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Am Beratungstelefon bekannte die von der Welt enttäuschte Sonja Kübler (Name geändert) offen ihr Lebensmotto: «Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.» Doch als der Nachbar zum Zeitvertreib sechs Ziegen anschaffte, kam ihr Weltbild ins Wanken.
Zuerst reckten die Tiere ihre Hälse über Küblers Gartenzaun und rupften ihre schönen Kapuzinerli ab. Das nahm sie noch mit Humor. Wenig später
gelang es aber einer Geiss, unter dem Zaun hindurchzukriechen, um sich dann an Küblers Salat und Rüben gütlich zu tun. Beim eigenen Gemüse verstand die Tierfreundin keinen Spass mehr. Sie verscheuchte die Ziege mit dem Besen.
Das nützte nichts. Tags darauf stand die ganze Ziegenherde in ihrem Garten - und machte sich über ihre frische Wäsche her. Die Frau griff zur Gartenhacke und prügelte die Eindringlinge aus ihrem Revier. Noch am gleichen Tag wollte die Tierfreundin von mir wissen: «Haftet der Nachbar für seine Viecher?» Ich bejahte die Frage.
Doch bevor Sonja Kübler Rechnung stellen konnte, entschuldigte sich der Nachbar und offerierte ihr eine grosszügige Entschädigung.
Als sie mir von diesem Happy End erzählte, schien mir fast, als hätte Frau Kübler die Menschen wieder ein wenig lieb gewonnen. Dank der Ziegen.
27. September 2006 | Hans Ruedi Schmid, Leiter Rechtsberatung
