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Artikel | Haus & Garten 4/2004

Zug um Zug günstiger auf die Piste

Gepäck- und Skitransport per Zug ist umständlich. Als Alternative zum Auto bietet sich Snow'n'Rail an. Die Krux: Es gibt immer weniger bediente Bahnhöfe.

Schneegestöber, Staus, vereiste Strassen? Wer auf dem Weg zum Skiplausch nicht stecken bleiben will, nimmt den Zug. Für schneehungrige Baselbieter heisst das etwa: Abfahrt in Laufen BL um 6.44 Uhr, umsteigen in Biel, Bern und Goppenstein. Von dort weiter per Bus; Ankunft im Walliser Skiparadies Leukerbad um 10.38 Uhr, Transfer ins Hotel.

Dass sich die Umsteigerei mit Skis, Skischuhen, Reisetaschen, Koffern und Snowboard schleppenden Kindern kaum bewältigen lässt, weiss man auch bei den SBB. Deshalb gibt es ab allen bedienten Bahnhöfen und Postautostationen einen Gepäck- und Skiservice (siehe Kasten S. 35).

Die Zahl der bedienten Bahnstationen geht allerdings rasant zurück: Waren 2002 noch über 400 der rund 780 SBB-Haltestellen besetzt, sind es derzeit gerade noch 325. Ein Abbau der Dienstleistungen - etwa kürzere Öffnungszeiten - an den verbleibenden bedienten Bahnstationen sei nicht geplant, beschwichtigt SBB-Sprecher Jean-Louis Scherz.

Doch beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) befürchtet man angesichts der angekündigten Sparmassnahmen einen Kahlschlag: «Für die Tourismusorte bedeutet dies eine gravierende Einschränkung. Denn viele Menschen sind auf den öffentlichen Verkehr angewiesen, um in die Skiferien zu verreisen», moniert Adrian Schmid, Leiter Verkehrspolitik beim VCS.


Gratis-Bahnfahrt in den Schnee

Um trotz schrumpfenden Leistungsangebots konkurrenzfähig zum Auto zu bleiben, locken die SBB die Skifans mit dem Spezialprogramm Snow'n'Rail. So gibts 6-Tagespässe für Halbtax- und GA-Inhaber für die Skigebiete Andermatt, Engelberg-Titlis, Grächen, Lauchernalp, Lenzerheide-Valbella, Leukerbad und Stoos.
«Zwar sind diese Tagespässe beim SBB-Reisebüro nicht günstiger als im Skigebiet, wir bieten jedoch attraktive Zusatzleistungen», erläutert René Kamer, Geschäftsführer des Snow'n'Rail-Organisators Rail Away.

Dazu gehören etwa die Gratis-Hin- und -Rückfahrt mit dem Halbtax in der 2. Klasse ab allen Bahnhöfen der Schweiz sowie der Bahn-Transport eines Paar Skis oder eines Snowboards zum Wintersportort und zurück. Inhaber eines GAs haben zusätzlich Anrecht auf kostenfreien Gepäcktransport (siehe Kasten S. 35).

Die Kooperation mit den SBB bringt den beteiligten Skigebieten, Hotels und Bergbahnen nicht nur mehr Kundschaft: «Wir beugen damit auch Parkplatzproblemen im Dorf vor», meint zum Beispiel Marlene Bellwalder von Leukerbad-Tourismus. Gäste mit Snow'n'Rail-6-Tagespass erhalten zudem während drei Tagen gratis den Eintritt in die beiden grossen Thermalbäder.

Das Leukerbad-6-Tagespaket kostet 305 Franken; am günstigsten ist es für den Stoos - 192 Franken. Nicht inbegriffen bei Snow'n'Rail sind die Übernachtungen. «Doch für alle Destinationen können Hotels an den grossen Bahnhöfen oder - rund um die Uhr - beim Rail Service gebucht werden», so Kamer.

Je nach Skigebiet und Hotel gibt es einen Abholdienst vom Bahnhof. Darüber - und über allfällige Zusatzkosten - sollte man sich bei der Buchung genau informieren.


