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Artikel | saldo 13/2005

So vergessen Sie kein Passwort

Mit Computer-Passwörtern ist das so eine Sache. Um Hacker abzuhalten, sollten sie kompliziert sein. Bloss: Wie merkt man sie sich dann? Hier fünf Tipps.

Das ideale Passwort besteht aus einer sinnfreien Kombination von mindestens acht Zeichen, Gross- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Dazu sollte man es sich nirgends aufschreiben. Wer das beherzigt, gelangt zu Zeichenketten wie «W.&7,ö%Ay?Z». Um diese zu knacken, brauchen Hacker bei den sichersten Betriebssystemen statistisch eine Ewigkeit: sage und schreibe 155 Millionen Jahre sind es gemäss Passwortprüfer des Kantons Zürich in diesem Fall. Fragt sich bloss, wie merkt man sich solche Kombinationen? Gewisse Menschen haben ein fotografisches Gedächtnis. Die müssen nicht weiterlesen. Für alle anderen helfen folgende Gedankenstützen:

1. Schreiben Sie Dialekt ... und gebrauchen Sie Abkürzungen. «Ich mag mehr Spaghetti» heisst auf Berndeutsch ungefähr «I ma me Spagis». Ersetzen Sie jetzt noch das grosse I am Anfang durch die ähnlich aussehende Ziffer 1 und Sie haben ein Passwort erster Güte: «1MaMeSpagis». Um diese Kombination zu knacken, bräuchten Hacker laut Passwortprüfer mindestens ein Jahr. Den hochdeutschen Bandwurm «ichmagmehrspaghetti» entzaubern vife Eindringlinge indes schon nach sechs Stunden. Grund: Derlei Wörter stehen in elektronischen Nachschlagewerken, mit denen Hacker ihre Angriffe auf fremde Rechner starten. Wenn Sie also unbedingt ein hochdeutsches Passwort wählen, dann missachten Sie wenigstens die Rechtschreibung.

2. Richten Sie Sprachensalat an. Sprechen Sie Türkisch oder Finnisch? Gut. Dann tischen Sie Hackern ein Kauderwelsch auf. Je mehr Wörter aus verschiedenen Sprachen Sie zu Ihrem persönlichen Esperanto verschmelzen, desto besser. Wenn Sie es geschickt anstellen, dürfen Sie sogar das dümmste aller Passwörter verwenden: ihr Geburtsdatum. Aus «ich habe am 23. Geburtstag» machen Sie «JeHaveGeburiLe23». Noch besser ist allerdings die phonetische Variante mit zusätzlichen Sonderzeichen: «SchöHäfG Lö23». Es dürfte Ihnen nicht schwer fallen, sich dieses Kennwort zu merken. An dieser Kombination könnten PC-Spione statistisch gesehen elf lange Jahre knabbern.

3. Übersetzen Sie wörtlich. Wörtliche Übertragungen deutscher Redewendungen in eine andere Sprache liefern köstlichen Unfug, der gut in Erinnerung bleibt. «Auf dem Holzweg sein» hiesse auf Englisch «To be on the woodway», «über den Tisch ziehen» «to pull over the table». Machen Sie daraus «2Pu11OverTable» - ein starkes Passwort. Bei diesem dürfen Sie sogar ein Tabu brechen und sich die deutsche Redewendung als Gedächtnisstütze aufschreiben.

4. Verballhornen Sie Bekanntes. Fast jeder kennt «Harry Potter und der Stein der Weisen». Wer aber kennt «Harry Potter und das Schwein der Greisen»? Bilden Sie aus dieser Verulkung: «+DasSchwein DerGreisen». Solche Satzschöpfungen vergisst man nicht so leicht. Zudem sind sie selbst für neugierige Bürokollegen kaum zu erraten. Der Nachteil: Profihackern halten solche Passwörter nicht lange stand.

5. Machen Sie es klassisch. Wählen Sie einen Satz wie «sonntags um 16 Uhr gibts bei uns Kaffee und Kuchen». Aus dem ersten Buchstaben jedes Wortes lässt sich eine scheinbar sinnfreie Zeichenkette erzeugen. So ergibt sich «Su16gbuK&K».

Sicherheitsexperten raten, sich alle paar Monate ein neues Passwort auszudenken. Kein Problem mehr. Jetzt wissen Sie ja, wie's geht.



Testen Sie Ihr Passwort

Ein Passwortprüfer gibts auf der Homepage des Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürichs. Das Programm analysiert die Qualität Ihrer Passwörter und bewertet sie mit «stark», «brauchbar» oder «schwach». Geben Sie beim Test aber keine Passwörter ein, die Sie tatsächlich verwenden. Benutzen sie stattdessen solche, die gleich lang und ähnlich aufgebaut sind.
https://passwortcheck.datenschutz.ch/check.php



Strenge Richtlinien bei Banken und Versicherungen

Kundendaten müssen bei uns sicher sein», sagt Olivier Michel von der Zürich Versicherung. Deshalb haben gerade Banken und Versicherungen Richtlinien für Passwörter erlassen. «Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie Passwörter verwenden, die unseren Sicherheitsstandards genügen», sagt Hansjörg Leibundgut von der Allianz Suisse. Wer die Regeln nicht beachtet, muss mit Folgen rechnen. «Falls durch ein untaugliches Passwort vertrauliche Daten öffentlich würden, könnte der Mitarbeiter zur Verantwortung gezogen werden», sagt Michel. Gleich klingt es bei der Credit Suisse: «Die Missachtung der Passwortvorschriften hat Sanktionen zur Folge», sagt Georg Söntgerath.

31. August 2005 | Franco Tonozzi


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