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Der Bund bestätigt: Allein letztes Jahr wurden 2101 Tonnen Gentech-Mais und -Soja in die Schweiz importiert. Doch was damit genau passiert, soll geheim bleiben.
Die Zahl ist imposant: 629 Tonnen Gentech-Mais und -Soja wurden von Januar bis Juni 2005 in die Schweiz importiert. Im letzten Jahr waren es gar 2101 Tonnen gentechnisch verändertes (GVO-)Futtermittel. Dies bestätigt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erstmals auf Anfrage von saldo. Markus Hardegger vom BLW: «Die importierten Gentech-Tonnen werden als Futtermittel eingesetzt. Die Einfuhr dieser Soja- und Maissorten wurde bewilligt und für sicher befunden.»
Landläufig gilt die Schweiz als gentechfrei. Dank dem Druck der Konsumenten verschwand Ende 1999 der Powerplay-Eiweissriegel von Wander als letztes GVO-deklariertes Produkt vom Markt. In einer Umfrage von Coop im Jahr 2004 lehnen 81 Prozent der Konsumenten genmanipulierte Lebensmittel ab - gar 83 Prozent sind dagegen, dass solche Pflanzen den Tieren verfüttert werden. Doch bereits heute haben sich Gentech-Pflanzen auf Äckern unkontrolliert vermehrt. Dieser unfreiwillige Freilandversuch ist nicht mehr rückgängig zu machen.
Die Namen der Importeure werden geheim gehalten
Hält jetzt Gentech-Food durch die Hintertüre Einzug in Schweizer Lebensmitteln? Herbert Karch, Geschäftsführer der Kleinbauern-Vereinigung, ist beunruhigt. «Wird genmanipulierter Soja und Mais an Kühe und Schweine auch in der Schweiz verfüttert, steht der nächste Lebensmittelskandal vor der Tür.»
Im Vergleich zum gesamten Futtermittelimport (383 595 Tonnen im Jahr 2004) ist in der Schweiz der GVO-Anteil zwar noch klein. Doch wer die 2101 Gentech-Tonnen eingeführt und an die Bauern verkauft hat, weiss allein der Staat. Die Oberzolldirektion will die Namen der Importeure nicht bekannt geben. In offiziellen Statistiken des BLW findet sich zwar detailliert, wie viele Kühe kalbten und wie viele Esel in der Schweiz wie gehalten werden, doch die Gentech-Importe werden nicht veröffentlicht. «Das ist nicht Aufgabe des BLW», sagt Hardegger.
Weltweit geht die Saat der Gentech-Konzerne auf. Bereits 56 Prozent aller angepflanzten Sojabohnen sind genverändert. Die Anbaufläche hat sich in den letzten vier Jahren auf 80 Millionen Hektaren verdoppelt - das entspricht19-mal der Fläche der Schweiz.
Die ETH Zürich fand Anfang 2005 bei Hühnern, die Gen-Mais erhalten hatten, keine Spuren mehr im Fleisch. Greenpeace Deutschland hingegen veröffentlichte im Sommer 2004 Forschungsergebnisse der Universität Weihenstephan (D), die erstmals GVO in der Milch fand.
Die Futtermittelbranche gibt sich überrascht über die Importzahlen. Heinz Mollet vom Branchenriesen Fenaco bestätigt aber: «Gentech-Futtermittel sind im Ankauf 10 Prozent billiger. Doch wir können es uns nicht leisten, Bauern damit zu beliefern. Der Imageschaden wäre riesig.»
Migros und Coop verbieten dies ihren Zulieferern ebenfalls.
Bund hält eine Deklarationspflicht für unnötig
Tatsache ist: Das ungewollte Futter wird den Tieren vorgesetzt. Doch auf den daraus produzierten Lebensmitteln muss dies auch künftig nicht angeschrieben werden. Das Bundesamt für Gesundheit will im neuen Lebensmittelgesetz per Anfang 2006 keine solche Deklarationspflicht und marschiert damit Seite an Seite mit der EU. Marianne Künzle von Greenpeace ist empört: «Ist Gentech-Futter nicht deklariert, wird den Konsumenten schlicht die Wahlfreiheit genommen.»
Initiative fordert Anbaustopp
Am 27. November 2005 entscheiden die Schweizer Stimmbürger, ob sie den Anbau von Gentech-Pflanzen für die nächsten fünf Jahre verbieten wollen. Dies fordert die Gentechfrei-Initiative. Die Frage des Gentech-Anbaus ist dringend: Zurzeit befinden die zwei Bundesämter für Gesundheit und Landwirtschaft, ob die Schweiz den Anbau von Gentech-Raps des US-Konzerns Monsanto als Tierfutter und als Lebensmittel bewilligen soll. Weiterhin erlaubt bleibt der Futtermittelimport, da die Initiative mit einem Verbot gegen die Handelsrichtlinien der Welthandelsorganisation WTO verstossen würde und ungültig wäre.
Gentech-Land Schweiz: Obwohl offiziell gentechfrei, fressen Nutztiere tonnenweise manipuliertes Futter
14. September 2005 | Marc Meschenmoser
