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Artikel | Haus & Garten 2/2005

Wo Express-Briefe und A-Post-Pakete gratis sind

Bei den kostenlosen Maildiensten hat Web.de die Nase vorn. Das Angebot von Sunrise schützt kaum vor Viren und Spam.
Es wird im SPEZIAL-Test auf den letzten Platz verwiesen.

E-Mail ist die mit Abstand wichtigste Nutzung des Internets. Das zeigen die regelmässig durchgeführten Nutzungsstudien der AG für Werbemedienforschung immer wieder.

SPEZIAL hat neun so genannte Freemaildienste - also kostenlose E-Mail-Angebote - unter die Lupe genommen. Der Test belegt die grosse Bandbreite zwischen den einzelnen Angeboten: vom «sehr guten» Freemaildienst von www.web. de bis zu den insgesamt «ungenügenden» Gratisangeboten von Sunrise (www.freesurf.ch) und Microsoft (www.hotmail. com).


Die Resultate im Detail:

- Anmeldung/Konfiguration
Eine anonyme Registrierung ist je nach Zweck für den Benutzer wünschenswert. Einzig die Post (www.postmail.ch) und Cablecom (www.hispeed.ch und www. swissonline.ch) erlauben keine anonyme Registrierung. Die Post schickt einen Aktivierungscode an die vom Neukunden angegebene Wohnadresse. Wird das Mailkonto damit nicht innert 40 Tagen aktiviert, verfällt es. Bei Cablecom muss man seine Handynummer und/oder seine korrekte Wohnadresse angeben. Hat man sein Passwort vergessen, wird ein neues per SMS oder Briefpost zugestellt. Wer keine oder falsche Angaben macht, kann nicht zu einem neuen Passwort kommen. Sein Mailkonto verfällt.

Einige Dienste wie zum Beispiel Yahoo verlangen ausdrücklich «wahrheitsgemässe» Adress- und Namensangaben. Sie drohen mit der Löschung des Kontos, falls falsche Angaben gemacht werden.

Die insgesamt «guten» Freemaildienste von Arcor, Freenet und Yahoo richten sich an deutsche Kunden. Schweizer Nutzer müssen bei der Anmeldung eine deutsche Fantasieadresse mit fünfstelliger Postleitzahl angeben.

Bei der Passwortsicherheit hat SPEZIAL geprüft, ob bei der Wahl des Passworts eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen gefordert wird. Abzüge gabs, wenn ein Dienst ein Passwort akzeptierte, das identisch ist mit dem Benutzernamen.

Immer wieder vergessen Nutzer ihr Passwort. Dann ist die Passworthilfe gefragt. Die meisten Dienste mailen dem Vergesslichen das Passwort nach Beantwortung einer selbst gewählten Frage, die man bei der Registrierung angeben musste.

Postmail-Kunden erhalten ihr Passwort per Briefpost zugestellt.

- Sicherheit
Laufend machen Berichte über neue Viren und Würmer die Runde. Mailboxen werden zunehmend mit Spam verstopft. Ein guter Schutz vor Spam und Viren ist deshalb ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines bestimmten Freemaildienstes.

Die vier besten Freemailanbieter haben ihre Dienste mit einem Virenschutz und Spamfiltern ausgestattet. Mailanhänge werden teils automatisch, teils auf Wunsch des Kontoinhabers nach Viren und Würmern gescannt.

Die einfachsten Filter zur Abwehr von Spam sind so genannte Black- und Whitelists. In eine Blacklist trägt der Nutzer Absenderadressen ein, von denen er keine Mail annehmen will; in die Whitelist gehören hingegen erwünschte Absender. Die besten Dienste setzen auf zusätzliche Filter.

Die Post hat nach eigenen Angaben nach der Durchführung des SPEZIAL-Tests den Spamschutz ausgebaut und neu einen Virenschutz eingeführt.

Bei der sicheren Datenübertragung SSL (erkennbar an https:// statt http:// in der Adresszeile) gibt es mehrere Varianten. Einzelne Freemaildienste verzichten ganz auf diese Technologie. Andere erlauben eine Verschlüsselung nur während des Einloggens, und das Abrufen der Mails ist dann nicht verschlüsselt. Und bei den dritten können Mails über ein auf dem PC des Benutzers installiertes Mailprogramm verschlüsselt abgerufen werden.

Am besten fährt, wer seine Mails auch via Internetbrowser verschlüsselt abrufen kann. Das erlauben neben den erstplatzierten Web.de und Arcor nur die Dienste der Post und der Cablecom.

- Speicher
Für die Benotung dieses Kriteriums hat SPEZIAL die maximale Datenkapazität des Postfachs sowie die erlaubte Maximalgrösse von Anhängen erhoben.

