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Artikel | Haus & Garten 3/2006

Beim Laugen lauern Gefahren

Holz richtig ablaugen ist komplexer, als manche denken. Meist lohnt es sich, die Arbeit einem Profi zu überlassen.

Eine Gartenbank, ein Stuhl, eine Kommode: Die Farbe ist unansehnlich geworden, blättert ab oder gefällt einfach nicht mehr. Ablaugen ist angesagt. Wer das selber macht, ist jedoch meist enttäuscht - Aufwand und Resultat stimmen selten überein: Hartnäckig haftet die alte Farbe in Ritzen, Ecken und Fugen.

«Ich lauge nur im äussersten Notfall selber ab», sagt der Maler Jürg Sigrist aus Thalwil ZH. «Es ist mühsam, die Substanzen sind agressiv, und wenn man laienhaft vorgeht, leidet häufig das Holz.» Ausserdem nicht zu unterschätzen: «Diesen Mix aus Farbe und Ablauge muss man fachgerecht entsorgen - als Sondermüll.» Keinesfalls darf man das Zeug die Toilette hinunterspülen. Laut Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) greifen diese Restanzen nämlich auch die Rohre der Kanalisation an.

Professionelle, vollautomatische Ablaugereien sind entsprechend ausgerüstet: Alte Lacke enthalten meist Schwermetalle wie Blei, Zink und Cadmium, und diese dürfen nicht ins Abwasser gelangen. Weil sie mit Flüssigkeit verbunden sind, kann man sie nicht einfach herausfiltern. Es gibt Betriebe mit 5-Zonen-Ablaug-Automaten, in denen alle geeigneten Holzarten vollautomatisch vom Farbanstrich befreit werden.

Anfallende Flüssigkeiten wie Spritzwasser, Lackreste und Chemikalien werden als trübe Brühe in einer Auffangwanne gesammelt und dann in die Anlage für Abwasserbehandlung geleitet: Dort werden die Schwermetalle in mehreren Schritten vom Wasser getrennt. Dann folgt die Absetzphase, in der sich die Feststoffe am Boden sammeln. Der Lackschlamm wird später gepresst und schliesslich dem Sondermüll zugeführt. Die Abwässer werden in den hausinternen Kläranlagen vorgereinigt, bevor sie in die öffentliche Kanalisation gelangen. Einer der Grossen, die Meier Oberflächen AG in Rafz, ist schweizweit mit Depots vertreten und behandelt auch Einzelstücke von Privaten.


Ablaugen im Knast: Angebot der Strafanstalt Bostadel

Über eine Ablaugerei verfügt auch die interkantonale Strafanstalt Bostadel im Kanton Zug. Leiter der Produktionsbetriebe ist Albert Uttinger. «Die meisten, die erstmals selber ablaugen, kommen danach zu uns», sagt er. Die Bostadler Ablaugerei ist nicht durchgängig automatisiert: «Möbel laugen wir in der Regel von Hand ab», so der Fachmann. Für kleinere Werkstücke wähle man statt Ablaugen auch mal das schonende, gründliche Sandstrahlen. «Fensterläden und manche Gartenmöbel kommen ins Laugenbad, anschliessend zur Neutralisation ins Säure- und zum Spülen ins Wasserbad.» Das Abwasser wird in der internen Kläranlage vorgereinigt, bevor es in die Kanalisation gelangt. Uttinger: «Ein amtlicher Kontrolleur erscheint zweimal pro Jahr unangemeldet bei uns.»


Meist lohnt sich der Gang zu den Profis

Sieben Männer arbeiten in der Ablaugerei. Sie sind zwar Dämpfen und agressiver Chemie ausgesetzt, aber sie sind - im Gegensatz zum Hobbywerker - wirksam geschützt. «Selbstverständlich tragen sie Handschuhe und Schutzmasken», betont der Fachmann, «und mit den Maschinen wird immer an den Absaugtischen gearbeitet.»

Den Heissluft-Föhn, den manche Heimwerker benützen, findet Uttinger auch nicht unbedenklich: «Der aufgeweichten Farbe entweichen Dämpfe, die man nicht einatmen sollte. Und ist jemand ungeübt, kann sich das Holz durch die Hitze entzünden, was hässliche schwarze Brandflecken hinterlässt.»

Fazit: Ablaugen ist eine komplexe Sache - unter dem Strich dürfte sich der finanzielle Aufwand für einen Gang zum Profi lohnen.



Ablaugen (lassen): So viel kostets

Beispiel Stuhl: Ungefähre Preise je nach Grösse und Ausführung sowie Art des Farbanstrichs.

Eigenhändig: 750 g bis 1 kg synthetische Ablauge, Handschuhe und Atemschutzmasken vom Hobbymarkt (Migros, Coop, Jumbo) Fr. 35.- bis 40.-

Strafanstalt Bostadel, Menzingen ZG: Fr. 50.- bis 80.-

Meier Oberflächen, Rafz ZH: Fr. 60.- bis 90.-



Selber Hand anlegen

Wer selber ablaugen will, benötigt Handschuhe, Atemschutz-Masken und Ablaug- oder Abbeizmittel. Damit bestreicht man das Möbelstück, kratzt mit dem Spachtel die aufgeweichte Farbe weg und entsorgt das scharfe Zeug als Sondermüll.

Bis hierhin kann der Hobby-Ablauger die Vorschriften einigermassen einhalten. Doch nun wirds schwieriger: Das vom gröbsten Anstrich befreite Holz wäscht man mit viel Wasser nach - und diese verunreinigte Brühe gelangt direkt in die Kanalisation. Denn die meisten Heimwerker verfügen nicht über Vorrichtungen zur Vorreinigung.

Meist vergisst der Laie auch die Neutralisation: In den Holzporen verstecken sich Ablaugresten, und mit Abwaschen allein kann man sie nicht entfernen. Die Überbleibsel verhindern, dass das Holz trocknet, und sie greifen oft den neuen Farbanstrich an. Deshalb wässert man das Stück in einer leichten Säure, die die Lauge in den Holzporen neutralisiert: Sie wird zu Wasser und Salz, das man wiederum mit Wasser ausspült. Bilden letzte Salze weisse, wolkige Flecken auf dem Möbelstück, beseitigt man sie mit Essigwasser. Wichtig: Das Möbel mindestens mehrere Tage, besser einige Wochen durchtrocknen lassen.

28. Juni 2006 | REGINE ELSENER


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