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Expressbriefe ins Ausland sind nicht express unterwegs. Sie werden mit der A-Post transportiert - obwohl sie ein Vielfaches kosten.
Der Service tönt vielversprechend: «Post-Expresssendungen werden im Allgemeinen ein bis drei Tage früher zugestellt als Priority-Briefe», wirbt die schweizerische Post für ihren Expressdienst ins Ausland, «sie erfahren gegenüber Priority eine bevorzugte Behandlung.» Das war einmal: Expressbriefe werden schon seit Monaten zusammen mit der A-Post spediert, die im Ausland Priority heisst. Das meldete eine Briefsortiererin dem Kassensturz. Jahrelang habe die Post die Expresssendungen separat ins Ausland transportiert. «Heute werfen wir Express- und Priority-Briefe in denselben Sack.»
Kassensturz prüfte nach und schickte dem Deutschland-Korrespondenten des Schweizer Fernsehens DRS je einen Express- und einen Priority-Brief nach Berlin. Resultat: Der Express kam am gleichen Tag an wie die A-Post, und nicht ein bis drei Tage früher. Zudem: Der Expressbrief kostete 10 Franken und damit fast achtmal so viel wie der Priority-Brief für Fr. 1.30.
Stolzer Aufpreis für einen minimen Zusatzservice
Dass Express und Priority den Weg bis Berlin gemeinsam zurücklegen können, bestätigt Post-Sprecher Dario Ballanti. «Die Expresssendungen werden in Berlin aber von Hand aussortiert und direkt zugestellt», verteidigt er den stolzen Preis. Priority dagegen werde maschinell sortiert. «Normalerweise werden Expresssendungen einen Tag, garantiert aber einige Stunden früher zugestellt.»
Für Jacqueline Bachmann von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist dieses Vorgehen der Post unhaltbar: «Der Aufpreis für diesen minimen Zusatzservice ist unverhältnismässig.» In einem Brief fordert die SKS Postchef Ulrich Gygi auf, zu deklarieren, dass Express- und Priority-Briefe zusammen befördert werden. Bachmann: «Sonst täuscht die Post ihre Kunden, und das geht nicht.»
09. Juni 2004 | Michael Gerber
