|
(0) |
Ein Implantat oder eine Brücke für die gleiche Lücke: Bei Zahnärzten sind die Preise für dieselbe Leistung sehr unterschiedlich.
Simone Preiser fehlt im rechten Oberkiefer ein Backenzahn. Wenn sie lacht, ist die Zahnlücke gut sichtbar. Das stört die 30-jährige Werkstudentin sehr. Deshalb will sie den Zahn so schnell wie möglich ersetzen. Im Auftrag von Kassensturz besucht sie im Juli zehn zufällig ausgewählte Praxen in Zürich, Basel und Bern.
Der Experte gibt dem Implantat den Vorzug
Niklaus Lang, Direktor an den zahnmedizinischen Kliniken Bern, untersucht Simone Preiser: Ihre Lücke kann sowohl mit einer Verbundmetall-Keramikbrücke als auch mit einem Implantat geschlossen werden. Um eine Brücke zu setzen, schleift der Arzt die Zähne rechts und links der Lücke stark ab. Darauf setzt er ein Gerüst, auf dem drei Kronen sitzen. Für ein Implantat schraubt oder zementiert er eine Krone auf eine Titanschraube, die er als künstliche Zahnwurzel in den Kiefer implantiert hat.
Professor Lang rechnet aus, was Brücke oder Implantat kosten. Im Fall von Simone Preiser sind beide Behandlungen gleich teuer: zirka 4000 bis 4500 Franken. Dem Implantat gibt Lang den Vorzug, weil die beiden Zähne neben der Lücke verschont bleiben. Von einer sogenannten Inlay-Brücke rät er ab: Er zweifelt, dass sie bei Simone Preiser langfristig halten würde. Bei einer Inlay-Brücke wird die Krone an den Zähnen links und rechts der Lücke befestigt. Doch anders als bei der konventionellen Brücke werden die Trägerzähne weniger abgeschliffen, die Verankerungsfläche ist geringer.
Hoher Taxpunktwert ist ein Indiz für hohe Preise
Die Offerten: Eine Berner Zahnärztin bietet für 3970 Franken die günstigste Brücke an. Bei der teuersten Zahnärztin in Basel kostet dieselbe Leistung 5900 Franken. Das sind 1930 Franken Unterschied.
Das günstigste Implantat veranschlagt ein Berner Zahnarzt: Er verlangt 3600 Franken. Das teuerste Implantat bietet wiederum die Basler Zahnärztin an: Bei ihr kostet es 6210 Franken. Preisdifferenz: 2610 Franken. Drei Zahnärzte schlagen Simone Preiser eine Inlay-Brücke vor. Kostenpunkt: 3000 bis 3500 Franken.
Das Auffällige an den extrem teuren Kostenvoranschlägen, so Arnold Baumann von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft im Kassensturz-Studio: «Sie stammen aus Praxen, die einen recht hohen Taxpunktwert haben.» Diese Praxen geben auch meist die höchste Anzahl Punkte an. Den Vorwurf, solche Zahnärzte reizten das System zulasten der Patienten aus, will Baumann nicht gelten lassen: «Sie haben vielleicht ein Marktsegment gefunden und bieten einen gewissen Luxus an.»
Preiswerter Zahnarzt gesucht
Einen wichtigen Hinweis auf das Preisniveau einer Praxis gibt der Taxpunktwert. Seit dem 1. Juni sind Zahnärzte verpflichtet, ihren Taxpunktwert gut sichtbar in der Praxis anzuschreiben. Mitglieder der Zahnärzte-Gesellschaft dürfen höchstens Fr. 4.95 verlangen; bei Fällen, welche die Krankenkasse oder die Suva bezahlt, beträgt der Taxpunktwert Fr. 3.10.
Für jede Leistung, die ein Zahnarzt vornimmt, schreibt er eine bestimmte Anzahl Taxpunkte auf. Die Summe der Taxpunkte multipliziert er mit seinem Taxpunktwert. Diesen Betrag stellt er in Rechnung.
Je nach Dauer, Schwierigkeit und Risiko einer Leistung verrechnet der Zahnarzt mehr oder weniger Taxpunkte. Wie gross diese Bandbreite ist, kann der Patient in einer Kurzfassung des Zahnarzttarifs nachlesen. Darin sind die wichtigsten der 500 zahnärztlichen Leistungen aufgeführt. Die Kurzfassung muss in der Praxis aufliegen. Sie ist gratis auch bei der Suva oder bei der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (www.sso.ch) erhältlich.
Bei kostspieligen Eingriffen lohnt es sich, eine Zweitofferte einzuholen. Diese Konsultation darf der Zahnarzt in Rechnung stellen. Ein Kostenvoranschlag kostet - je nach Taxpunktwert - rund 150 Franken. Er muss schriftlich und detailliert sein, sodass der Patient ihn versteht.
15. September 2004 | Liz Horowitz
