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Artikel | Haus & Garten 4/2004

Die heutige Jugendherberge: Nicht mehr wie damals

Komfort trotz Tiefpreisen: Damit locken die Jugendherbergen, der Schweizer Alpenclub, die Swiss Backpackers und Reka-Reisen mittlerweile auch anspruchsvollere Gäste an.

Der Mief im Massenlager, die Schweisssocken überall, das Dauer-Schnarchen wildfremder Schlafgenossen: Das «Jugi»-Leben war zwar stets munter, aber nicht immer lustig, dafür stinkbillig. Auch heute ist das Bett (fast) für ein Butterbrot zu haben - der muffige Groove der Schweizer Jugendherbergen jedoch ist gründlich vertrieben.

1924 erschien das erste Jugi-Verzeichnis mit 12 Häusern, so etwa in Fischingen TG, Hinter-Hörnli ZH und Ebnat-Kappel SG. Genächtigt wurde in einfachsten Unterkünften, oft im Heu über einem Viehstall oder auf dem Strohsack. Kostenpunkt: 20 Rappen bis Fr. 1.50. Und Mitarbeit in der Küche und beim Putzen war Pflicht.


Jugis heute: Landhäuser, ein Palast, Villen und Schlösser

Inzwischen preisen sich die 60 Schweizer Jugendherbergen als «die exclusivste Hotelkette der Welt» an. Sie haben gezielt investiert, zugekauft, abgestossen und ausgebaut: Heute gehören City- und Landhäuser, Villen, Schlösser und neuerdings gar ein «Palast» («Youthpalace», Davos GR) zu den Jugi-Standard-Unterkünften.
Die Rechnung scheint aufzugehen. Sprecherin Barbara Rutschi zur Entwicklung der letzten zehn Jahre: «Mit nun 60 Jugendherbergen haben wir zwar 20 Häuser weniger, dafür 10 Prozent mehr Mitglieder und 1,6 Prozent mehr Übernachtungen.»

Auch Gästetypen und Ansprüche haben sich gewandelt: Rucksack-Touristen haben heute häufiger statt eines solchen am Rücken ihren Cabin-Trolly im Schlepptau. Ihre Wünsche nach zeitgemässem Komfort sind deutlich: Statt Massenlager und -duschen bitte Zweierzimmer mit Nasszelle; nordisches Duvet statt Schlafsack; Leselampe überm Bett statt Taschenpfunzel unter der Decke. Die Alterslimite (26) wurde schon in den Siebzigern abgeschafft. Und dass die Jugis nicht mehr um 22 Uhr dichtmachen, versteht sich von selbst.

Das «Jugend» im Namen ist dehnbar geworden: Bereits ein Fünftel (22 Prozent) der Gäste sind Familien, 45 Prozent sind über 18 Jahre alt und heissen «Senioren». Echte Junioren bis 18 bringens auf 27 Pozent. 6 Prozent checken als Gruppenleiter ein. Die Mitgliedschaft kostet 22 Franken pro Jahr (Fr. 33.- ab 18 Jahren). Nicht-Mitglieder zahlen 6 Franken mehr pro Nacht.

Meist bieten die Herbergen 2er- bis 6er-Zimmer an, selten noch 10er-«Schläge». 25 bis 35 Franken kostet eine Nacht im Mehrbettzimmer inkl. Bettwäsche und Frühstück. Halbpension rund 13 Franken (Hochsaison/ Winter).

An «Top-Destinationen» zahlt man pro Nacht/Person im Doppelzimmer mit Frühstück ab 40 Franken. Immer offen haben Davos, Genf, Lausanne, Locarno, Luzern, St. Moritz, Zermatt, Zürich. Die meisten Jugis schliessen in der Nebensaison.


Der Jugi-Standard orientiert sich an den «richtigen» Hotels

Die Herbergsväter und -mütter von einst sind zu professionellen «BetriebsleiterInnen» mutiert. Fast 100 kümmern sich inzwischen um die Gäste, die hauptsächlich aus der Schweiz (55 Prozent) und Deutschland (13), den USA (3) und Grossbritannien (2) kommen.

