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Artikel | Haus & Garten 4/2004

Für kalte Tage wärmstens zu empfehlen

Was Schweizer von Nordländern im Umgang mit eisigen Temperaturen und kurzen Tagen lernen können. Und wieso Fruchtsäfte mit Vorsicht zu geniessen sind.

Schon mal einen schlotternden Eskimo mit blau angelaufenen Lippen und klammen Fingern gesichtet? Kaum!

Arktisbewohner, so haben Forscher herausgefunden, verfügen über eine Art körpereigenen Frostschutz: Im Gegensatz zu Mitteleuropäern verschliessen sich ihre Blutgefässe auch bei garstigen Temperaturen nur wenig. So bleiben der Kälte ausgesetzte Körperpartien wie Hände, Nasen und Ohren länger gut durchblutet. Zudem haben die Völker im hohen Norden auch einen genetischen Vorteil, wie wissenschaftlich bewiesen ist: Ihr Stoffwechsel schafft es, einen höheren Anteil der Nahrung in Wärme umzuwandeln als bei Bewohner wärmerer Gegenden.

Damit dieses körpereigene Heizkraftwerk gut funktioniert, braucht es währschafte Nahrung: Studien zeigen, dass arktische Jäger in den 50er-Jahren noch fast ausschliesslich Fett und Fleisch futterten. Wärme verschafften sie sich auch durch die halbkugelige Bauweise ihrer Iglus.

Damit die Wärme ihrer Tranlampen nicht durch den Eingang entweichen konnte, verlegten die Eskimos die Hauseingänge unter das Erdniveau. Zwar lag die Temperatur am Boden des Iglus noch nahe am Gefrierpunkt. Weil aber warme Luft nach oben steigt, war es auf Höhe der Schlafplattform immerhin 15 Grad warm - unter der Kuppel gar schweisstreibende 25 Grad.

Auch die modernen Nordländer haben so ihre Tricks, um Kälte und Dunkelheit zu trotzen. Der Kampf gegen die kollektive Winterdepression beginnt im Spätherbst: Dann, wenn die blässliche Sonne um halb zehn aufgeht, um spätestens um vier Uhr wieder zu verschwinden, nutzen gesundheitsbewusste Skandinavier jede Minute, um Tageslicht zu tanken. Übrigens: In Schweden bezahlen die Arbeitgeber Lichttherapien, sofern sie der Arzt verordnet hat (siehe Lichttherapien, S. 50).

Ganz allgemein nimmt das Leben im nordischen Winter einen vergleichsweise ruhigen Gang, sind sich die meisten Skandinavier einig. Während pflichtbewusste Schweizer eisern noch in tiefster Nacht ins Büro eilen, genehmigen sich Nordländer gerne eine zusätzliche Mütze voll Schlaf. Nordländer gelten als ausgesprochene Langschläfer - Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.


Freunde einladen, Kerzen anzünden und feiern

Ein weiteres skandinavisches Cliché zwar, das zu Missmut und Depressionen neigenden Mitteleuropäern jedoch zu denken geben müsste: Der lange Winterabend gehört im Norden dem gemeinsamen Schwitzen in der Sauna und der sprichwörtlichen nordischen Gemütlichkeit. Man vertreibt die Dunkelheit mit vielen Kerzen, hängt Lichterketten auf, lädt Freunde und Nachbarn zu unkomplizierten Stehpartys mit Glögg (Glühwein), süssen Hefebrötchen und Pfefferkuchen.
Und natürlich fliesst er immer noch - und besonders in diesen dunklen Monaten: der Alkohol. Das ist natürlich nicht der richtige Wärmespender. Das gilt auch fürs schweizerische Mittelland unter der typisch nasskalten Nebeldecke. «Winter ist Minestronezeit», empfiehlt deshalb die Zürcher Ernährungsspezialistin Margrit Sulzberger: «Beginnen Sie den Zmittag oder Znacht mit einer Gemüsesuppe statt mit Salat. Das wärmt Leib und Seele.»


