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Artikel | K-Tipp 8/2005

«Wir kommen wegen dem Telefonkabel»

Sunrise-Werber geben sich an der Wohnungstür als Mitarbeiter der Swisscom aus. Und erschleichen so Unterschriften für Abo-Verträge.

«Wir kommen wegen dem Telefonkabel»

Sunrise-Agenten mit Wildwest-Methoden» titelte der K-Tipp in Ausgabe 3/03. Der Vorwurf damals: Die Verkäufer erschleichen Unterschriften mit Tricks und Täuschungen und machen die Opfer so zu Telefonkunden von Sunrise.

Eine Sunrise-Sprecherin sagte damals, für den Direktvertrieb gebe es «strenge Verhaltensregeln».

Neuste Reklamationen von K-Tipp-Leserinnen und -Lesern zeigen: Diese Regeln haben sich nicht durchgesetzt. Neuerdings geben sich Sunrise-Werber unverfroren als Mitarbeiter der Swisscom aus oder behaupten fälschlicherweise, in Kooperation mit Swisscom tätig zu sein.

Otto Furrer aus Wetzikon ZH zum Beispiel sagt: «Ein Mann klingelte und gab sich als Swisscom-Mitarbeiter aus. Er bearbeitete uns so lange, bis ich den Vertrag unterschrieb. Erst als er wieder gegangen war, bemerkte ich, dass es sich um ein Sunrise-Abonnement handelte.»

Bei Susanne Bachmann aus Bern standen die Werber am 22. Februar vor der Tür. «Sie gaben an, sie kämen im Auftrag der Swisscom. Es gehe um eine Änderung des Telefonanschlusses, der neu über ein Glasfaserkabel laufen würde.»

Die vermeintlichen Techniker - in Wahrheit Mitarbeiter der für Sunrise tätigen Firma Ranger - hielten der verdutzten Bernerin einen unleserlichen Ausweis kurz unter die Nase und verlangten eine Unterschrift für die Bestätigung der Umschaltung. «Der Mann versuchte, den Inhalt des Formulars mit der Hand abzudecken. Ich merkte jedoch, dass es sich um einen Vertrag für ein Sunrise-Abo handelte.»

Anschliessend versuchten es die Werber gleich in der Nachbarwohnung: «Ich habe sie zur Rede gestellt. Da wurden sie ziemlich unfreundlich und meinten: "Gehen Sie weg, Sie haben Ihre Chance gehabt."»

Nicht nur Sunrise-Werber wollen neue Kunden mit Tricks gewinnen, sondern auch Agenten, die für den Telefonanbieter Tele2 unterwegs sind.


Unterschrift des «Kunden» gefälscht

Im Januar erhielt Rose-Marie Müller Thüring aus Bettlach SO Besuch von einem Tele2-Akquisiteur. «Er zeigte mir eine Telefonabrechnung von Swisscom und behauptete, Tele2 und Swisscom würden zusammenarbeiten.»

Doch Müller Thüring wollte an der Haustür nichts unterschreiben. «Ich forderte den Mann auf, das Antragsformular bei mir zu lassen, damit ich in Ruhe entscheiden könne. Daraufhin wurde er aggressiv und verliess verärgert das Haus.»

Margrith Ravaioli aus Zürich wurde auf der Strasse angesprochen: «Sind Sie bei Swisscom? Ja? Sie können gratis telefonieren, wenn Sie jetzt unterschreiben.» Die 80-jährige Zürcherin unterzeichnete. Erst ihre Tochter machte sie darauf aufmerksam, dass sie einen Vertrag mit Tele2 geschlossen hatte. Die Zeitschrift Saldo berichtete kürzlich gar von einem Fall, in dem ein Tele2-Werber die Unterschrift des angeblichen Neukunden fälschte.
Bei Sunrise und Tele2 versucht man, die Vorkommnisse herunterzuspielen.
Tele2-Geschäftsführer Roman Schwarz spricht von Einzelfällen: «50 Reklamationen schauen nach viel aus, wenn man jedoch bedenkt, dass wir pro Jahr fast 100 000 Neukunden holen, ist das ein sehr kleiner Prozentsatz.» Man akzeptiere aber keine Mogeleien.


Swisscom hat Sunrise eingeklagt

Auch Sunrise-Mediensprecher Mathieu Janin sagt, es handle sich um einige wenige schwarze Schafe, und verweist auf strenge Richtlinien, die für das Verhalten von externen Werbern angelegt würden. Allerdings räumt Janin Probleme ein. «In Genf haben wir der für uns tätigen Firma Ranger verboten, weiterhin für Sunrise zu akquirieren.»

Die Swisscom hat nun vor Zivilgericht Klage gegen Sunrise eingereicht. «Sunrise soll unter Strafandrohung verboten werden, den Eindruck zu vermitteln oder wörtlich zu behaupten, Sunrise handle im Auftrag von Swisscom, sei eine Tochtergesellschaft oder Billigtelefonlinie der Swisscom oder die Agenten handelten im Auftrag der Swisscom», bestätigt Mediensprecher Sepp Huber.

Auch Tele2 sei von Swisscom bereits mehrfach verwarnt worden. «Sollte sich die Situation nicht umgehend verbessern, werden wir auch hier Klage einreichen», droht Sepp Huber.



«Die Sunrise-Werber gaben an, sie kämen im Auftrag der Swisscom»
Susanne Bachmann

20. April 2005 | Bernhard Matuschak - redaktion@ktipp.ch


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