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Männer über 50 sollen sich mit einem Bluttest auf Prostatakrebs untersuchen lassen - so wollen es Urologen. Doch der Test ist unzuverlässig.
Um Prostatakrebs frühzeitig zu entdecken, macht der Hausarzt oder der Urologe zwei Untersuchungen: Er tastet die Prostata auf Veränderungen ab und nimmt eine Blutprobe, um den so genannten PSA-Wert zu ermitteln. Liegt dieser über dem Grenzwert von 4, besteht Krebsverdacht.
Doch unter Fachleuten ist dessen Aussagekraft umstritten. Jetzt bestätigt eine neue Studie in der US-Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine» diese Zweifel. Die Forscher untersuchten 3000 Männer, die über Jahre normale PSA-Werte hatten. Das Ergebnis: 15 Prozent der Männer hatten trotzdem Prostatakrebs. Der Test gab ihnen falsche Sicherheit. Deshalb wollen Experten den Grenzwert senken.
Wert kann auch nach Sex oder einer Velotour steigen
Doch Krebsspezialist Christian Marti aus Winterthur hält dies für falsch: «Bei einem tieferen Grenzwert würde der Arzt praktisch gleich viele Tumore übersehen.» Die neue Studie sei deshalb kein Grund, den Grenzwert zu senken.
Denn der Test hat eine weitere Schwäche: Er löst viele Fehlalarme aus. So hat nur jeder vierte Mann mit einem PSA-Wert zwischen 4 und 10 tatsächlich einen Tumor. Der Wert steigt auch bei einer gutartig vergrösserten Prostata, nach Sex, einer Velofahrt oder bei einer Prostata-Entzündung.
Um die Ursache des erhöhten PSA-Werts festzustellen, braucht es allerdings teure Zusatzuntersuchungen. Und für die Männer bedeutet das - meist unnötige - Angst, an Krebs erkrankt zu sein.
Das Fazit von Facharzt Christian Marti: «Beschwerdefreien Männern bringt der PSA-Test nicht viel. Sie profitieren kaum von der Prostatakrebs-Vorsorge.» Deshalb empfiehlt Marti nur jenen, die anhaltende Probleme beim Wasserlösen haben, sich beim Hausarzt oder Urologen untersuchen zu lassen.
(sm)
30. Juni 2004