Wenig Fruchtsäfte trinken, viel Sauerkraut essen

Und sie reicht einen unerwarteten Tipp nach: Wenig Fruchtsäfte trinken! Wie bitte? Wo doch die Werbung all die bunten Jus als wahre Vitaminbomben anpreist? Sulzberger hat durch ihre Beratungstätigkeit festgestellt, dass die meisten Menschen übersäuert sind, weil sie das Falsche essen: zu viele Säure bildende Sandwiches und Wurstwaren, zu viele Süssigkeiten, zu viele Fertigprodukte, aber zu wenig Gemüse und damit auch zu wenig basische Mineralstoffe. Das eher ungesunde Mix wird durch saure Fruchtsäfte noch verstärkt, wie auch Thomas Walser, medizinischer Experte der Gesundheitszeitschrift Pulstipp bestätigt.

Margrit Sulzberger empfiehlt deshalb: «Früchte mit möglichst wenig Säure wählen - also Bananen, Birnen, Khaki, Trauben, eher süsse als saure Äpfel und eher Blut- als Blondorangen.» Und nach Herzenslust sollte man von all den Gemüsen essen, die gerade auf dem Markt sind: Rüebli, Randen und typische Wintergemüse wie Rosenkohl, Spitzkabis sowie Rotkohl. Auch rohes Sauerkraut ist gut, weil es viel Vitamin C enthält und mithilft, die Darmflora im Gleichgewicht zu halten.

Von trendigem Functional Food - etwa mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Säfte oder Milch - hält die Ernährungsspezialistin wenig, weil dieser in der Regel überteuert sei. Laut Pulstipp sind Multivitaminpräparate nicht nur meist nutzlos, sie können sogar schaden.

Ein bisschen Spass sollte dennoch sein: Die Lust auf Süsses zum Beispiel lässt sich mit dunkler Schokolade stillen. «Diese ist fast schon gesund, weil sie die gleichen Antioxidanzien enthält, wie sie in Tee, Früchten, Gemüsen und Rotwein vorkommen», sagt die Fachfrau. Ausserdem falle bei der nahrhaften «Dunklen» das Masshalten leichter, weil man nach einem Reiheli meist schon genug habe. Zur Krönung eines Winterabends kann man sich auch eine Tasse heisse Schokolade genehmigen. Das wärmt, stillt die Lust nach Süssem und hilft, zufrieden einzuschlafen.


Johannisbeerextrakt und wechselwarme Fussbäder

Drohen erste Anzeichen einer Erkältung, greift Sulzberger statt zu Chemie zum Spray aus Extrakt aus schwarzen Johannisbeeren. Ein weiterer Tipp in ihrem Winterprogramm ist der Rote Sonnenhut, lateinisch Echinacea.

Gegen kalte Füsse helfen wechselwarme Fussbäder - je nach Gusto mit ein paar Tropfen Rosmarin- oder Lavendelöl aromatisiert. Und so gehts:
- Sie brauchen zwei Becken: Das eine füllt man mit kaltem, das andere mit 40 Grad warmem Wasser.
- Zuerst taucht man die Füsse 3 Minuten ins warme und dann 20 Sekunden ins kalte Wasser. Dieses Prozedere wiederholt man zwei- bis dreimal und beendet das Bad mit kaltem Wasser.

Solche Wechselbäder helfen auch bei Schlafproblemen. Ihr «Erfinder», der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp, schwor darauf, dass kalte Bäder ihm gar das Leben gerettet hätten: Zur Bekämpfung seiner schweren Tuberkulose nahm Theologiestudent Kneipp Mitte des 19. Jahrhunderts dreimal in der Woche ein Tauchbad im winterkalten Fluss. Doch bevor man allzu forsch zu kneippen beginnt, empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Hausarzt oder dem Kneipp-Verein (Internet: www.kneipp.ch).


Zaubernuss - das schätzt die Haut im Winter

Zuwendung braucht im Winter auch die Haut. Für trockene und empfindliche Haut empfiehlt Reinhard Saller, Naturheilkundespezialist an der Universität Zürich, leicht fettende, aber auch feuchtigkeitsspendende Cremen, zum Beispiel solche mit Hama-melis, zu Deutsch - Zaubernuss. Ihr spezieller Vorteil: Sie hemmen Entzündungen und stillen den Juckreiz.

