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Artikel | K-Tipp 15/2006

Verschwiegene Nachteile

Ein entscheidendes Kriterium für die Bildqualität bei LCD-Fernsehern ist die Reaktionszeit. Doch sie wird häufig nicht deklariert. Wer trotzdem zugreift, riskiert verschwommene Bilder.

Schauplatz TV-Abteilung im Media Markt: Auf dem Bildschirm des grossformatigen LCD-Fernsehers folgt dem Tennisball von Roger Federer ein «Kometenschweif», und die Bewegungen des Tennisstars wirken seltsam verzerrt.

«Das liegt an der Reaktionszeit von 20 Millisekunden», klärt der Verkäufer auf. Gemeint ist damit jene Zeit, die der eingebaute Prozessor braucht, um ein neues Bild aufzubauen. Dauert das zu lange, reagiert der Bildschirm träge, und die Bilder werden unscharf. «Damit das nicht passiert, sollte die Reaktionszeit maximal 8 Millisekunden betragen», betont der Verkäufer. Doch solche Geräte kosten ohne Ausnahme über 2500 Franken.


Daten mit Absicht verheimlicht

Wie wärs mit einem LCD-Fernseher zwischen 2000 und 2500 Franken? Die Auswahl ist auch in dieser Preisklasse gross. Doch bei verschiedenen Modellen fehlen die Angaben zur Reaktionszeit. Auch der Verkäufer kann nicht weiter- helfen. «Für diese Geräte haben wir von den Herstellern leider keine Informationen zur Reaktionszeit bekommen», erklärt er.

Auch bei Interdiscount ist auf keinem LCD-Gerät die Reaktionszeit angegeben. Eine Zumutung: Der Verkäufer empfiehlt, die technischen Daten direkt bei den Herstellern anzufordern.
Aufschlussreich ist der Gang zu Fust: «Eine kurze Reaktionszeit ist tatsächlich enorm wichtig», bestätigt der Verkäufer. Seine Begründung, warum Fust die Reaktionszeiten trotzdem nicht deklariert: «Viele unserer Geräte weisen eine Reaktionszeit von 12 bis 16 Millisekunden auf. Wenn wir das ausweisen würden, könnte sich das schlecht auf den Verkauf auswirken.» Der K-Tipp hat die Fust-Unternehmensleitung mit dieser Aussage konfrontiert. Sprecherin Bettina Höhener meinte dazu nur, der Mitarbeiter habe die Frage wohl falsch verstanden. Sie bestreitet nicht, dass auch bei den Fust-Geräten die Reaktionszeiten nicht deklariert sind.

Doch auch die Hersteller deklarieren die LCD-Fernseher nicht einheitlich. Laut Ruedi Haeny, Vorstandsmitglied des Fachverbandes Swico, ist die Branche «aus Konkurrenzgründen kaum daran interessiert, die Karten offenzulegen». Thomas Krummenacher, Produktmanager von Panasonic, lässt durchblicken, warum hier so viel Geheimniskrämerei betreiben: «Die besten LCD-Fernseher in der Preisklasse um 2500 Franken kommen heute auf eine Reaktionszeit von 8 Millisekunden. Das ist deutlich langsamer als die Röhrenfernseher, die bei 3 bis 4 Millisekunden liegen.»


Top-Bilder gibts nur bei Digitalempfang

Im Klartext: Die modernen LCD-Geräte können den alten Röhrenfernsehern bezüglich Schnelligkeit noch nicht das Wasser reichen. Viele LCD-Geräte sind mit Reaktionszeiten zwischen 10 und 20 Millisekunden deutlich träger. Woran soll sich der Konsument aber beim Kauf halten? Gewisse Hersteller, zum Beispiel Panasonic und Philips, geben für sämtliche Modelle alle technischen Angaben in den Verkaufsunterlagen und im Internet bekannt.

Aufgepasst: Fragen Sie im Laden unbedingt nach, ob die dort laufenden Bilder bereits über Satellit in digitaler HD-Qualität empfangen werden. Sonst erleben Sie zu Hause eine böse Überraschung: Die im Geschäft gestochen scharfen Bilder erscheinen daheim plötzlich verschwommen, weil sie bloss in analoger Qualität via Kabel hereinkommen.

Übrigens: Wer seinem alten Röhrenfernseher treu bleiben will0, muss sich immer häufiger über die schwarzen Balken ärgern. Diese lassen sich aber nur bei sehr wenigen Geräten mit einer Umschalttaste entfernen. Dabei fallen aber unter Umständen die Untertitel weg, und die Bilder werden verzerrt.



Das ist bei LCD-Geräten wichtig

- Die Reaktionszeit sollte höchstens 8 Millisekunden betragen. Verlassen Sie sich nicht auf mündliche Aussagen der Verkäufer, sondern auf schriftliche Deklarationen der Hersteller.
- Die Auflösung (Anzahl Pixel) sollte bei mindestens 1366 x 768 Pixel liegen. Ein herkömmlicher Röhren-TV bietet 720 x 576 Pixel.
- Auch beim Kontrastwert gilt: Je höher, desto besser. Gut für Modelle der mittleren Preisklasse sind Werte ab 4000 : 1.
- Das Gerät sollte über Anschlüsse für den PC und für HD-Fernsehen verfügen.
- Prüfen Sie auch die Tonqualität. Die Unterschiede zwischen den Modellen sind gross.
- Auch beim Stromverbrauch gibt es grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen.

20. September 2006 | Pirmin Schilliger - redaktion@ktipp.ch


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