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Rauchschwaden von rücksichtslosen Nachbarn verderben der Hobbygärtnerin Bianca Benisatto die Freude an ihrem Schrebergarten.
Seit zehn Jahren verbringt die 64-jährige Bianca Benisatto ihre Wochenenden in ihrem Schrebergarten. Er liegt zwischen dem idyllischen Limmatufer und den Einkaufszentren von Spreitenbach AG. Doch Rauch von anderen Hobbygärtnern hat ihr die Freude an ihrem Pflanzblätz verdorben.
«Jedesmal, wenn ich im Schrebergarten bin, verbrennt jemand Gartenabfälle», ärgert sie sich. Auch der Qualm von Grillpartys und Pizza-öfen stört sie.
Dicke Rauchschwaden sind nicht nur unangenehm, sondern schlecht für die Gesundheit. «Rauch enthält Feinstaub und trägt zur Ozonproduktion bei», erklärt Herbert Limacher vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich. «Beides schädigt die Atemwege.» Deshalb erlauben die eidgenössischen Gesetze das Feuern nur dann, wenn dabei «keine übermässigen Immissionen» entstehen. Mit anderen Worten: wenns nicht gross qualmt.
Trockene Blätter und dürre Äste verbrennen ohne Rauch
Das Einnebeln der Umgebung lässt sich auf einfache Weise vermeiden. Herbert Limacher hat einen Tipp: «Wenn man nur trockene Blätter und dürres Holz in kleinen Mengen verbrennt, entsteht kein Rauch.» Noch besser sei es aber, Gartenabfälle zu kompostieren. «Wenn eine Gemeinde die Grüngutabfuhr anbietet, ist es nicht nötig, Gartenabfälle zu verbrennen», sagt Limacher.
Bianca Benisatto wollte sich mit den ätzenden Schwaden nicht abfinden. Sie redete mit den Nachbarn. Doch das habe nichts genützt, sagt sie: «Wenn ich reklamiert habe, war ich nachher die Böse.» Deshalb bat sie Marcel Weber, den Präsidenten des Familiengartenvereins Spreitenbach, das Verbrennen von Gartenabfällen zu stoppen.
Der Präsident heftete einen Anschlag an die Wand des Toilettenhäuschens. Er forderte die Gärtner auf, das Verbrennen von Abfällen zu unterlassen. Dem ärgsten Rauchsünder schrieb Marcel Weber einen Brief. Er warnte ihn: «Noch drückt die Polizei ein Auge zu, wenn etwas in vernünftigem Rahmen verbrannt wird. Wenn aber Reklamationen zur Polizei gelangen, wird es Probleme für alle geben.»
Er sehe es auch nicht gern, wenn andere Hobbygärtner Gartenabfälle verbrennen, sagt Marcel Weber. «Schon gar nicht am Sonntag.» Er findet aber, das Problem halte sich im Rahmen.
Vereinspräsident: «Grillieren will ich nicht verbieten»
Deshalb will der Präsident auch kein totales Feuerverbot aussprechen. «Wenn es sein muss, soll man Gartenabfälle unter der Woche verbrennen - dann, wenn möglichst wenig andere Pächter im Garten sind», sagt Marcel Weber. Er sieht sich aber ausserstande, diese Regel durchzusetzen: «Ich kann nicht ständig im Garten sein und die Pächter kontrollieren. Und ich kann auch niemanden hinauswerfen, nur weil er ein paar Äste verbrennt.» Das Grillieren will Marcel Weber sowieso nicht verbieten: «Alle haben einen Grill. Da kann man nichts machen.»
Bianca Benisatto ist enttäuscht von der Reaktion des Präsidenten. Der Aufruf beim WC habe praktisch nichts genützt, sagt sie: «Es werden weiterhin Abfälle verbrannt. Und manche Grills rauchen den ganzen Tag.» Deshalb sieht die Hobbygärtnerin nur noch eine Lösung: den Rückzug. «Ich gehe jetzt immer nach Hause, sobald jemand Feuer macht», sagt Bianca Benisatto. «Und wenn das so weitergeht, werde ich meinen Garten abgeben.»
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28. Juni 2006 | Andreas Gossweiler