Ein Lichtblick an kalten Tagen sind Tees. Solche mit Alkoholzusatz eignen sich allerdings eher für den Après-Ski - auch, weil der Körper auf der Skipiste sonst rasch viel Wärme verliert. Wenns kratzt im Hals, helfen Tees aus Salbei und Thymian, aber auch spezielle Erkältungsmischungen. Reinhard Saller empfiehlt zudem ayurvedische und tibetische Tees, weil sie wärmen, gleichzeitig aber auch genussvoll zu trinken seien.



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Fit in die Wintersaison: Vier einfache Übungen für zu Hause

Bewegung hilft, der Schlappheit ein Schnippchen zu schlagen. Davon ist Fitnessexperte Fritz Bebie überzeugt. Dies gilt auch, wenn man erkältet ist.

«Bewegung sollte man immer im Alltag integrieren!», betont Fritz Bebie. Denn nur das, was man so regelmässig tue wie Zähne putzen, bringe langfristig etwas. Also: Die Zeitung am Kiosk holen, auf dem Arbeitsweg eine Station früher aussteigen und den Rest zu Fuss zurücklegen, Lifte konsequent links liegen lassen und beim Treppensteigen zwei Stufen auf einmal nehmen. Das kräftigt die Beinmuskulatur und ist eine gute Vorbereitung aufs Skifahren. Sogar vor dem TV kann man ein Kräftigungstraining machen. Ein Stuhl und ein bisschen Platz genügen.

Jede der folgenden vier Übungen sollte 8- bis maximal 25-mal wiederholt werden. Absolvieren Sie das Programm in zwei Durchgängen. Wer es drei- bis zweimal pro Woche durchzieht, spürt nach vier Wochen erste Resultate, verspricht Bebie im Ratgeber «Fit im Alltag» (s. Kasten S. 47).

Gerade Bauchmuskulatur
Übung 1: Rückenlage; Beine angewinkelt, die Unterschenkel ruhen erhöht auf einem Stuhl. Die Schultern sind so weit angehoben, dass der ganze Rücken fest auf der Unterlage liegt. Die Hände stützen im Nacken den Hinterkopf.
Mit dem Kinn gegen die Brust geneigt, Schultern leicht anheben (10 bis 20 cm) und nur bis zur Ausgangsstellung wieder senken (also nicht bis auf die Unterlage).

Schräge Bauchmuskulatur
Übung 2: Rückenlage; Beine angewinkelt, Unterschenkel auf einen Stuhl legen. Die Schultern sind so weit abgehoben, dass der ganze Rücken fest auf der Unterlage liegt.

Beide Arme mit leichtem seitlichem Neigen des Oberkörpers neben das linke Knie führen. Hände in einem Halbkreis vor den Knien nach rechts und wieder zurück führen.

Rückenmuskulatur
Übung 3: Bauchlage; beide Arme nach vorne gestreckt.

Rechtes Bein und linken Arm gleichzeitig 20 bis 30 cm anheben, strecken und wieder senken. Wechseln. Die Hüfte muss auf dem Boden bleiben!
Gesäss, Hüfte, Oberschenkel
Übung 4: Rückenlage; Beine angezogen, Arme seitlich (rechtwinklig zum Körper) ausgestreckt.

Hüfte strecken und das Becken nach oben drücken, bis der Rumpf fast vollständig gestreckt ist. Vorsicht: kein Hohlkreuz! Langsam in die Ausgangsstellung zurück, ohne das Gesäss auf dem Boden abzusetzen.

Am besten ist natürlich Bewegung an der frischen Luft. Und Schlechtwetter-Ausreden lässt Bebie nicht gelten: «Mit der richtigen Ausrüstung kann auch Regen Spass machen!» Richtige Ausrüstung heisst: Zwiebelschalenprinzip mit atmungsaktiver Unterwäsche, keinesfalls Baumwollleibchen. Soll man trotz Pfnüsel joggen? Ja, erst recht, sagt Bebie. «Aber nach dem Lauf nicht in der Kälte herumstehen, sondern möglichst bald duschen und - Stretchen nicht vergessen!» Nicht laufen sollte, wer grad noch Fieber gehabt hat.

(lan)

20. Oktober 2004 | PAULA LANFRANCONI


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