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Der Beitrag über die Sicherheit der Breitbandverbindungen ins Internet hat viele Fragen aufgeworfen. Informatikprofessor Peter Heinzmann gibt Antwort.
Jeder Computerbesitzer ist selber dafür verantwortlich, dass er nicht ungeschützt im Internet verkehrt - und nicht der Internet-Service-Provider!
Peter Heinzmann: Wer einen Dienst anbietet, hat auch Verantwortung. Laut Gesetz müssen die Anbieter ihre Kunden nicht nur über die Risiken ihrer Dienste informieren; sie müssen auch geeignete Hilfsmittel zur Beseitigung dieser Risiken anbieten oder nennen.
Es ist zwar richtig, dass Computerbesitzer - wie auch Soft- und Hardware-Hersteller - für die Sicherheit ebenso verantwortlich sind wie die Provider. Nur ist es für den durchschnittlichen Nutzer ungleich schwieriger, sich zu schützen, da er die Problematik und die nötigen Massnahmen kaum kennt.
Als Sicherheitsmassnahme wird den Nutzern geraten, das Betriebssystem regelmässig zu aktualisieren, ein Antivirenprogramm und allenfalls eine Software-Firewall zu installieren. Ein Laie kann das aber nicht.
Da dürften die grossen Hersteller von Antivirenprogrammen anderer Meinung sein. Aktualisierungen von Windows-Betriebssystemen sollten alle Leute per Mausklick auslösen können. Mit der korrekten Konfiguration einer Software-Firewall ist der Grossteil der Internet-nutzer aber tatsächlich überfordert. Die Alternative: Sauber konfigurierte NAT-Router oder eine Hardware-Firewall einsetzen.
NAT-Router und/oder Firewalls sorgen aber dafür, dass viele Online-Programme wie Chats, Foren oder Webcams nicht mehr richtig funktionieren.
Richtig konfigurierte NAT-Router oder Firewalls beeinträchtigen die üblichen Funktionen wie Surfen, Mailen oder Download nicht; spezielle Anwendungen dage-gen - zum Beispiel Virtual Private Network (VPN), Audio- und Video-Chats oder gewisse Spiele - funktionieren in einer derart geschützten Umgebung häufig nicht mehr. Bei den Nutzern und Betreibern dieser Dienste handelt es sich jedoch in der Regel um gewiefte Internet-User. Sie sollten fähig sein, andere Massnahmen zum Schutz ihrer Rechner zu ergreifen.
Nicht die Modems sind das Problem, sondern das unsichere Microsoft-Betriebssystem. Mit Mac und Linux ist alles besser!
Das Sicherheitsproblem wird nicht damit gelöst, dass man es mit den Lücken im Microsoft-Betriebssystem entschuldigt. Ob wesentlich weniger Sicherheitslücken zum Vorschein kämen, wenn Mac und Linux ebenso weit verbreitet wären wie die Windows-Systeme, darüber streiten sich die Gelehrten.
Sind auch Analog-Modems und ISDN-Anschlüsse unsicher?
Tatsächlich sind auch Internetverbindungen mit einem normalen Analog- oder ISDN-Anschluss besonders unsicher. Der User sollte sich deshalb wie bei einem Breitbandanschluss mit regelmässiger Aktualisierung des Betriebssystems, Antivirenprogramm und Firewall schützen. Bei diesen Verbindungen wählt sich der Nutzer aber jedes Mal speziell ins Internet ein, während ein Rechner mit einem Breitbandanschluss am Netz ist, sobald der Computer eingeschaltet ist: Mit sogenannten Dialup-Verbindungen ist ein Rechner also wesentlich weniger lang exponiert als einer mit einem Breitbandanschluss. Ausserdem ist er langsamer: Die Geschwindigkeit, mit welcher von einem solchen Rechner aus Angriffe auf Dritte durchgeführt werden könnten, ist geringer.
Breitbandig ans Internet angeschlossene Rechner sind viel schneller: Geraten sie unter fremde Kontrolle, können sie grossen Schaden bei anderen Usern anrichten.
Wenn jemand auf seinem Rechner abgespeicherte Dokumente frei im Internet einsehbar macht, so ist das seine Sache. Wenn aber Fremde von seinem Rechner aus Viren, Würmer oder Spam verbreiten, sollte dies alle interessieren, vor allem auch die Internet-Service-Provider.
Unsichere Verbindungen
Peter Heinzmann, Informatikprofessor an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR), hat für saldo und Kassensturz die Sicherheit von Breitbandverbindungen ins Internet getestet (saldo 4/04).
Das alarmierende Resultat: Zigtausende Computer von Privaten und Firmen sind ungeschützt. Fremde können leicht eindringen und Daten stehlen, Viren und Würmer einschleusen oder den Rechner für deren Weiterverbreitung missbrauchen. Einer der Hauptgründe für diesen Missstand: Es kommen unsichere Modems zum Einsatz und die Provider unternehmen zu wenig gegen die Risiken.
17. März 2004 | Interview: Bennie Koprio
