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Artikel | saldo 1/2005

Gute Besserung ohne Aufpreis

Apotheker verlangen neu höhere Taxen. Doch eine Apotheke zeigt, dass es auch anders geht - zum Ärger der Konkurrenz und zum finanziellen Wohl der Patienten.

Den Schweizer Apotheken stehen stürmische Zeiten bevor: Nicht weniger als 164 Millionen Franken an zusätzlichen Taxen kassierten sie 2004. Nicht so die Grossapotheke Sun Store: «Schlau einkaufen und sparen! Helfen Sie mit, die Gesundheitskosten zu senken», heisst es am Eingang der Sun Store-Apotheke in der Autobahnraststätte Würenlos AG. Wie die beiden Schweizer Versandapotheken Zur Rose und Mediservice (saldo 5/04) verlangt die Westschweizer Kette weder eine Patientenpauschale (Fr. 4.30 für jedes rezeptpflichtige Medikament) noch die alle drei Monate fällige Apothekenpauschale von Fr. 9.20 zur Führung eines Patientendossiers.


Sun Store: Den Apothekern ein Dorn im Auge

Diese Pauschale ist gegenüber letzem Jahr um über 20 Prozent teurer geworden. Vereinbart wurden die Taxen zwischen der Krankenkassenvereinigung Santésuisse und dem Schweizerischen Apothekerverband. Doch damit nicht genug: Gewisse Patientinnen und Patienten werden über eine neue Pauschale noch stärker zur Kasse gebeten.

Für die Apotheker sind solche Taxen zu einer stolzen Einnahmequelle geworden, auf die sie nicht verzichten wollen. Kein Wunder, gilt Sun Store als rotes Tuch der Branche. «Da wird die Arbeit des Apothekers verschenkt», wettert Marcel Mesnil, Generalsekretär des Schweizerischen Apothekerverbands. Das sei «Dumping auf Apothekerleistungen». Mesnil wirft dem ungeliebten Konkurrenten vor, den Apothekenbereich durch den grösseren Drogerie- und Parfümeriebereich quer zu subventionieren.


10 Prozent Rabatt auf einen Grossteil des Sortiments

«Mesnil weiss nicht, wovon er spricht», kontert Sun Store-Besitzer Marcel Séverin - «es gibt Leute, die schwatzen, und Leute, die handeln.» Séverin gründete seine bisher vor allem in der Westschweiz tätige Kette 1972 und erweiterte sie seither ständig. Inzwischen ist das Unternehmen mit 1300 Angestellten, über 60 Filialen und einem jährlichen Umsatz von 255 Millionen Franken hinter der Berner Firma Galenicare die Nummer zwei im Schweizer Apothekenmarkt.

Zu den Verkaufsargumenten von Sun Store gehört neben dem Verzicht auf Taxen und Pauschalen auch eine VIP-Karte, dank der man auch auf nicht rezeptpflichtige Medikamente und Drogerieprodukte 10 Prozent Rabatt erhält. Gewisse Abstriche müssen Sun Store-Kunden dafür bei der Beratung machen, wie eine saldo-Stichprobe zeigt (siehe Seite 14).


Krankenkassen: Zusammenarbeit mit Sun Store

Im Kanton Genf hat die Apothekervereinigung versucht, gerichtlich gegen die Verkaufspraxis von Sun Store vorzugehen - allerdings vergeblich. Doch die Genfer Apotheker geben sich noch nicht geschlagen und wollen die Angelegenheit weiterziehen: Sie wehren sich dagegen, dass Krankenkassen ihre Mitglieder auf diese Sparmöglichkeit aufmerksam machen und zum Medikamentenkauf bei Sun Store animieren.

So auch die KPT: «Sparen Sie beim Kauf von Medikamenten», heisst es in der neusten KPT-Kundenzeitschrift. Die Kasse will ihre Versicherten zum Kauf bei Sun Store bewegen; die Werbung ist Teil eines Vertrags zwischen der welschen Apothekenkette und dem Versicherer.

Die meisten Kassen haben eine solche Vereinbarung mit Sun Store getroffen. Santésuisse hat gegen solche Praktiken nichts einzuwenden. Sprecher Yves Seydoux. «Es ist jeder Kasse überlassen, spezielle Verträge abzuschliessen.»




Immer neue Gebühren

Zusätzlich zur Erhöhung der Apothekentaxe hat der Schweizerische Apothekerverband per Anfang Jahr eine Compliance-Pauschale eingeführt; diese ist für Versicherte gedacht, die regelmässig mindestens drei rezeptpflichtige Medikamente einnehmen müssen und mit dem Einhalten der ärztlichen Verordnung (Compliance) Mühe haben.

Als Hilfsmittel dient ein persönlicher Wochen-Dosierbehälter, in den die Apotheke die verschriebenen Medikamente nachfüllt. Wöchentlicher Kostenpunkt für diesen Service: Fr. 21.60. Bei Sun Store ist diese Dienstleistung gratis; auch die Notfallpauschale von Fr. 17.30 fällt weg.

19. Januar 2005 | Stephan Dietrich


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