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Artikel | Gesundheits-Tipp 6/2005

"Haie sind meine Haustiere" - Erich Ritter, 47

Über 6000 Begegnungen hatte Erich Ritter bereits mit Haien. Eine kostete ihn die Wade, ein Hai packte ihn am Kopf. Doch noch immer hat er keine Angst.

Herr Ritter, sind Sie lebensmüde?
Nein, überhaupt nicht. Meine Tätigkeit scheint vielleicht riskant, doch ich weiss, wie weit ich gehen kann.
Offenbar nicht immer: Vor drei Jahren hatten Sie einen Unfall - ein Hai biss Ihnen die Wade ab.
Ja. Sucht man die Nähe zu diesen Tieren, können Unfälle geschehen. Meist erleide ich aber bloss Kratzer. Ein Hai packte mich auch schon am Kopf. Ich habe ihn aber einfach machen lassen. Danach hatte ich nicht mal eine Schramme.
Ihr Fuss ist aber seit dem schweren Unfall lahm.
Ja, das stimmt. Beim Schwimmen hängt der Fuss nun ein bisschen herum, aber das ist kein Problem.
Sie fütterten Haie im knietiefen Wasser, als es zur Attacke kam. War das nicht fahrlässig?
Nein, überhaupt nicht. Das habe ich schon sehr oft gemacht. Der Unfall geschah, weil ein Mitarbeiter seinen Job nicht richtig machte. Er hätte mich warnen sollen, dass ein Hai von hinten kommt. Dies tat er aber nicht. Damals hatte ich wirklich Glück, dass ich schnell behandelt wurde. Weil der Hai eine Arterie anriss, verlor ich innert Kürze die Hälfte meines Blutes.
Machte das den Hai nicht wild? Blut zieht Haie ja bekanntlich an.
Nein, Menschenblut ist für Haie uninteressant. Zur Zeit des Unfalls schwammen 15 Bullenhaie um mich herum. Doch keiner reagierte.
Sie schwimmen ohne zusätzlichen Schutz mit weissen Haien - als weltweit einer von wenigen. Warum?
Ich brauche kein Gitter zwischen mir und dem Hai. Es ist ein Aberglaube, dass Haie grundsätzlich gefährlich sind für den Menschen. Es gibt nur gefährliche Situationen - und die machen wir Menschen. Interpretiert man die Körpersprache der Tiere richtig, ist die Begegnung mit ihnen eine absolut schöne Sache. Haie sind hochsensible Tiere.
Gibt es bei Ihrer Arbeit Situationen, in denen Sie Angst haben?
Nein, aber ich arbeite vorsichtig. Ich tauche oft ohne Sauerstoffflasche, denn das Geräusch des Ausatmens könnte den Hai erschrecken. Und ich merke zum Beispiel, wenn das Tier nervös wird.
Wie merken Sie das?
Der Hai beginnt, schneller zu schwimmen, und braucht die Brustflosse intensiver. Er ist so mobiler und kann schneller wegschwimmen.
Sie beschäftigen sich schon Ihr ganzes Leben mit Haifischen. Was fasziniert Sie an diesen Tieren?
Ich fühle mich mit ihnen verbunden. Andere haben Haustiere und erleben dasselbe. Schwimme ich mit den Haien, fühle ich mich wie in einer anderen Zeit. Diese Tiere gibt es schon seit so vielen Millionen von Jahren. Sie strahlen für mich Weisheit aus.
Sie geniessen es, mit Haien zu schwimmen. Was soll man aber tun, wenn man sich diese Tiere eher vom Leib halten will?
Sicher nicht im Wasser planschen, schreien und dazu nervös herumzappeln. Der Hai könnte meinen, es handle sich um ein verletztes Tier, und entsprechend näher kommen. Begegnet man einem Hai, ist es am besten, wenn man sich in die senkrechte Position begibt, ruhig bleibt und nicht versucht wegzuschwimmen. Man sollte sich entspannen.
Entspannen? Ist das ein Witz?
(Er lacht) Ja, es ist vielleicht schwierig, wenn man Angst hat, aber es hilft. Um sich zu beruhigen, kann man die Schwanzschläge des Tiers zählen. Wichtig ist, dass man einen ruhigen Puls behält. Ist der Puls hoch, überträgt sich dies auf das umgebende Wasser. Das merken Haie und das macht sie neugierig.



Erich Ritter

Schon mit sieben war für ihn klar, dass er Haiforscher werden wollte. Als Chefwissenschaftler untersucht Erich Ritter heute für die Organisation «Global Shark Attack File» regelmässig Haiunfälle und deren Ursachen. Die meiste Zeit verbringt der 47-Jährige mit Forschungsprojekten auf den Bahamas und in Südafrika. Er ist zudem Leiter einer Haischule, die Haireisen für jedermann anbietet. Er lebt mit Frau und Tochter in Florida.

08. Juni 2005 | Gabriela Braun


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