Auf den Tisch kommt heute Anspruchsvolleres als Hörnli-Ghacktes und Apfelmus: Cafeterias, «3- bis 4-Gang-Menüs» am Abend, Frühstück «à discrétion» oder gar «reichhaltiges Frühstücksbuffet» sind Standard - wie in «richtigen» Hotels eben.


Sonderangebote in Jugendherbergen

Schnäppchen und Last-Minute-Angebote fordern auch die «Jugis» heraus.

- Ein «Last-Minute-Angebot» für «schlappe» 24 Franken pro Nacht inkl. Frühstück gibts für diverse Jugi. Dieses Angebot gilt ausschliesslich für Gleis7-, MagicTicket- und Junior-GA-Inhaber und ist über www.gleis7.ch frühestens am Vortag der Anreise buchbar
- «4 für 3 Nächte» gibts in der «Jugi» St. Gallen. «Optimal für Familien», so das Angebot bis 30. November: 4 Nächte, Frühstücksbuffet, 3-Gang-Abendessen, Familienzimmer mit Dusche/WC (ab 4 Pers.) bzw. 3er-Zimmer mit Lavabo: Erw. Fr. 155.-, Kinder 2-5 Jahre Fr. 77.50 (unter 2 J. gratis). Telefon 071 245 47 77.
- «Ferien an der Riviera» bis 15. November: Bei der «Jugi» Montreux VD beginnt die berühmte Seepromenade. 2 Pers. DZ/Lavabo, inkl. Frühstücksbuffet, 4-Gang-Diner: 7 Nächte Fr. 620.-. Im Mehrbettzimmer (4, 6 oder 8) inkl. Frühstücksbuffet, 4-Gang-Diner: 7 Nächte 250.-/Pers. Telefon 021 963 49 34.
- «All included Packages»: «Tophit» St. Moritz (nur auf Reservation, gültig 4.-18. 12. 04, 8.- 22. 1. 05, 29. 3.-23. 4. 05), inkl. Frühstücksbuffet, 4-Gang-Dinner, Kurtaxen, Bahnen/Skilift-Abo. 4er-Zimmer: 5 Übernachtungen (Ü) pro Person: 392 Franken; 7 Ü 540.-. DZ: 5 Ü 444.-, 7 Ü 613.-.
- Schweizer Jugendherbergen, Telefon 044 360 14 14. www. youthhostel.ch.



Günstige Unterkünfte in der Schweiz:

- www.swissbackpackers.ch
Swiss Backpackers, ein Verein mit 24 Häusern, bietet Low-Budget-Unterkünfte (ab Fr. 25.- im Mehrbettzimmer). Telefon 033 823 46 46.
- www.sac-cas.ch
Der Schweizer Alpenclub (SAC) betreibt mit seinen 153 Hütten «die höchstgelegene Hotelkette der Schweiz». Etwa die Hälfte ist im Winter offen. Übernachtung (Nichtmitglieder) ca. Fr. 40.-, Halbpension ca. Fr. 70.-, Telefon 031 370 18 18.
- www.alpenonline.ch
Service-Site des SAC: Infos zur Anreise und zum Aufstieg zu den 153 SAC- und 150 weiteren Berghütten in den Schweizer Alpen.
- www.css.ch/hoehenfluege
Gratisbroschüre «Höhenflüge» der CSS-Krankenversicherung mit 24 extra familienfreundlichen SAC-Hütten. Telefon 041 368 22 40.
- www.reka.ch
Reka-Ferien, seit 50 Jahren «der Spezialist für Familienferien»: Über 2500 günstige Wohnungen und Hotels in der Schweiz und Europa. Telefon 031 329 66 33.
- www.myswitzerland. com
Gratis-Broschüre «Preiswerte Hotels»: 117 Schweizer Hotels, Telefon 0800 100 200.

20. Oktober 2004 | GINA GYSIN


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