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Artikel | Gesundheits-Tipp 9/2006

Künstliche Süssstoffe: Bittere Medizin für Patienten

Ob im Hustensaft oder im Osteoporose-Mittel: Immer häufiger fügen Hersteller den Medikamenten künstliche Süssstoffe hinzu. Dabei sind sie vollkommen unnötig.

Auf Aspartam, Saccharin und Cyclamat reagiert Maria Böglis Körper sofort: Die Beschwerden reichen von Übelkeit, Schwindel, Aufstossen bis hin zum Kreislaufkollaps. Die 60-Jährige verträgt keine künstlichen Süssstoffe. Seit Jahren meidet sie darum künstlich gesüsste Esswaren und Getränke.

Doch es sind nicht nur Esswaren, bei denen sie aufpassen muss - auch Medikamente schlagen ihr auf den Magen: Tabletten, Kapseln und Pülverchen enthalten oft Aspartam oder andere Süssstoffe. «Das ist ärgerlich», so Bögli, «denn ich bin auf Medikamente angewiesen.» Maria Bögli leidet unter chronischen Rückenschmerzen.

Auch Hildegard Streun versucht, künstlich gesüsste Medikamente zu meiden. Der Grund: Sie muss Diät halten, da sie Diabetes hat. Doch künstlicher Süssstoff ist für sie keine Alternative zu Zucker: «Aspartam löst bei mir Hungergefühle aus.»

Die 68-Jährige muss ein Mittel gegen Osteoporose nehmen, Calcimagon-D3. Dieses ist aber mit Aspartam gesüsst. Deshalb bat sie ihren Arzt, ihr ein ungesüsstes Medikament zu verschreiben.

Seither nimmt sie Calcivit. Es wirkt genauso gut und ist erst noch billiger. Doch die Krankenkasse will es nicht bezahlen, da es nicht auf der Spezialitätenliste aufgeführt ist.
Heinz Knieriemen, Ernährungsexperte und Autor des Gesundheitstipp-Ratgebers «E-Nummern», ärgert sich darüber, dass Hersteller ihre Medikamente immer häu?ger künstlich süssen: «Künstliche Süssstoffe manipulieren nur den Geschmack. Sie haben in Medikamenten nichts zu suchen.» Die Risiken dieser Produkte seien schwer abzuschätzen.

Die Vertreiber?rma des mit Aspartam gesüssten Calcimagon-D3 dagegen schreibt, es seien keine gesundheitsschädlichen Wirkungen bei Aspartam bekannt. Das Medikament süsse man mit künstlichen Stoffen, um «einen möglichst angenehmen Geschmack» zu erhalten. Patienten würden es so regelmässig nehmen, was Voraussetzung für einen Therapieerfolg sei. Zudem sei das Medikament auch für Diabetiker geeignet.


Aspartam: Schon länger im Kreuzfeuer der Kritik

Künstliche Süssstoffe stehen seit längerem in der Kritik - vor allem Aspartam (Gesundheitstipp 5/06). Studien weisen darauf hin, dass der Stoff Kopfschmerzen und Migräne auslösen kann. Aspartam soll auch für Übelkeit, Depressionen und Hautreaktionen verantwortlich sein.

Doch Hersteller müssten der bitteren Medizin kein Aspartam beimischen. Laut Knieriemen gibt es durchaus andere Möglichkeiten, Medikamente zu süssen: «Zuckeraustauschstoffe und Fruchtzucker sind Alternativen.»

13. September 2006 | Gabriela Braun


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