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Artikel | saldo 7/2006

"Nie war jemand zuständig"

Zweieinhalb Jahre lang wehrte sich ein Ehepaar vergeblich gegen ungerechtfertigte Rechnungen von Tele 2. Erst die Intervention von saldo löste das Problem.

Es ist ein Albtraum, den das Ehepaar Martha Bachmann und Joris Miedaner aus Basel mit dem Telekomanbieter Tele 2 erlebt hat: «Als ich am Schluss zum ersten Mal in meinem Leben betrieben wurde, bekam ich Angst», erzählt die 64-jährige Rentnerin.

Dabei fing alles harmlos an. Im Sommer 2003 sah Joris Miedaner ein Inserat von Tele 2, das zu jedem neuen ADSL-Anschluss ein Gratismodem versprach. «Weil ich schon lange eine schnellere Internetverbindung wollte, bestellte ich das Abo.» Bald kam das Modem - doch es war mit dem Betriebssystem des Computers nicht kompatibel. Miedaner schickte das Gerät zurück und forderte Tele 2 auf, den Vertrag für das ADSL-Abo rückgängig zu machen.

Nun begannen die Schwierigkeiten: Tele 2 reagierte während Monaten nicht. «Dabei schrieb ich mehrmals Briefe und E-Mails», erzählt der 72- Jährige frustriert. Rechnungen für das Abo schickte der Telekomanbieter aber sehr wohl.


«Wir haben nie eine Leistung in Anspruch genommen»

Ende März 2004: Endlich hörte das Ehepaar von Tele 2. Auch wenn der Anschluss nicht zu gebrauchen sei, könne der Vertrag nicht aufgelöst werden. Die Mindestvertragsdauer laufe noch. Miedaner und Bachmann sollten doch ein neues Modem bestellen, schlug der Telekomanbieter vor - auf eigene Kosten. «Dieser Vorschlag nach sieben Monaten - das war zu viel», sagt Miedaner. Er teilte Tele 2 nochmals schriftlich mit, dass sie auf den ADSL-Anschluss verzichten würden.

Tele 2 reagierte nicht. Nur die Rechnungen fürs Abo flatterten weiterhin ins Haus. Die Rentner bezahlten sie nicht. «Wir haben ja nie eine Leistung von Tele 2 in Anspruch genommen», sagt Miedaner. Die Folge: Tele 2 beauftragte ein Inkassobüro, die ausstehenden Zahlungen einzufordern. Das Paar reagierte weiterhin nicht. Vor wenigen Wochen war es dann so weit, die Eheleute hatten den Zahlungsbefehl vom Betreibungsamt im Haus.

Dank der Intervention von saldo ist die Angelegenheit nun plötzlich rasch zu einem guten Ende gekommen: «Da wir feststellen konnten, dass die Kunden den ADSL-Anschluss nie nutzen konnten, zieht Tele 2 die Forderungen sofort zurück», sagt Mediensprecher Theo Froelich. Er gibt zu: «Wir haben es versäumt, den Kunden rechtzeitig ein Angebot für ein anderes Modem zu unterbreiten.»


«Niemand hatte den Überblick über unseren Fall»

«Jetzt, wo sich saldo einschaltet, gibt die Firma Tele 2 zu, dass sie Fehler gemacht hat», sagt Joris Miedaner. «Mir ist es hingegen nie gelungen, dass Tele 2 mein Problem ernst nimmt.» Und Martha Bachmann ergänzt: «Niemand hatte den Überblick über unseren Fall. Wenn wir mit Angestellten vom Kundendienst zu tun hatten, hiess es jeweils, die Korrespondenz habe man nicht vor sich. Nie war jemand zuständig.»



Lassen Sie sich nicht einschüchtern

Der Kundendienst ist nicht die Stärke der Telekombranche. Wenn nach dem Abschluss eines Abos technische Probleme auftauchen, gibts nur eins: sich nicht einschüchtern lassen. Das müssen Sie wissen:
- Verträge über ein Telekom- Abo sind verbindlich. Es gibt in der Regel kein Rücktrittsrecht. Klären Sie also vor dem Kauf eines ADSL-Modems ab, ob es mit Ihrem Computersystem funktioniert.
- Funktioniert ein Modem aus Gründen nicht, die beim Anbieter liegen, müssen Sie die Rechnung trotz des unterschriebenen Vertrags nicht zahlen.
- Für technische Laien empfiehlt es sich, die Installation eines Modems durch den Kundendienst durchführen zu lassen.
- Reklamieren Sie immer schriftlich und behalten Sie eine Kopie des Briefs. So können Sie belegen, dass Sie rechtzeitig gehandelt haben.
- Erhalten Sie ungerechtfertigte Rechnungen, schicken Sie sie am besten mit einer Begründung zurück.
- Im Fall einer Betreibung sollten Sie unbedingt Rechtsvorschlag erheben. Dazu müssen Sie nur auf dem Zahlungsbefehl unten den Talon unterzeichnen. Damit stellen Sie klar, dass die Forderung bestritten wird.

12. April 2006 | Claudine Gaibrois


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