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Auf den Kanarischen Inseln floriert das Geschäft mit «Urlaubspaketen». Anbieter sind meist frühere Abzocker der Time-Sharing-Branche. Mit dem neuen Angebot umgehen sie das Gesetz.
Als Claudia und Daniel Baumann ihr Hotel auf Gran Canaria verlassen, tritt eine junge Frau auf sie zu. «Sprechen Sie deutsch?» Bevor Baumanns richtig antworten können, hält sie dem Paar zwei Rubbelkarten unter die Nase: «Nehmen Sie!»
Nichts ahnend rubbeln die Urlauber die Felder auf. Die junge Frau überschlägt sich fast vor Begeisterung: «Sie haben gewonnen!» Baumanns stehen ungläubig da, können ihr Glück kaum fassen. Sie wissen ja nicht, dass bei diesem Spiel jeder gewinnt.
Nach fünf Stunden unterschrieben
Daniel hat ein T-Shirt gewonnen, Claudia entweder eine Videokamera, 600 Euro in bar oder einen Urlaub. «Einen Urlaub?» - «Ja», sagt die junge Frau, «wenn Sie 90 Minuten Zeit haben, zeige ich Ihnen die tollsten Ferienanlagen, die Sie je gesehen haben.» Nach einigem Zögern steigen Baumanns in ein bereitstehendes Auto ein. Die Fahrt geht zum Reisebüro Viajes Sonnentravel in Maspalomas. Dort zeigt ihnen ein «Berater» im Internet die Ferienangebote der Schweizer Firma DAE AG in Brunnen SZ. «Da kommt man nur rein, wenn man Mitglied ist», sagt er geheimnisvoll.
Nach fünf Stunden sind Baumanns weich geklopft. Sie verpflichten sich vertraglich, 3900 Euro - rund 6000 Franken - für ein so genanntes «Holiday-Pack» oder «Urlaubspaket» zu zahlen. Dieses enthält
- einen zweiwöchigen «Gratis»-Aufenthalt in einer nicht namentlich genannten Ferienanlage auf Teneriffa (ohne Flug und Essen),
- das Recht, bei DAE respektive deren Schwesterfirma Destinations Club AG während eines Jahres maximal vier Wochen Ferienunterkünfte zu «Vorzugspreisen» zwischen 199 und 449 Euro pro Woche zu buchen. Dieses Recht kann um höchstens drei Jahre verlängert werden - für 52 Euro pro Jahr.
«Darf ich Sie um eine Anzahlung bitten?», fragt die inzwischen aufgetauchte Chefin. Da Baumanns keine Kreditkarte haben, zieht sie einen Faxauftrag aus der Schublade, mit der die frisch gebackenen Kunden ihre Bank anweisen können, 1750 Euro auf ein Konto bei der Bank Santander Central Hispano zu überweisen. 200 Euro zahlen Baumanns zusätzlich in bar.
«Berater» rief mitten in der Nacht an
Zurück im Hotel, erzählen sie der Serviertochter von ihrem merkwürdigen Erlebnis - und die schlägt Alarm. Sie bringt die Unterlagen einem befreundeten Anwalt, der bei Viajes Sonnentravel interveniert. Gleichzeitig widerrufen Baumanns den Zahlungsauftrag bei ihrer Bank - mit Erfolg.
«Dank der Serviertochter sind wir mit einem blauen Auge davongekommen», resümiert das Paar, dessen Nachname der K-Tipp geändert hat. «Unser "Berater" hat allerdings noch zweimal mitten in der Nacht angerufen, um uns umzustimmen.»
Dieses Vorgehen erinnert frappant an die aggressiven Methoden dubioser Time-Sharing-Firmen. Zur Erinnerung: Beim Time-Sharing erwirbt der Kunde das oft lebenslängliche Recht, ein bestimmtes Ferienappartement während bestimmter Wochen des Jahres zu nutzen.
«Die ähnliche Verkaufsmasche ist kein Zufall», erklärt Dariusz Kogut von der Online-Publikation www.timesharemagazin.de. «Viele Abzocker dieser Branche haben ihr Geschäftsfeld auf Urlaubspakete verlagert, um die in den EU-Ländern geltenden Time-Sharing-Gesetze zu umgehen.»
«Viajes ist eine ganz üble Firma»
Dem stimmt Hajo Gekeler von der Schutzvereinigung für Time-Sharing im deutschen Wiesbaden zu. Ihm sind die Firmen Viajes Sonnentravel und DAE denn auch hinlänglich bekannt: «Viajes ist eine ganz üble Firma, die nur Geld machen will», sagt er. Das bestätigen auch zahlreiche Einträge übertölpelter Kunden in Internet-Foren. Viajes-Chef Christian Kuth wollte gegenüber dem K-Tipp nicht Stellung nehmen.
Die Schweizer Partnerfirma DAE war ursprünglich Lizenznehmerin der Time-Sharing-Tauschorganisation «Dial an Exchange» für den deutschsprachigen Raum. Über solche Organisationen können Time-Sharer ihre Nutzungsrechte gegen eine Gebühr tauschen, um nicht immer am gleichen Ort ihre Ferien verbringen zu müssen. Bedingung ist, dass die Ferienanlage der Tauschorganisation angeschlossen ist.
«Da die meisten seriösen Anlagen bei den grossen Tauschorganisationen RCI und Interval dabei sind, hat DAE auch schwarze Schafe aufgenommen», konstatiert Branchenkenner Gekeler. Deshalb habe DAE massive finanzielle Schwierigkeiten gehabt, die Geschäftsführer Tobias von Monkiewitsch zu lösen versuche, indem er zum Teil mit umstrittenen Anbietern von Urlaubspaketen zusammenarbeite.
Von Monkiewitschs Stellvertreter Volker Rundshagen verteidigt diese Partnerschaften: «Wir arbeiten nur mit Firmen zusammen, die über einen einwandfreien rechtlichen Status und alle relevanten Lizenzen verfügen. Auch legen wir grossen Wert auf ein zivilisiertes Geschäftsgebaren.»
Verweigern Sie das Gespräch!
Verkäufer fragwürdiger Urlaubsangebote lauern vor allem in Spanien, inklusive Balearen und Kanarische Inseln. So tappen Sie nicht in die Ferienfalle:
- Lassen Sie sich nicht auf ein Gespräch ein, wenn Ihnen jemand im Hotel, am Strand oder auf der Strasse ein Rubbellos oder einen Gutschein anbietet.
- Gehen Sie Ihren «Gewinn» auch dann nicht abholen, wenn der Verkäufer Sie mit einem «tollen Urlaubs-Sparprogramm», einer «neuen Ferienidee» oder einer «günstigen Clubmitgliedschaft» lockt.
- Bleiben Sie hart, auch wenn Ihnen der Verkäufer versichert, es handle sich nicht um Time-Sharing.
Andere Angebote - wie zum Beispiel so genannte «Urlaubspakete» - können wegen des fehlenden gesetzlichen Schutzes sogar noch unvorteilhafter sein (siehe Artikel).
- Unterschreiben Sie nichts und machen Sie keinesfalls eine Anzahlung.
- In der Schweiz gilt nach wie vor: Hände weg von der Time-Sharing-Firma Club Touristik GmbH (auch Swiss Travel Club) in Olten SO, über die sich K-Tipp-Leser immer wieder beschweren.
Achtung: Die Firma hat neuerdings auch eine Filiale in Winterthur ZH.
17. November 2004 | Thomas Müller - tmueller@ktipp.ch