SBB und RhB: Vergünstigung für Tagesausflügler

Der grosse Nachteil der SBB-6-Tagespässe: Es gibt sie nur für ein paar wenige Destinationen. Das ist bei kürzeren Ausflügen nicht so: Landesweit bietet Snow'n'Rail günstige Ein- und Zweitagespässe an: Von Adelboden bis Zermatt sind Angebote für über 30 Skigebiete erhältlich.

Kamer: «Wer bei uns bucht, profitiert von je 30 Prozent Ermässigung auf Bahnbillett und Skipass.» Über 100 000 Personen waren letzten Winter mit Snow'n'Rail unterwegs. Aktuelle Broschüren liegen ab 1. November an allen Bahnhöfen auf. Einige ausgewählte Tagespässe können sogar am Billettautomaten gelöst werden.

Infos und buchen: Tel. 0900 300 300, Fr. 1.19/Min, www.railaway.ch

Attraktiv ist auch das Tagesangebot der Rhätischen Bahn (RhB). «Wer bei uns einen Ski-Tagespass für eine Bergbahn kauft, bezahlt für Hin- und Rückfahrt auf dem RhB-Netz bloss einen Franken», erklärt RhB-Sprecher Peider Härtli. Skipässe gibt es für die Regionen Arosa, Davos/Klosters, Oberengadin/St.Moritz, Scuol Motta Naluns sowie für die Diavolezza/Lagalb.

Infos: Tel. 0812 886 104, www. rhb.ch/skipass/skipass.d.php


Skipass am Bahnhof direkt aufs GA oder Halbtax laden

In Zukunft wollen die Bahnen das Buchen von Winter-Arrangements vereinfachen, dies auch als Reaktion auf das Bahnhofsterben. Deshalb wird technisch aufgerüstet. Rail-Away-Chef Kamer: «Ab nächstem Winter wird es voraussichtlich möglich sein, Snow'n'Rail-Tickets am eigenen PC herunterzuladen.

Die SBB starten ferner in zehn Wintersportregionen einen Versuch. 20 000 GA- und Halbtax-Kunden können ihr Bahnabo mit einem Skipass kombinieren. Dabei wird der Snow'n'Rail-Skipass bereits am Bahnschalter elektronisch aufs Abo geladen. Projektleiterin Petra Suter: «Damit entfällt der mühsame Umtausch des Snow'n'Rail-Gutscheins an der Bergbahnkasse. Stattdessen gehts mit diesem so genannten Easy-Abo direkt durchs Drehkreuz ins Wintervergnügen.»



Gepäck: Was Bahn und Postautos transportieren - und wie viel es kostet

Bahnen und Postautos offerieren innerhalb der Schweiz folgende Leistungen:

- Koffer und Taschen bis zu 25 Kilo sowie Skis und Snowboards: Aufgabe an jedem bedienten Bahnhof und jeder bedienten Postautostation möglich. Dort sind auch Schutzhüllen für Skis, Snowboards und Skischuhe gratis erhältlich.

In privaten Skisäcken dürfen mehrere Snowboards oder Skis - zusammen maximal 25 Kilo schwer - verschickt werden.
- Gepäck muss bis spätestens 19 Uhr eingecheckt sein und kann am übernächsten Tag ab 9 Uhr am Ziel abgeholt werden (örtliche Öffnungszeiten beachten).
- Gebühr, wird beim Billettkauf kassiert: Fr. 10.- pro Gepäckstück, Skisack, pro Paar Ski, Skischuhe oder für ein Snowboard.
- Wer einen 6-Tagespass von Snow'n'Rail kauft, bekommt einen Gutschein zum Gratistransport von einem Paar Ski plus Skischuhen.

Inhaber eines GAs können ihr Gepäck gratis aufgeben.
- Gegen Verlust und Beschädigung beim Transport kann am Schalter eine freiwillige Versicherung abgeschlossen werden.

Wichtig: Wer seine Koffer aufgibt, sollte wie beim Fliegen Geld, Kreditkarten, Ausweise, Hotelreservation, wichtige Medikamente und Toilettenartikel im Handgepäck mitführen.

20. Oktober 2004 | ELIAS KOPF


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