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Tag für Tag ist der Polizist Alex Smolinsky in der Zürcher Drogenszene unterwegs. Immer wieder wird er angegriffen - trotzdem mag er seine Arbeit.
Alex Smolinsky, Sie sind täglich mit Elend und Gewalt konfrontiert. Wie kommen Sie damit zurecht?
Ich weiss, dass ich nichts ändern kann. Das hilft mir, damit fertig zu werden. Wenn mir ein Erlebnis besonders nahe geht, bespreche ich es zu Hause mit meiner Frau.
Was geht Ihnen speziell nahe?
Ich hatte einmal eine tätliche Auseinandersetzung mit zwei Drogenkonsumenten. Eine Scheibe zerbrach. Ich hatte mehrere Schnittwunden und kam auch mit dem Blut der Drogenkonsumenten in Berührung. Später machte ich mehrere Aids-Tests. Zum Glück waren sie negativ. Solche Erlebnisse sind sehr belastend.
Was für ein Verhältnis haben Sie zu den Drogensüchtigen?
Manche Leute kenne ich seit Jahren. Wenn ich sie sehe, rede ich mit ihnen. So erhalte ich Informationen über den Drogenhandel. Wenn sich jemand betrogen fühlt, weil er Mehl statt Kokain erhielt, sagt er uns den Namen des Dealers. So will er sich rächen. Andere erzählen uns etwas, um bei der Polizei gut dazustehen.
Das klingt ja fast nach einem freundschaftlichen Verhältnis.
So ist es nicht. Ich nehme den Drogenkonsumenten ihren Stoff weg. Ich verhafte sie, wenn sie gesucht werden. Ich weise sie aus Hauseingängen weg. Es ist gang und gäbe, dass ich dabei übel beschimpft werde.
Es braucht wohl eine dicke Haut, um das zu ertragen.
Eine professionelle Distanz ist sehr wichtig. Sonst könnte ich diese Arbeit nicht machen. Dumme Sprüche stören mich nicht mehr. Ich akzeptiere es aber nicht, wenn mich jemand anspuckt oder tätlich wird.
Werden Sie oft angespuckt?
Das kommt schon vor. Viele Drogenkonsumenten sind nicht nur mit dem Aidsvirus infiziert, sondern auch mit Hepatitis C. Wenn der Speichel auf Schleimhäute oder ins Auge trifft, kann es heikel werden.
Haben Sie nicht manchmal genug von dieser harten Arbeit?
Jeder Job hat seine Schattenseiten. Mit Drogenkonsumenten zu arbeiten, ist sicher nicht das angenehmste. Ich bin aber nicht immer in der Drogenszene unterwegs, sondern verstärke gelegentlich auch Streifenwagenteams in der Stadt Zürich.
Glauben Sie, dass Sie den Drogensüchtigen helfen können?
Nein, das glaube ich nicht. Die Arbeit mit Drogensüchtigen ist eine Sisyphusarbeit. Trotz meines Einsatzes geht es den einzelnen Drogenkonsumenten nicht besser.
Ist das für Sie frustrierend?
Nein. Mit unserer Arbeit können wir die offene Drogenszene eindämmen. Verglichen mit den Verhältnissen am Platzspitz und am Letten ist es heute viel besser. Vielleicht kann ich auch Leute, die frisch in die Szene gerutscht sind, zum Umdenken bewegen. Einmal sagte mir ein Drogenkonsument, er wolle nicht mehr nach Zürich kommen. Hier werde er ständig kontrolliert - und die Polizei nehme ihm die Drogen weg. Wenn ich so etwas höre, freue ich mich.
Was würden Sie tun, wenn Sie Kinder hätten, die verbotene Drogen konsumieren?
Ich würde ihnen sagen, dass ich es nicht akzeptiere. Und ich würde meinen Standpunkt auch genau begründen.
Alex Smolinsky
Der 31-jährige Alex Smolinsky ist täglich auf Zürichs Strassen unterwegs, vor allem im Rotlichtquartier um die Langstrasse. Dort kontrolliert er Drogenkonsumenten und Kleindealer.
Smolinsky hat Informatik studiert. Für ihn stand aber schon früh fest, dass er eines Tages bei der Polizei arbeiten möchte.
12. April 2006 | Andreas Gossweiler