Nur in diesem Kriterium mischt Testsieger Web.de nicht ganz vorne mit. Mit einer Postfachgrösse von 12 Megabyte (MB) und der Möglichkeit, Anhänge von 4 MB Grösse zu senden und zu empfangen, liegt der Anbieter im Mittelfeld.

Beim Microsoft-Freemaildienst Hotmail ist die Postfachgrösse mit lediglich 2 MB ungenügend. Und Anhänge dürfen höchstens 1 MB schwer sein - unabhängig davon, ob man sie sendet oder empfängt. Das ist bei Dateien wie Bilder, Powerpoint-Präsentationen oder Video-Clips oft zu wenig.

Besonders ärgerlich: Bei Hotmail gibts unterschiedliche Angaben zur Postfachgrösse. Während auf der Einstiegsseite die maximale Grösse mit 2 MB angegeben wird, ist in der Hilfefunktion von 10 MB die Rede. Demnach wären auch Anhänge bis zu einer Grösse von 10 MB möglich.

SPEZIAL hats ausprobiert. Mehr als 2 MB Postfachinhalt akzeptierte Hotmail nicht. Und Anhänge, die grösser als 1 MB waren, konnten weder gesendet noch empfangen werden.

Der Speicherkönig im SPEZIAL-Test ist GMX. Der Provider bietet 1 Gigabyte Speicherplatz, gefolgt von Yahoo und Arcor.

- Komfort/Ausstattung
Bei den Kriterien «Komfort» und «Ausstattung» ging es um Funktionen wie die automatische Weiterleitung von Mails und den Mailabruf über ein auf dem PC installiertes Mailprogramm (siehe Tabelle). Wichtig für die Note im Teilkriterium «Ausstattung» war auch die Vorhaltezeit von Mail und Konto: Nach wie vielen Tagen wird eine Mail und nach wie vielen Tagen gar das ganze Konto automatisch gelöscht, wenn man sich nicht einloggt?

Erschreckend ist der Befund beim Microsoft-Dienst Hotmail. Wer sich 30 Tage lang nicht in sein Mailkonto einloggt, verliert sämtliche E-Mails. Nach insgesamt 120 Tagen wird das ganze Konto gelöscht.

- Übersichtlichkeit
Dieses Teilkriterium bewertete die Benutzerfreundlichkeit der Darstellung. Wie einfach findet man sich auf der Site zurecht? Ist das Log-in gut sichtbar? Hat es viele störende Werbebanner? Findet man die Kontoeinstellungen problemlos?
Ungenügend schnitt dabei einzig Yahoo ab. Die Navigation ist unübersichtlich, die ganze Site wirkt überladen.

Aus dem Vergleich gekippt wurde der Bluewin-Freemaildienst www.bluemail.ch. Da er weder einen Viren- noch einen Spamschutz bietet, hätte er ungenügend abgeschnitten. Seit Anfang März gibt es bei Bluewin keine kostenlose E-Mail mehr (siehe K-Tipp 5/04).



Die wichtigsten Regeln im E-Mail-Verkehr

- Die Betreffzeile sollte konkrete Inhaltsangaben enthalten: Der Empfänger kann so beim Bearbeiten der Mails Prioritäten setzen.
- Bei geschäftlichen Mails immer eine Anrede verwenden.
- Keine überlangen Mails schreiben. Kurze Abschnitte machen.
- Rechtschreibung beachten: Mails mit Rechtschreibfehlern wirken schludrig.
- Mit Sonderzeichen sparsam umgehen: Sie werden beim Empfänger häufig nicht korrekt dargestellt.
- Signatur nicht vergessen: Sie entspricht der Unterschrift in einem Brief. Bei geschäftlichen Mails mindestens Name und Mailadresse angeben, evtl. Funktion, Telefon- und Faxnummer.
- Humor und Ironie zurückhaltend einsetzen.
- Keine Wörter ausschliesslich in Grossbuchstaben schreiben: Sie können als Schreien interpretiert werden.
- Anhänge komprimieren: Wer ein Attachment komprimiert (zum Beispiel mit Winzip), verkürzt die Abrufzeit des Empfängers. Abklären, ob der Empfänger die Daten auch dekomprimieren kann.
- Zurückhaltung bei «Antwort an alle»: Hat der Absender seine Mail an mehrere Empfänger gerichtet, Antwort nur wenn nötig an den ganzen ursprünglichen Empfängerkreis mailen.
- Blindkopie verwenden: Bei einer Mail an mehrere Empfänger die Funktion BK (Blindkopie, BCC) des Mailprogramms verwenden, eigene Adresse als Empfänger eintragen. So werden die Mailadressen der Empfänger nicht beliebig weitergegeben.
- Keinen Spam und keine Kettenbriefe verbreiten.

23. März 2005 | Patrick Gut


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