuchern setzen. Sogar gross bis baumartig wachsende Büsche wie diverse Weiden, Traubenkirsche, Vogelbeere, Wildapfel und -birne kommen in Frage.

Soll die Hecke an der Grenze wachsen, muss man sich allerdings mit dem Nachbarn absprechen oder genügend Abstand vom Nachbargrundstück wahren. Vier bis fünf Meter Breite sollten für eine solche Hecke mindestens vorhanden sein. Es empfiehlt sich beim Pflanzen, bis zum Weg oder zur Strasse einen Meter und mehr Abstand zu wahren. Denn erstens profitiert die Natur mehr, wenn die Hecke von einem so genannten Krautsaum begleitet ist - und zweitens muss man nicht alle paar Wochen ausgreifende Äste zurückstutzen.



Wie und wann Sie die Hecke am besten schneiden

Eine Hecke braucht ab und zu einen Schnitt, damit die Äste im Inneren nicht kahl werden. Gleichzeitig lassen sich Höhe und Breite regulieren.

Frostfreie Wintertage sind für diese Arbeit ideal. Bei kleinen Hecken führt man an allen Büschen jährlich einen Korrekturschnitt aus: Die Äste auf kräftige Seitentriebe zurückschneiden. Zum Auslichten können Sie einzelne alte Triebe ganz entfernen.

Neststandorte in Dornbüschen lassen sich fördern, wenn durch Zurückschneiden auf immer dieselbe Stelle ein Quirl entsteht. Grössere Hecken setzt man, um den Aufwand zu verringern, abschnittweise auf den Stock (auf 20 bis 50 Zentimeter stutzen). Allerdings gilt das nicht für schwachwüchsige Arten wie Felsenmispel und Kornelkirsche sowie für Nadelgewächse.

Buchtipps
- Peter Richard: «Lebendige Naturgärten», 207 Seiten, Fr. 49.90, ISBN 3-85502-776-5.
- Kurt Harz: «Bäume und Sträucher», BLV-Naturführer, Fr. 9.70, ISBN 3-405-15107-4.



Wenig Platz: Kleinere Sträucher und formschnitt

Für kleine Gärten eignen sich vor allem Büsche, die nicht höher als drei bis vier Meter wachsen. Wer diese Einschränkung beachtet, begrenzt den Schnittaufwand und profitiert vom natürlichen Aussehen der Hecke.

Auch in dieser Grössenklasse sind viele attraktive Büsche erhältlich. Beispiele: die hellgelb blühende Heckenkirsche, das Pfaffenhütchen mit seinen orange-roten Früchten, die Stachelbeere und die Berberitze, die unzählige Bienen anlockt.

Auf kleinen Parzellen ist oft eine Formhecke die bevorzugte Lösung. Trotzdem muss diese nicht eintönig aussehen. Denn unter den einheimischen Sträuchern sind einige bestens für gemischte Formhecken geeignet:

Mit ihrem unterschiedlichen Blattwerk sorgen Feldahorn, Kornelkirsche, Liguster, Wolliger Schneeball und Hagebuche für Abwechslung.

Schwarzdorn, Weissdorn, Bibernellrose und Berberitze lassen sich zu einer geschnittenen Dornenhecke kombinieren.

Wer als Sichtschutz eine immergrüne Wand wünscht, kann Eibe, Buchs, Stechpalme und Liguster miteinander pflanzen.

Formhecken können einen Garten auch gliedern und als Hintergrund für Blumen dienen.

27. September 2006 | BEATRIX MÜHLETHALER


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Wildsträucher für grosse und kleine Gärten
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