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Artikel | saldo 2/2004

Datenklau am Bancomaten

Veraltete Technologie, raffinierte Gauner: Der Missbrauch mit Maestro-Karten nimmt zu. Den Schaden müssen Karteninhaber oft mittragen.

Marion Vogler wollte an einem Wochenende mit ihrer Maestro-Karte - der ehemaligen EC-Karte - 200 Franken beziehen. Die Transaktion bei der UBS am Bubenbergplatz in Bern misslang: Der Automat zog die Karte ein. Auf einem Hinweisschild stand, dass es aufgrund von Wartungsarbeiten zu Fehlfunktionen kommen könne. Die Filiale werde die Karte verwahren, der Inhaber könne sie am Schalter abholen.

Doch der Hinweis war nicht von der Bank: Gauner hatten den Automaten manipuliert. Als Marion Vogler zwei Tage später die Karte abholen wollte, war sie weg. Der Kontoauszug zeigte: In den zwei Tagen hatten Unbekannte im In- und Ausland über 3000 Franken bezogen. Marion Vogler ist fassungslos: «Ich finde es schockierend, wie man es schafft, in einer mit Kameras überwachten Hauptfiliale einer Grossbank die Bancomaten zu manipulieren und mein Konto zu plündern.»


Kundin muss einen Teil des Schadens selber übernehmen

Bei der Polizei ist der Trick so bekannt, dass er bereits einen Spitznamen hat: Marseiller Schlinge. Die Täter bringen im Kartenschlitz eine Schlaufe an. Die Karte bleibt innen stecken und die Gauner fischen sie später wieder heraus.

Die Bank zahlte Marion Vogler nur 80 Prozent des gestohlenen Geldes zurück. Grund: Die Kundin hätte die UBS sofort über den Karteneinzug informieren müssen. Ganz gleich, ob ein Wochenende dazwischen lag oder nicht. Der Schaden für Marion Vogler: 700 Franken.


Magnetstreifen der Maestro-Karten sind veraltet

Die Firma Telekurs in Zürich ist technisch verantwortlich für den Zahlungsverkehr mit der Maestro-Karte. 2003 registrierte Telekurs rund 1000 Fälle von Missbrauch, doppelt so viele wie vor drei Jahren. Trotzdem vertritt die Firma noch immer die Meinung, dass die Karte in Kombination mit dem Pin-Code sicher sei.

Doch die Tricks der Gauner werden immer raffinierter: Kriminelle erleichterten zum Beispiel das Konto der Rentnerin Assimo Merminga im Dezember um 4000 Franken, ohne die Karte zu stehlen. Die Täter hatten die Daten auf dem Magnetstreifen der Karte kopiert, als die Rentnerin an einem Bancomaten in Wallisellen ZH Geld bezog. Möglich war dies mit einem Kartenleser, wie er für wenige hundert Franken im Fachhandel erhältlich ist. Mit diesen Daten kann der Gauner Kopien der Originalkarte herstellen. Die veralteten Magnetstreifen erlauben dies problemlos.

Laut Heinrich Guggenbühl, Chef Wirtschaftsdelikte bei der Kantonspolizei Zürich, kopierten die Kriminellen an besagtem Bancomaten verschiedene Karten. An den Pin-Code kamen die Täter laut Guggenbühl vermutlich durch eine Tastaturattrappe, die sie über die Originaltastatur gelegt hatten: Diese speicherte den Code beim Eintippen. Eine weitere High-Tech-Methode, mit der sich die Täter die Geheimzahl beschaffen: Mit einer Minikamera filmen sie den ahnungslosen Bankkunden beim Eintippen des Pin.

Guggenbühl warnt, dass eine Welle von Datenklau am Bancomaten bevorsteht: «Je mehr diese Technik angewandt wird, desto leichter kommen auch technisch weniger Versierte an sie heran. Auch über das Internet. Dementsprechend werden die Zahlen steigen.»

Doch bei Telekurs gibt man sich unbeeindruckt: Die Missbräuche seien zwar unerfreulich, aber noch nicht alarmierend.


Neuer Chip soll mehr Sicherheit bringen

Trotzdem: Mittelfristig sollen alle Maestro-Karten zusätzlich einen sogenannten EMV-Chip erhalten. Entsprechend ausgerüstete Automaten akzeptieren eine Karte nur, wenn der Chip drauf ist. Aber: Der Magnetstreifen bleibt auf der Karte. Und den können die Gauner weiterhin kopieren. Selbst wenn alle Bancomaten in der Schweiz auf den neuen Chip umgerüstet sind - Bezüge mit kopierten Schweizer Karten sind an einfacheren Automaten im Ausland weiterhin möglich.



Tipps für den Geldbezug

- Lassen Sie sich beim Geldbezug nie ablenken, helfen oder stören.
- Leisten Sie Hinweisklebern am Automaten keine Folge.
- Entnehmen Sie Belege immer und entsorgen Sie sie sicher.
- Melden Sie abhanden gekommene oder verlorene Karten sofort, damit sie gesperrt werden können - bei Tag und bei Nacht.
- Melden Sie einen Karteneinzug sofort.
- Achten Sie beim Eintippen des Pin-Codes darauf, dass niemand zusieht - sowohl am Bancomaten wie beim Einkaufen.

04. Februar 2004 | Anatol Hug


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