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In der Schweiz haben sich wieder mehr Menschen mit Aids angesteckt. Pornodarstellerin Louisa Lamour lebt in ständiger Angst vor einer Infektion - trotz regelmässiger Tests.
Louisa Lamour, verwenden Ihre Filmpartner Kondome?
Nein. Zwar werden in Frankreich alle Pornos mit Kondom gedreht. Aber ich ?nde es gut, dass wir ohne Gummi arbeiten.
Warum?
Das Gefühl ist besser. Und die Männer, die Porno?lme konsumieren, wollen keine Kondome sehen.
Haben Sie keine Angst vor einer HIV-Infektion?
Doch, manchmal schon. Aber die Schauspieler müssen alle zwei Wochen zum Aids-Test. Darsteller, die ich nicht kenne, müssen mir vor den Dreharbeiten ihren Test zeigen. Wir müssen auch vor jedem Dreh einen Hepatitis-Test machen.
Vor ein paar Jahren hat ein USPornodarsteller einige Frauen mit Aids angesteckt, obwohl er sich regelmässig testen liess.
Das stimmt. Am meisten Angst habe ich vor Darstellern, die zum ersten Mal einen Film drehen. Die wissen manchmal nicht, dass wir ohne Kondome drehen. Es kann sein, dass die etwas mitbringen von früher. Aber wenn ich immer Angst vor einer Ansteckung hätte, könnte ich nicht in diesem Beruf arbeiten.
Wenn man ohne Kondome arbeitet, kann man sich auch mit Geschlechtskrankheiten anstecken.
Ja. Ich habe mich einmal bei einem Dreh mit einem Pilz angesteckt. Das ist passiert, weil ich einen Dildo verwendet habe, der nicht gereinigt worden war.
Mussten Sie dann pausieren?
Ja. Wir mussten den Dreh um eine Woche verschieben. Ich konnte wegen der Schmerzen drei Tage lang nicht mehr gehen. Das war sehr unangenehm. Das Risiko, einen Tripper einzufangen, ist ebenfalls gross. Es nützt aber nichts, wenn sich Pornodarsteller auf Tripper testen lassen. Man kann sich dennoch anstecken.
Warum haben Sie keinen normalen Beruf gewählt?
Ich habe eine Lehre als Coiffeuse abgebrochen. Meine Che?n hat mich ständig angemotzt. Sie hatte kaputte Beine, weil man in diesem Beruf den ganzen Tag stehen muss. Da dachte ich mir: Das will ich mir nicht antun.
Was haben Sie danach gemacht?
Ich habe ein Jahr lang in einem Massagesalon gearbeitet. Aber diese Arbeit hat mich zermürbt.
Warum?
Manche Kunden haben mich beleidigt. Sie haben mir gesagt, ich sei ein Stück Dreck. Manchmal musste ich den ganzen Tag lang im Salon sitzen, ohne dass ein Kunde kam. Am Schluss verdiente ich nur noch 500 Franken im Monat. Darum habe ich aufgehört.
Gefällt Ihnen die Arbeit als Pornodarstellerin besser?
Ja. Wenn ich einen Film drehe, schauen viele Leute zu. Deshalb fühle ich mich sicherer. Und die Männer, die als Pornodarsteller arbeiten, wissen meistens, wie man mit Frauen umgeht.
Wann haben Sie zum ersten Mal einen Pornofilm gesehen?
Als ich 13 Jahre alt war, wollte ich ein Musikvideo mit Christina Aguilera herunterladen. Stattdessen kam ein Porno.
Wie haben Ihre Freunde reagiert, als Sie begannen, für die Pornobranche zu arbeiten?
Die meisten Freunde haben sich von mir abgewendet. Da habe ich gemerkt, wer wirklich zu mir steht. Einige Frauen haben mich terrorisiert. Sie riefen mich immer wieder an und sagten, ich sei billig. Oder sie haben nur gelacht.
Wollten diese Frauen Sie ärgern?
Ich weiss es nicht. Vielleicht waren sie eifersüchtig. Andere Frauen waren schon immer neidisch auf mich, weil ich schlank bin, ohne dass ich etwas dafür machen muss.
Louisa Lamour
Die 20-jährige Louisa Lamour, so ihr Künstlername, wohnt in Wetzikon ZH. Seit anderthalb Jahren dreht sie Pornofilme. Bisher hat sie bei neun Filmen mitgewirkt.
Zweimal hat sie eine Lehre als Coiffeuse begonnen und abgebrochen. Danach hat sie in Basel als Prostituierte gearbeitet.
13. September 2006 | Andreas Gossweiler
