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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2004

"Nacht für Nacht japste ich nach Luft" - Hans Oswald, 68, Leben mit Schlafapnoe

Zur Diagnose Schlafapnoe kam ich vor zehn Jahren auf dramatische Art und Weise: Mitten in der Nacht erwachte ich und meine Zunge steckte hinten im Hals fest. Ich setzte mich sofort auf, denn ich bekam kaum noch Luft. Auch meine Frau erwachte. Sie versuchte, meine verkrampfte Zunge nach vorne zu ziehen. Vergeblich. Dann wurde ich bewusstlos.

Als ich wieder erwachte, lag ich in einem Spitalbett. Weil ich seit meiner Jugend Epileptiker bin, vermuteten die Ärzte einen epileptischen Krampf und überwiesen mich schliesslich in die Epiklinik in Zürich. Dort massen die Ärzte die ganze Nacht meine Hirnströme, die Lungen- und Herztätigkeit und filmten mich. Und da kam es aus: Ich höre im Schlaf immer wieder auf zu atmen. Manchmal eine ganze Minute lang. Und dann japse ich jeweils nach Luft. Das klingt wie in einem Löwenkäfig: Ein Grollen und Rumpeln und Poltern, bis ich endlich wieder einatmen kann. Ich dachte: Du meine Güte, was meine Frau jede Nacht aushalten muss!

Sie hatte immer wieder gesagt, dass ich schnarche und manchmal auch nicht mehr atme. Wir waren deswegen schon beim Hausarzt gewesen, aber der meinte, das sei harmlos. Leider wussten damals selbst Mediziner noch zu wenig über Schlafapnoe.

Erst der Arzt in der Epiklinik erklärte mir, was diese Atempausen bedeuten: Wegen einer Engstelle im Rachen verschliesst sich mein Hals während des Schlafens, und ich drohe immer wieder zu ersticken. So leiste ich jede Nacht Schwerstarbeit, anstatt mich zu erholen.

Ich bekam ein spezielles Beatmungsgerät, ein so genanntes CPAP-Gerät mit einer Maske, die ich über die Nase stülpen muss. Es erzeugt einen Überdruck, der die Engstelle im Hals öffnet. So kann ich wieder richtig atmen. Nach der ersten Nacht mit dem Gerät wachte ich auf und fühlte mich wie neugeboren. Ich hätte Bäume ausreissen können! Da merkte ich erst, dass die lähmende Müdigkeit der vergangenen Jahre weder den Epilepsie-Medikamenten noch meinem Alter zuzuschreiben waren. Seither verwende ich das Beatmungsgerät jede Nacht. Auch in die Ferien nehme ich es mit.

Meine Frau brauchte etwas länger, bis sie sich mit dem Gerät anfreunden konnte. Die erste Maschine, die ich hatte, war auch ganz schön laut. Trotzdem zog meine Frau nicht aus dem Ehebett aus. Sie meinte, wir gehören zusammen und deshalb möchte sie bei mir schlafen. Und eines Tages schloss sie Frieden mit dem Apparat. Sie war gerade im Schlafzimmer beim Abstauben. Sie schaute das Gerät an und sagte zu ihm: Du bist ja eigentlich gar nicht so schlecht. Du hilfst ja meinem Mann. Wir brauchen dich doch. Und sie strich ganz zärtlich mit dem Staublappen über das Gerät. Da war der Bann gebrochen und sie konnte es akzeptieren.

Natürlich hat die Überdruck-Therapie auch Nachteile. Das Liebesleben ist nicht mehr so spontan, wenn man mit einer Apparatur wie ein Astronaut im Bett liegen muss. Jetzt kuscheln wir eben vorher oder am Morgen, nachdem ich die Maske abgezogen habe.

Mein CPAP-Gerät muss ich regelmässig von der Lungenliga kontrollieren und warten lassen. Eine andere Therapie gegen die Schlafapnoe kam für mich nie in Frage. Weder Medikamente noch eine Operation oder eine spezielle Kieferorthese, die den Unterkiefer nach vorne zieht. Denn das alles nützt zu wenig oder hat starke Nebenwirkungen.



Gefährliche Atempausen im Schlaf

Menschen mit Schlafapnoe schnarchen laut und unregelmässig. Mindestens zehn Mal pro Stunde bleibt ihnen die Luft für längere Zeit weg. Ursache ist meist ein Verschluss der oberen Atemwege: Beim Einatmen verschliesst sich der Rachen, weil die Schlund- und Mundbodenmuskeln übermässig erschlafft sind. In seltenen Fällen sind die Atempausen durch eine Funktionsstörung im Gehirn verursacht.
Droht der Betroffene bei einer Atempause zu ersticken, erwacht er kurz - meist unbewusst -, um mit einem explosionsartigen Schnarcher nach Luft zu ringen. Schlafapnoiker können sich deshalb im Schlaf nicht erholen. Die Folgen sind starke Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen oder sogar Depressionen. Zudem erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Rund 5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind betroffen. Besonders gefährdet sind Übergewichtige und Raucher.
- Kontakt und Informationen:
Lungenliga Schweiz, Südbahnhofstr. 14c, 3000 Bern 14, Tel. 031 378 20 50 oder bei einer der kantonalen Lungenligen.

Adressen von Selbsthilfegruppen finden sich unter www.schlafapnoe-selbsthilfe.ch oder bei der Stiftung Kosch, Tel. 0848 810 814.

14. April 2004 | Aufgezeichnet: Sonja Marti


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