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Den Lesern des «Migros Magazins» fällt es immer wieder auf: Das Gratisblatt des Grossverteilers veröffentlicht viele fragwürdige Inserate.
Die knielange Unterhose verheisst laut ganzseitiger Anzeige einen «sofortigen Schlank-Effekt». Und die Magnet-Kniestulpe werde «den Schmerz aus Ihrem Knie "ziehen"». Im «Migros Magazin» findet sich recht häufig derartige Werbung von Firmen, die mitunter das Blaue vom Himmel versprechen.
Zu den Stammkunden der Migros-Inserateabteilung gehört auch die Firma Trendmail in Bürglen TG, die schon öfter durch fragwürdige Produkte aufgefallen ist und deshalb regelmässig im saldo kritisiert wird. Auch der Pharmariese Pfizer wirbt alle zwei Wochen im «Migros Magazin». In der Rubrik «Gesundheitstipps» legt der Multi Menschen mit Reizblase oder zu hohem Cholesterinspiegel einen Arztbesuch nahe. Krankenversicherer und Konsumentenschutz prangern dies als indirekte Medikamentenwerbung an (saldo 11/05).
Ähnlich heikle Anzeigen sucht man in der «Coopzeitung» vergebens. «Mit Inseraten aus dem Grauzonenbereich -Schlankheitsmitteln, Heilversprechen und je nachdem Kursangeboten - sind wir sehr zurückhaltend», erklärt Anzeigenleiter Karlfrieder Fuchs. Er schätzt den finanziellen Ausfall auf rund eine halbe Million Franken pro Jahr. Doch der Verzicht lohne sich, glaubt Fuchs: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Leser Coop und das beworbene Produkt gleichsetzen.» Der Grossverteiler ist ein gebranntes Kind: Vor Jahren berichtete der «Kassensturz» über einen wirkungslosen Heilstein, der in Inseraten in der «Coopzeitung» angepriesen wurde.
Beim «Migros Magazin» hingegen zählt das Geld mehr: «Wir bieten Inserenten eine Plattform», sagt Verlagsleiter Bernt Maulaz diplomatisch und betont, gewisse Inserate auch abzulehnen. Anzeigen für knielange Unterhosen mit angeblichen Wunderkräften und vermeintlich magisch wirkende Magnet-Stulpen gehören offenbar nicht dazu.
28. September 2005 | Claudine Gaibrois
