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Was bei Computern schon fast normal ist, kann auch bei Handys passieren: Sie werden von Viren angegriffen. Experten rechnen mit einer Verschärfung des Problems.
Cabir ist erst neun Monate alt und kein Freund von Mobiltelefonen: Cabir ist ein Virus. Bereits in zwölf Ländern sollen er und 30 andere Kollegen wüten und Handys attackieren. Die meisten dieser Informationen stammen allerdings von Sicherheitsfirmen im IT-Bereich, die aus der Angst vor solchen Viren Profit schlagen. Beispielsweise die Firma F-Secure Deutschland: Sprecherin Barbara Proske wehrt sich vehement gegen den Vorwurf der Panikmache: «Dass wir über dieses Problem informieren, ist eine Selbstverständlichkeit.»
Orange bietet Virenschutzprogramm für Handys an
Um seine Handy-Kunden vor Angriffen zu schützen, offeriert nun Orange als erster Schweizer Telekomanbieter ein Virenschutzprogramm, das laufend aktualisiert werden soll. Wie viel dieser Service kostet, will das Unternehmen allerdings erst in den nächsten Wochen bekannt geben.
Weil in der Schweiz bisher noch kaum solche Fälle bekannt geworden sind, sieht man bei Sunrise und Swisscom derzeit noch keinen Bedarf für ein Handy-Antiviren-Abo. Swisscom-Sprecher Sepp Huber: «Zusammen mit den Herstellern beobachten unsere Spezialisten die Situation ganz genau, damit wir im Notfall schnell reagieren können.» Um mögliche Schäden wie zum Beispiel blockierte Handy-Tastaturen zu vermeiden, raten Swisscom und Sunrise, die gleichen Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, wie sie bei Computern gelten.
Eine grössere Gefahr sehen IT-Spezialist Matthias Zehnder von der Fachzeitschrift «Anthrazit» und andere Experten derzeit im Diebstahl per Datenfunk: Hacker können etwa die Agenda oder die Kontaktliste von einem Handy lesen und kopieren.
Ein weiteres Risiko ist die Umleitung der Kommunikation auf kostenpflichtige Dienste: So kann ein Virus alle Gespräche und Kurzmitteilungen auf eine teure 0900er-Nummer legen. Oder der Virus manipuliert die Software des Handys so, dass dieses permanent Kurzmitteilungen verschickt. Den Schaden hat der Kunde in Form einer enormen Rechnung.
Konsumenten als Tester für die Industrie
Ob und wann Mobiltelefone im grossen Stil von Viren attackiert werden, wagen die Spezialisten nicht zu sagen. Sie sind sich aber einig, dass das Problem an Bedeutung gewinnen wird. «Je mehr Handy und Computer miteinander verschmelzen, desto grösser wird das Gefahrenpotenzial», erklärt Matthias Zehnder.
Ähnlich wie bei Computerviren müssen die Konsumenten Sicherheitsmängel ausbaden, für welche die Industrie verantwortlich ist. Ein schwacher Trost: Wer sein Handy nur zum Telefonieren braucht, bleibt von Viren verschont.
So haben Viren wenig Chancen
Anfällig auf Viren sind vor allem Handys der neusten Generation. Mit den sogenannten Smartphones können die Besitzer längst nicht mehr nur telefonieren, sondern auch fotografieren und Bilder und Daten übermitteln. Die Geräte werden immer mehr zu Minicomputern, mit denen man nebenbei noch telefonieren kann.
Die Modelle der neuen Generation nehmen nicht nur über das Mobilfunknetz Kontakt mit anderen Geräten auf, sondern auch über die Datenfunktechniken Bluetooth und GPRS sowie seit kurzem über UMTS-Datenverbindungen und WLAN-Netze. Im Umkreis von 10 Metern können die Viren von Gerät zu Gerät überspringen. Damit der Angriff aber erfolgreich ist, braucht es eine Bestätigung durch den Benutzer. Dank geschickter Tarnung - etwa als vermeintliches Sicherheitsprogramm, kann das aber genau so schnell und unwissentlich passieren wie beim Computer. Deshalb gelten auch die gleichen Sicherheitstipps: Keine Programme unbekannter oder zweifelhafter Herkunft herunterladen, wichtige Daten anderswo abspeichern und Smartphones vorsichtshalber mit Anti-Virenprogrammen schützen.
13. April 2005 | Stephan Dietrich
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