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Artikel | saldo 13/2006

Bei Kindern häufig nicht erkannt

Viele Kinder leiden an Migräne. Eine Frühbehandlung wäre wichtig. Doch bei Schweizer Ärzten ist das bisher kaum ein Thema.

Rund 50 Millionen Menschen in Europa leiden unter Migr?ne. Jeden Tag bekommen zwei Millionen Menschen eine Migr?neattacke. Zu diesen Ergebnissen kommen Untersuchungen der European Headache Federation und der World Headache Alliance. Was h?ufig ?bersehen wird: Viele dieser Menschen hatten ihre erste Migr?ne bereits als Kind oder Jugendlicher.

«In der Schweiz leiden rund 20 Prozent der Vorschul- und Primarschulkinder an wiederkehrenden Kopfschmerzen, bis 10 Prozent an Migr?ne», sch?tzt Peter Weber, Oberarzt an der Kinderklinik beider Basel. Doch spezielle Einrichtungen f?r migr?negeplagte Kinder gibt es in der Schweiz im Gegensatz zu andern L?ndern bis heute nicht.


«Kopfweh ist f?r die Wissenschaft wenig interessant»

Das w?re aber wichtig: «Wird die Migr?ne nicht fr?hzeitig erkannt und behandelt, droht der chronische Griff zu Schmerzmitteln im Erwachsenenalter», warnt die Wiener Neurologin ?i?ek W?ber-Bing?l. Kommt hinzu, dass sich Migr?ne bei Kindern anders ?ussert als bei Erwachsenen und von den Eltern h?ufig gar nicht als solche erkannt wird. ?i?ek W?ber-Bing?l gr?ndete deshalb 1991 die erste Kopfschmerzambulanz f?r Kinder und Jugendliche an der Universit?tsklinik f?r Neuropsychiatrie in Wien.

Doch warum sind Migr?nekinder in der Schweiz kaum ein Thema? Reto Agosti vom Kopfwehzentrum der Klinik Hirslanden in Z?rich sieht den Grund im wissenschaftlichen Betrieb selbst: «Die Ausbildung an der Uni orientiert sich nicht am Alltag, sondern an der akademischen Medizin. Dort ist Kopfweh nicht sehr interessant.» Immerhin: Agosti will im Herbst an der Hirslandenklinik eine spezielle Kopfwehsprechstunde einrichten.


Kopfwehtageb?cher helfen, die Ausl?ser zu finden

In der Wiener Ambulanz, die j?hrlich ?ber 400 neue Kinder betreut, werden zuerst die Ursachen f?r die Kopfschmerzen gr?ndlich abgekl?rt. Sie k?nnen von orthop?dischen Fehlstellungen bis zu Nasenh?hlenentz?ndungen reichen. Die eigentliche Migr?ne ist aber genetisch bedingt und nicht heilbar. «Attacken k?nnen durch alles ausgel?st werden, was K?rper und Seele belastet», h?lt ?i?ek W?ber-Bing?l fest. Zum Beispiel unregelm?ssige Schlaf- und Essgewohnheiten, Stress in der Schule oder in der Freizeit oder auch Wetterumschw?nge.

Darum ist es wichtig, herauszufinden, was genau die Migr?neattacke ausl?st. Dazu werden in Wien die Kinder angehalten, Kopfwehtageb?cher zu f?hren. Entsprechende praktische Unterlagen bieten auch schweizerische Institutionen an: etwa www.headache.ch oder www.kopfschmerzhilfe. ch (Tel. 061 423 10 80). Hat man die Migr?ne ausl?senden Ursachen erkannt, k?nnen individuelle Therapien weiterhelfen - und so langfristig vor ?berm?ssigem Schmerzmittelgebrauch sch?tzen.

Bei einer Migr?neattacke brauchen die Kinder Ruhe, Schlaf und gen?gend Fl?ssigkeit. «Viele Migr?nekinder kommen ohne Medikamente aus und k?nnen die Migr?ne “wegschlafen”», beobachtet W?ber-Bing?l. In leichten F?llen empfiehlt die Wiener Expertin Schmerzmittel, zum Beispiel mit dem Inhaltsstoff Paracetamol.



Migr?ne: Die Symptome der Kinder

Bei Kindern ?ussern sich Migr?neattacken vielfach anders als bei Erwachsenen und werden deshalb oft gar nicht als solche erkannt. Kinder schildern den Schmerz im Gegensatz zu Erwachsenen h?ufig nicht als pulsierend und reagieren w?hrend der Attacke auch weniger sensibel auf Licht. Folgende Verhaltensweisen k?nnen laut Kinderarzt Peter Weber ihre Ursache in einer Migr?neattacke haben:
- Das Kind ist unruhig und gereizt.
- Es mag nicht spielen, ist blass und will schlafen.
- Es klagt ?ber Bauchweh, ?belkeit, muss erbrechen.
- Das Kind nimmt sich selbst oder seine Umgebung ver?ndert wahr, zum Beispiel erscheint alles verkleinert oder vergr?ssert («Alice-im-Wunderland»-Syndrom).



Ratgeber «Das hilft bei Kopfschmerzen und Migr?ne»

Aus dem Inhalt: Die verschiedenen Formen von Kopfschmerzen, Behandlung und Vorbeugung, wirksame Therapien mit und ohne Medikamente. Die Bestellkarte finden Sie auf Seite 24.

30. August 2006 | Angelica Schorre


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