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Werbegag oder technische Revolution? SPEZIAL hat vier Staubsaug-Roboter einem Praxistest unterzogen. Sie unterscheiden sich erheblich in Leistungsfähigkeit und «Intelligenz».
Vier Roboter - vier Übernamen. Aufgrund ihrer spezifischen - positiven und negativen - Eigenschaften sind die geprüften Sauger von SPEZIAL benamst worden.
Der Panzer
Wer den Roomba Robotic Floor Flac in die Wohnung lässt, sollte sicherstellen, dass keine Ming-Vase herumsteht. Das mit dem Geräuschpegel eines kleinen Panzers daherkommende Monster walzt alles nieder, was ihm unter die Räder kommt. Es rast blindlings gegen Wände und Mobiliar und kann auch Stufen nicht ohne weiteres erkennen. Mit einer Lichtschranke oder einem Magnetstreifen - der als Zubehör mitgeliefert und vor dem Einsatz des Roboters installiert wird - muss man ihm Grenzen setzen. Sonst rattert der Saugroboter unweigerlich in sein Verderben.
Wie die anderen Modelle kommt auch der Roomba im Ufo-Look daher, was zu Problemen bei der Reinigung von Zimmerecken führt. Der Hersteller hat das Gerät deshalb mit einer ausfahrbaren Bürste ausgestattet. Der Nachteil des Hilfsmittels offenbart sich beim Haferflocken-Test. Der temperamentvolle Sauger fährt wie ein Derwisch in das Flockenhäufchen und verteilt die Brösel mit seiner Bürste erst einmal im ganzen Raum. Das Aufsaugen dauert dann entsprechend länger. Ein weiterer Nachteil: Er lädt sich nicht von selbst auf. Ist der Akku leer, muss der Roomba an die Steckdose. Immerhin ist er mit knapp 450 Franken vergleichsweise günstig, in der Reinigungsleistung steht er seinen Konkurrenten nicht nach. Aber man sollte den «Panzer» bei der Arbeit nie unbeaufsichtigt lassen.
Das Heinzelmännchen
Im Vergleich zum Roomba ist der RC 3000 Robocleaner von Kärcher ein Softie. Der gelbe Roboter arbeitet äusserst geräuscharm und bewegt sich vorsichtig durch den Wohnbereich. Er kann Treppen (vor denen er Halt macht) von Türschwellen (die er überfährt) unterscheiden und erkennt Hindernisse. Die Vase wird zwar leicht touchiert, aber nicht umgestossen. Seine flache Bauweise (10 cm Höhe) lässt den Sauger auch vor niedrigen Möbelstücken nicht aufgeben. Dank Sensortechnik und Festfahrprotektoren befreit er sich auch aus scheinbar aussichtslosen Situationen.
Bei gröberen Verschmutzungen intensiviert RC 3000 automatisch die Reinigungsleistung. Ansonsten besticht der Sauger nicht gerade durch «Intelligenz». Beim Haferflocken-Test dauert es lange, bis er die Verschmutzung mitten im Raum entdeckt. Dazu geht er bei der Reinigung relativ unsystematisch vor und verschwindet binnen einer halben Stunde fünfmal unter ein- und demselben Kasten, um dort gründlich zu saugen. Ein Wermutstropfen ist auch der Preis: über 2000 Franken.
Dafür darf man den Robocleaner ohne Bedenken unbeaufsichtigt arbeiten lassen. Geht der Akku zur Neige, findet das elektronische Heinzelmännchen seine irgendwo im Raum postierte Ladestation, entleert den gesammelten Staub in den Auffangbehälter und setzt den Reinigungsvorgang nach Aufladen des Akkus fort.
Das Haustier
Begeisterte Nutzer des Trilobite von Electrolux sollen ihr Haushaltsgerät auch schon als Haustier adoptiert haben. Die persönliche Beziehung zu dem mattsilber glänzenden Roboter entsteht weniger durch sein Aussehen (das Design ist dem Trilobiten, einem urzeitlichen Krebs, nachempfunden) als vielmehr durch die niedlichen Laute, die er von sich gibt. Bevor sich der Trilobite an die Arbeit macht, ertönt eine kurze Melodie, danach lässt er eine Art Schnurren hören.
Auch dieses Modell arbeitet völlig selbständig. Es lädt den müden Akku wieder auf und ist dazu noch programmierbar, was die Saugzeit anbelangt. Der Trilobite geht noch sensibler vor als der RC 3000, berührt Hindernisse kaum, saugt auch entlang von krummen Linien, zum Beispiel umgeschlagenen Teppichen. Auch sonst stellt sich der Sauger schlauer an als das Kärcher-Modell. Er findet schneller zum Haferflockenhaufen, beseitigt das Malheur entsprechend zügiger und er scheint sich zu merken, dass er bereits unter dem Kasten gesaugt hat. Die Nachteile des Trilobite sind seine grösseren Ausmasse, die ihn vor Situationen kapitulieren lassen, die der Robocleaner problemlos meistert. Ausserdem ist der Trilobite deutlich lauter und mit knapp 2500 Franken etwas teurer.
Das Spielzeugauto
Vom Preis her ist der Robo Maxx mit Abstand am günstigsten, dafür hat er Schwächen bei der Saugleistung. Auf Teppichböden tut sich der Roboter schwer mit festgetretenen Krümeln, zudem verstopft der Staubfilter relativ schnell. Lange bevor der Akku leer ist, schwindet die Reinigungskraft weiter. Zum Aufladen muss der Saugroboter per Hand ans Netz angeschlossen werden. Fazit: Der Robo Maxx hat eher Spielzeugauto-Qualitäten und leistet als Putzhilfe nur sehr bescheidene Dienste.
Roboter-Saugtipps
Vor dem Robotereinsatz gilt es Folgendes zu beachten:
- Keine kleinen und losen Gegenstände auf dem Boden liegen lassen.
- Langflorige Teppiche umschlagen, damit sich die Roboter nicht festfressen.
- Auf den Boden reichende Gardinen oder Vorhänge, Kabel und Schnüre hochbinden.
- Kleinkinder und Haustiere nicht unbeaufsichtigt mit dem laufenden Roboter im Zimmer lassen.
- Türen geschlossen halten.
05. Januar 2005 | BERNHARD MATUSCHAK
