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Es gibt zu viel Bio-Milch. Doch die Preise sinken nicht. Grund: Der Handel hat nichts dagegen, dass Konsumenten für Bio-Milch mehr bezahlen.
Die Zahlen sind eindeutig: Rund 186 Millionen Kilogramm Bio-Milch werden dieses Jahr in der Schweiz gemolken - getrunken werden aber voraussichtlich nur rund 170 Millionen Kilogramm. Besonders gross sind die Überschüsse im Winter, wenn die Tiere kalben, und jetzt im Frühling, wenn das frische Gras die Leistung der Kühe steigert: gegen 20 Prozent. Die Überschüsse gelangen als «normale» Milch auf den Markt - jährlich sind das 15 Millionen Kilogramm. Der Preisunterschied: Mit der Knospe ausgezeichnete Bio-Milch kostet bei Coop pro Liter Fr. 1.75, nicht gekennzeichnete Bio-Milch aus dem Überschuss Fr. 1.55.
Wenn das Angebot grösser ist als die Nachfrage, sinkt normalerweise der Preis. Bei der Bio-Milch spielt aber der Markt offenbar nicht. Bio-Suisse-Geschäftsführer Stefan Odermatt begründet die höheren Preise damit, der Mehraufwand der Bio-Bauern müsse abgegolten werden. Ausserdem gebe es ja keinen Druck von billigeren Bio-Milch-Importen aus dem Ausland. Der Verband der Milchproduzenten übernimmt praktisch wörtlich die Sprachregelung der Bio-Suisse, wonach es gar keinen Überschuss gibt, sondern bloss «saisonale Schwankungen».
Keinerlei Konkurrenz unter den Anbietern
Auch die beiden grössten Milchverarbeiter Emmi und Aargauer Zentralmolkerei fordern nach eigenen Angaben derzeit keine Preissenkung. Emmi-Sprecher Stephan Wehrle: «Die Bio-Milch-Preise sind verhandelt und werden nicht gesenkt.» Und die Grossverteiler Coop und Migros betonen, man nehme keinen Einfluss auf Preisverhandlungen. Kein Wunder: Beide verdienen am Verkauf eines Liters Bio-Milch 8 bis 10 Rappen mehr als bei normaler Milch. Die Bauern erhalten für einen Liter normale Milch etwa 75 Rappen, für Bio-Milch 12 bis 15 Rappen mehr.
Hinter den Kulissen bahnt sich bei Bio-Suisse langsam ein Umdenken an. Eine Projektgruppe prüfe ab nächstem Jahr «saisonal differenzierte», sprich tiefere Preise, sagt Odermatt gegenüber saldo.
Hohe Preise sind längerfristig nicht haltbar
Ob es dann auch im Laden wirklich zu Verbilligungen kommt, ist indes noch nicht sicher: Migros und Coop jedenfalls sind eher gegen saisonal unterschiedliche Preise.
Längerfristig lässt sich aber der künstlich hoch geschraubte Bio-Milch-Preis nicht halten. Die Bauern erhalten für konventionelle Milch bis 2007 mindestens 10 Rappen pro Kilogramm weniger als heute - das wird auch Auswirkungen auf den Preis der Bio-Milch haben.
Heidi aus dem Unterland
Heidi auf der Milchpackung, Alpöhi auf der Käseschachtel: Unter der «Heidi»-Marke verkauft die Migros neu Produkte aus «Bergmilch» - zu einem erhöhten Preis: Ein Liter Milch kostet 20 Rappen mehr als das konventionelle Produkt.
«Heidi» wirkt sicher sympathisch, doch der Preis ist nicht gerechtfertigt: Die Bauern erhalten jedenfalls nicht mehr Geld. Die Milch, die für die «Heidi»-Artikel verwendet wird, stammt zwar aus «Bergzonen» - doch das hat weniger mit der Geografie zu tun als mit der Topografie. So kritisiert die Stiftung für Konsumentenschutz: Steile Hänge, für deren Bewirtschaftung es Zuschüsse vom Bund gebe, fänden sich schon in Köniz, keine 10 Kilometer von Bern entfernt. Und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete bemängelt, dass die «Bergmilch» nicht einmal im Berggebiet verarbeitet wird, sondern in Grossbetrieben im Flachland. Von Heidi-Romantik bleibt da wenig übrig.
14. April 2004 | Martin Müller
