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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2006

Diese Mittel stoppen die Pollen

Es gibt unzählige Mittel gegen Heuschnupfen. Doch nicht alle nützen. Der Gesundheitstipp liess zehn Therapien von einer Spezialistin beurteilen.

Diese Mittel stoppen die Pollen

Sie werden von Niesattacken geschüttelt, haben brennende und tränende Augen und eine verstopfte Nase. Für Heuschnupfenpatienten beginnt jetzt die mühsame Zeit. Rund eine Million Menschen in der Schweiz reagieren auf Pollen von Blumen, Gräsern und Bäumen.

Apotheken und Drogerien machen deshalb ein grosses Geschäft mit Heuschnupfenmitteln. In den Schaufenstern preisen sie die neusten Helfer an: Antihistaminika, Kortisonpräparate, homöopathische Mittel und Augentropfen. Zudem lassen sich online diverse «Wundermittel» bestellen. Zum Beispiel das ägyptische Schwarzkümmelöl: Es habe sich «in der Allergiebehandlung tausendfach bewährt», heisst es auf der Website einer Luzerner Online-Apotheke. Oder die Rotlichttherapie: Dabei steckt man die zwei Lichtstäbe eines Elektrogeräts in die Nase. Dies soll die schlappen Zellen auf Vordermann bringen und so die Allergie bekämpfen.

Doch nicht alle Therapien helfen. Barbara Ballmer-Weber, leitende Ärztin an der Allergiestation des Universitätsspitals Zürich, hat für den Gesundheitstipp zehn rezeptfreie Behandlungen beurteilt (siehe Tabelle). Ihr Fazit: «Antihistaminika sind sehr gut und deshalb die erste Wahl.» Die Medikamente seien einfach anzuwenden und wirkten zuverlässig. Allerdings machen die älteren - noch häufig verkauften - Medikamente wie Zyrtec oder Fenistil viele Patienten müde. Ballmer empfiehlt deshalb die neuen, rezeptpflichtigen Antihistaminika wie Xyzal, Telfast und Aerius.


«Vaseline hilft genauso gut wie teure Salben»

Bei stark verstopfter Nase sollte man zusätzlich einen Kortison-Nasenspray verwenden. «Er wirkt ebenfalls sehr gut und hat kaum Nebenwirkungen, weil das Kortison lokal wirkt», so Ballmer. Der Spray könne aber die Nasenschleimhaut etwas austrocknen. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser warnt vor zu langer Anwendung. Das könne den Augendruck erhöhen. Auch bei Kindern mahnt er zu Vorsicht mit Kortison. Bei ihnen würden vor allem Präparate mit Cromoglicinsäure eingesetzt, sagt Walser. Diese hemmen das Freisetzen von Histamin. Allerdings wirken die Mittel erst nach ein paar Tagen.

Als «gut» beurteilt die Fachfrau drei Methoden:
- Nasenspülungen mit einer Salzlösung: z.B. eine Nasendusche oder gebrauchsfertige Meersalzlösungen.

Ballmer: «Sie spülen zwar nicht die Pollen aus der Nase, pflegen aber die angegriffene Schleimhaut.»
- Augentropfen: Sie lindern allergische Augenreizungen.
- Fensterschutzgitter: So kann man die Fenster offen halten, ohne dass Pollen in die Räume dringen.

Nur für «genügend» hält Ballmer die Nasensalben und den Puderspray Nasaleze. Diese Produkte bilden eine Schutzschicht über der Nasenschleimhaut.

«Die Salben halten einen Teil der Pollen ab», sagt die Ärztin. Dafür brauche es allerdings keine teuren Produkte. «Den gleichen Effekt erreicht man mit Vaseline.» Vom Puderspray Nasaleze hält die Fachfrau wenig. «Er reizt die Nase zusätzlich.»

Dies bestreitet die deutsche Firma Roha Arzneimittel GmbH, die Nasaleze vertreibt. Ein Test habe gezeigt, dass die Nasenschleimhaut durch die sechswöchige Anwendung von Nasaleze nicht gereizt werde. Die Firma bestätigt aber, dass das Produkt nicht vor Pollen schützt, die man über den Mund einatmet.
Ebenfalls bloss als «genügend» stuft Ballmer die Allergo-fit-Nasenfilter ein. Die kleinen Schaumstoffstöpsel steckt man sich in die Nasenlöcher. «Das ist unangenehm», kritisiert sie. Zudem können die Pollen trotzdem über den Mund eindringen.

Der deutsche Hersteller Corpora Sana schreibt dazu: «Wir empfehlen, die Nasenfilter am dickeren Ende mit einer Schere so weit zu stutzen, bis ein komfortables Tragen möglich ist.» Den Mundschutz erachtet die Firma als weniger wichtig, da vor allem die Nase betroffen sei.

Bei pflanzlichen und homöopathischen Mitteln aus der Apotheke ist Ballmer eher skeptisch. Zwar hätten einige ihrer Patienten damit gute Erfahrungen gemacht. «Die Wirksamkeit ist aber nicht klar nachgewiesen.» Und Walser empfiehlt Patienten, einen Homöopathen aufzusuchen: «Er sucht dann das individuelle Mittel.»
Von einer Rotlichttherapie mit dem Elektrogerät Rhinobeam rät Barbara Ballmer ab. Es sei teuer und sie bezweifle den Nutzen. Die Rhinobeam AG in Baar beruft sich jedoch auf zwei Studien, die die Wirksamkeit nachgewiesen hätten. Den Preis rechtfertigt die Firma mit den einmaligen Anschaffungskosten.


Buchtipp und Infos
- Gesundheitstipp-Ratgeber: «Allergien: Erkennen und behandeln», zu bestellen auf Seite 13
- Merkblatt Heuschnupfen: Gratis unter www.gesundheitstipp.ch oder gegen ein frankiertes C5-Rückantwortcouvert bei Gesundheitstipp, «Heuschnupfen», Postfach 277, 8024 Zürich

12. April 2006 | Sonja Marti


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